… Mein ÖPNV menschelt …

„Nächste Haltestelle: Lessingstraße“… Automatische Haltestellendurchsagen in Bus und Bahn sind immer mal wieder etwas Besonderes. Vorrangig dann, wenn die dafür verwendete Stimme irgendwie so gar nicht passen will. Navi-Stimmen, Siri und Co. Überall kommen die kleinen Helfer im Alltag zum Einsatz. Dahinter steckt ja immer auch ein bestimmter Mensch, der einen speziellen Standardsatz einspricht, der dann wie von Geisterhand alle möglichen neuen Wörter daraus zaubert.

Mein ÖPNV hatte dafür bisher immer eine recht angenehme, in der Tonlage annähernd perfekt funktionierende weibliche Stimme auserkoren. Doch die scheint nicht allen Fahrgästen gefallen zu haben. (Vielleicht hat aber auch der Service des ÖPNV nicht gefallen und somit wurde selbst eine Kleinigkeit wie die automatische Haltestellendurchsage für nervend erachtet. Wer weiß das schon.) Deshalb kam von einigen engagierten Bürgern der Stadt die Idee, jede einzelne Haltestellendurchsage zu personalisieren. Mein ÖPNV dachte an die Außenwirkung einer solchen Idee und sagte Ja. Die Folge ist ein ständig wechselndes Stimmengewirr. Kleine Kinder mit hell krächzender Stimme an der einen Station, gefolgt von einer tiefbrummenden Männerstimme an der nächsten. Monoton gesprochene, manchmal aber auch erfrischend locker erklingende Stationsinformationen. Mein ÖPNV menschelt… eine öffentliche personalisierte Nachrichtenvermittlung.

Was zuerst wie eine tolle Idee erscheint, stellt sich in der praktischen Anwendung als nervender als jede automatische Ansage heraus. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier (immer wieder ein paradoxes Wortspiel). Ständig wechselnde Stimmen bei der Durchsage sind verwirrend. Da in der Bahn ja schon von vornherein ein wuselndes Gewirre aus verschiedensten Stimmen vorherrscht, geht die Durchsage unter und verfehlt somit das Ziel der Informationsvermittlung. Gut, das mag für die Bewohner der Stadt und die täglichen Nutzer der Bahn irrelevant sein, da die/derjenige eh jede Haltestelle kennt. Für Besucher und Durchreisende ist dies allerdings eine schlechte Lösung. Der ÖPNV darf gern mehr menscheln. Dann aber bitte da, wo es auch Sinn ergibt. In den örtlichen Servicestationen zum Beispiel, bei den Kontrolleuren in der Bahn sowieso. Da erscheint es manchmal automatisierter zu zugehen, als momentan über die Haltestellendurchsage.

„Nächste Haltestelle: Zoo.“… (Kann ich hier eigentlich auch menschliche Eigenarten im Freigehege beobachten? Oder muss ich dafür auch weiterhin Bahn fahren?)

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