31 Tage – 31 Filme: Tag 1

Der kulturelle Output der Menschheit besteht ja seit nun mehr etwas mehr als 100 Jahren auch aus filmischen Werken, festgehalten auf Zelluloid oder in neuester Zeit auch digital. Im Laufe dieser Jahre und Jahrzehnte entstanden eine unendliche Zahl an Filmen. Zum Weinen, zum Lachen, zum Aufregen, zum Einschlafen, zum Staunen, zum Mitsingen, zum Mitfiebern, zum Erschrecken, zum Verlieben… zum… Na, sie wissen schon, was ich meine.
Die wundervolle Blogserie „31 Tage – 31 Filme“ greift einen Bruchteil dieses filmischen Outputs auf – noch dazu den mir persönlich bekannten – stellt jeden Tag eine bestimmte Aufgabe und lässt mich grübelnd über die für mich optimale Antwort zurück. Entdeckt in der ERGOThek, erfunden und mit Regeln versehen von Lena auf dem To the Lighthouse Filmblog wird meine Wenigkeit ebenfalls einen Teil zur Lösung der Aufgaben beitragen. Es wird mehr als 31 Tage brauchen. Am Ende sind es sicher auch mehr als nur 31 Filme, die die Tage ausfüllen. Und es werden definitiv viele weitere mir noch unbekannte, nicht benannte oder schlichtweg vergessene Filme fehlen. Aber das Entdecken und Wieder-Entdecken filmischer Highlights entschädigt ohne Zweifel für alle entstehenden grübelnden Strapazen… 

Tag 1 – Welchen Film hast du als Letztes gesehen?

Zu Beginn ist es wenigstens noch einfach. Ich muss mich nicht zwischen mehreren Kandidaten entscheiden. Grübeln, Abwegen, Aussortieren? Nicht nötig. Wenn es doch immer so leicht wäre.

Der letzte gesehene Film ist ein dreiteiliges Kammerspiel in Perfektion, umgesetzt von einem alten Veteranen der Regisseurzunft, besetzt mit hervorragend agierenden Schauspielern: „Der Gott des Gemetzels“ von Roman Polanski.

Obwohl im Filmtitel das martialisch erscheinende Wort Gemetzel zu finden ist, laufen die knapp 80 Filmminuten unblutig ab. Was man hier sieht, ist vielmehr ein Wortgemetzel! Als Adaption eines Bühnenstückes von Yasmine Reza wird der Film von den Dialogen seiner Protagonisten getragen. Ihre Präsenz, ihre Mimik und Gestik, ihre Handlungen bestimmen und beherrschen den kompletten Film. Um meine Aufmerksamkeit zu gewinnen, bedarf ein derart wortreicher Film eines würdigen Schauspielerensembles. Glücklicherweise hat Roman Polanski eine großartige Auswahl getroffen. Vier Personen (zwei Paare) mit vier unterschiedlichen Charakteren führen in einem Raum ein Schauspiel in drei Akten auf. Am Anfang noch sauber abgetrennt in die jeweiligen partnerschaftlichen Parteien, verschwimmen die Grenzen zwischen den Protagonisten, schlägt sich der eine mal auf die eine Seite und der andere mal auf die andere Seite. Mit jeder Minute, die der Film voranschreitet, entblättern sich die Protagonisten mehr und mehr. Unter der erwachsen und beherrscht erscheinenden Oberfläche kommen die Ecken und Kanten, die Probleme und Gefühle zum Vorschein. Ich muss jedes Mal wieder Schmunzeln, wenn sich Christoph Waltz und Jodie Foster in einen verbalen Schlagabtausch begeben. Es ist einfach nur köstlich John C. Reillys Bemühen um ein ständiges Glätten der Wogen zu beobachten. Kate Winslet als anfänglich beherrschte, etwas dekadent erscheinende Ehefrau beim stetig ansteigenden Wutpotential (bedingt auch durch den Alkoholeinfluss) zu verfolgen? Wunderbar, das ist einfach nur wunderbar! Das Timing der Darsteller, der Wechsel zwischen mimischen und verbalen Emotionen (insbesondere Mr. Waltz ringt einem ständig ein leichtes Grinsen ab) und die gegenseitigen kleinen Spitzen und Sticheleien unterhalten in jeder Minute.

Roman Polanski begeistert mich doch immer wieder aufs Neue. Auch mit diesem Film. „Der Gott des Gemetzels“ verging wie im Flug, war erfrischend leicht, an manchen Stellen überraschend und unglaublich gewitzt. Ein seelischer Striptease menschlicher Eigenheiten, komprimiert auf im Endeffekt einen Raum und dessen vier Personen. Herrlich anzuschauen.

Coming up next: Tag 2 – Nenne deinen Lieblingsfilm. (Und schon wird es knifflig.)

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5 Antworten zu 31 Tage – 31 Filme: Tag 1

  1. ER.GO schreibt:

    Oh schön, dass du dich auch dieser Aufgabe annimmst! Ich freu mich. Ein sehr schöner Tag 1. Ein großartiger Film. 🙂

  2. Pingback: (R) Endstation Lagos | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

  3. Pingback: Maximum Medium Overload Episode One | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

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