… Dorfkind vs. Stadtmensch …

Damals kam man von der Schule nach Hause, um nur wenig später draussen die Freunde zu treffen. Meist an der Bushaltestelle oder am Kriegerdenkmal. Ab und an auch am Dorfteich, gleich neben der Freiwilligen Feuerwehr. Meist im Frühjahr und Sommer, wenn die Enten drauf schwammen, die man so schön als Zielscheibe benutzen konnte. Immer dabei: das Fahrrad. Man brauchte es für so ziemlich alles. Für die Fahrt zum einzigen Tante Emma Laden des Dorfes, um sich dort ein Calyppo (ein Wassereis) zu kaufen… Für die Fahrt zum besten Freund, der im Nachbardorf wohnte, erreichbar über einen Feldweg, nur vereinzelt mal befahren von Traktoren des einzigen Großbauern im Dorf. Staub aufwirbelnd, der in Form von Dreck beim besten Freund in die Wohnung geschleppt wurde und elterlichen Unmut provozierte… Für die Reise in unser eigenes Reich, dem Waldgebiet nahe des Dorfes, in dem sich das selbstgebaute Baumhaus befand. Einem Wald, der als überdimensionale Spielwiese diente. Voll mit geheimnisvollen Schluchten, einer Burgruine, einer Waldlichtung und einem kleinen Bach. Rückzugsgebiet für die eigenen Gefechte mit bösen Dämonen, wilden Tieren und gefährlichen Monstern. Fantasiewelt und gleichzeitig realer Spielplatz eines Kindes…  Später auch für die Fahrt zum Freibad in einem anderen Nachbardorf. Zum Campen. Zum Baden. Zum Beachvolleyball spielen. Zum Grillen. Und für das erste Verlieben, den ersten Kuss. Dort. Am Strand, bei untergehender Sonne. Klischeehaft und doch als Erinnerung so nah…

Ich war ein Dorfkind und die Natur war mein Spielfeld.

Heute kommt man von der Arbeit nach Hause. Trifft sich vielleicht noch mit Freunden auf ein Bier. Geht ins Kino. Verbringt den lauschigen Sommerabend mit einem Glas Wein oder den kühlen Herbst mit einem heißen Tee auf dem Balkon. Gern allein, doch ab und an auch in (ver)lieb(t)er Gesellschaft. Klischeehaft und doch als Erinnerung so nah… Treffpunkte sind irgendwie überall und nirgendwo. Die Stadt rauscht an einem vorbei. Ist in den leisen Momenten ganz nah. In den lauten Momenten so fern. Erscheint mitunter aber fast genauso geheimnisvoll, wie der Wald der Kindheit. Mit ebensolchen Monstern und bösen Dämonen. Die aber irgendwie anders erscheinen… Fasziniert des Nachts mit lauschiger Ruhe, der unbedingten Erholung vom niemals enden wollenden Lärm des Tages. Dann erinnern die Lichter der Stadt für einen kurzen Augenblick an die reflektierenden Sonnenstrahlen, die sich durch die Baumwipfel des Waldes stahlen. Damals. Aus den Waldschluchten werden Häuserschluchten. Heute.

Ich bin ein Stadtmensch und der Asphalt ist mein Umfeld. 

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