31 Tage – 31 Filme: Tag 8

Der kulturelle Output der Menschheit besteht ja seit nun mehr etwas mehr als 100 Jahren auch aus filmischen Werken, festgehalten auf Zelluloid oder in neuester Zeit auch digital. Im Laufe dieser Jahre und Jahrzehnte entstanden eine unendliche Zahl an Filmen. Zum Weinen, zum Lachen, zum Aufregen, zum Einschlafen, zum Staunen, zum Mitsingen, zum Mitfiebern, zum Erschrecken, zum Verlieben… zum… Na, sie wissen schon, was ich meine.
Die wundervolle Blogserie „31 Tage – 31 Filme“ greift einen Bruchteil dieses filmischen Outputs auf – noch dazu den mir persönlich bekannten – stellt jeden Tag eine bestimmte Aufgabe und lässt mich grübelnd über die für mich optimale Antwort zurück. Entdeckt in der ERGOThek, erfunden und mit Regeln versehen von Lena auf dem To the Lighthouse Filmblog wird meine Wenigkeit ebenfalls einen Teil zur Lösung der Aufgaben beitragen. Es wird mehr als 31 Tage brauchen. Am Ende sind es sicher auch mehr als nur 31 Filme, die die Tage ausfüllen. Und es werden definitiv viele weitere mir noch unbekannte, nicht benannte oder schlichtweg vergessene Filme fehlen. Aber das Entdecken und Wieder-Entdecken filmischer Highlights entschädigt ohne Zweifel für alle entstehenden grübelnden Strapazen…

Tag 8 – Nenne einen Film von deinem/r Lieblingsregisseur/in (wahlweise Lieblingsschauspieler/in).

Im Hinblick auf den folgenden Tag, der nach dem schlechtesten Film meines/r Lieblingsregisseurs/in fragt, hatte ich erst Bedenken, da ein/e favorisierte/r Irgendwer ja niemals etwas Schlechtes produzieren könnte. Zumindest nicht durch die subjektiv gefärbte Brille eines enthusiastischen Anhängers, der man sein müsste, um diese/n Irgendwer zum Liebling zu erheben. Nicht das ich das wäre. Obwohl, vielleicht ja doch. Objektiv betrachtet (ich versuche dies wirklich) findet man unter den durchweg guten Filmen sicher einen, der nicht so gut und daher für die Kategorie schlechtester Film ausreichend prädestiniert ist. Der geschlechtlichen Gleichberechtigung huldigend und weil tatsächlich beide nun folgenden Regisseure zu meinen ausgesprochenen Lieblingsregisseuren gehören, die ich mir ohne „Skrupel“ und vorherige feuilletonistische Recherche cineastisch einverleibe, gibt es zwei Filme – von einer Dame und einem Herrn.

In der Retrospektive muss man ausserordentlich froh sein, das sich Francis Ford Coppola nicht nur dem Drehen und Produzieren von (nicht immer als gut zu bezeichnenden) Filmen gewidmet hat, sondern auch ein Familienleben pflegte. Sonst würde der Welt heute eine grossartige Regisseurin fehlen – Coppolas Tochter Sofia. Ihr Debütwerk „The Virgin Suicides“ , eine Buchadaption von Jeffrey Eugenides, ist eine gelungene Erzählung in leisen Tönen. Sofia Coppolas Erzählstil ist sowieso ein immer ruhiger und langsamer – auch in den darauf folgenden Werken „Lost in Translation“ oder „Marie Antoinette“. Auf den erzählerischen Höhepunkt des Langsamkeitstrips bewegt sich (oder filmisch betrachtet bewegt sich eher nicht) ihr Werk „Somewhere“. Eine Form der filmischen Erzählung die mit minimalem Dialogeinsatz, aber maximaler mimischer und gestischer Darstellung seiner Protagonisten (wunderbar Stephen Dorff und Elle Fanning in den beiden Hauptrollen agierend) die – mit etwas Hilfe – Selbstfindung eines längst verloren geglaubten, vom Leben gelangweilten und gezeichneten Menschen zeigt. Exzellent fotografiert und auf den Punkt gebracht, hat Sofia Coppola mit diesem Film ihr meiner bescheidenen Meinung nach bisher bestes Werk produziert. Nicht nur, aber auch aufgrund der sich dem Film so homogen einfügenden musikalischen Untermalung der französischen Band Phoenix. Der (meist) stimmige Musikeinsatz zählt nämlich ebenso zu den Besonderheiten in der Erzählform von Sofia Coppola. Damit habe ich jetzt eigentlich mehr als einen Film genannt, aber „Somewhere“ soll in diesem Fall als Referenz für Sofia Coppola gelten. Punkt.

 

Der männliche Lieblingsregisseur könnte die filmische Erzählform betreffend nicht weiter weg sein von Sofia Coppola. Aber immerhin gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen beiden: der passende musikalische Einsatz in den Werken. Keine kompositorischen Stücke, sondern der meist persönliche Input des Regisseurs (und in einzelnen Filmen auch der von Wu Tang Clan Mitglied The RZA) bestimmt die jeweils dazugehörige Szene des Films und den Soundtrack. So ist schon die auditive Ebene ein Genuss, ganz zu Schweigen von der Visuellen. Auf die Spitze getrieben hat Quentin Tarantino diese visuelle und auditive Verbindung in seinem Zweiteiler „Kill Bill“, der Rache-Geschichte einer gedemütigten Frau und Mutter (Uma Thurman als „The Bride“ bestimmt diesen Film), die sich definitiv nicht mit den Waffen einer Frau, sondern mit den eigentlichen, im Wortsinne gebrauchten Waffen an ihrem ehemaligen Geliebten, Vertrauten, Chef und Vater ihres Kindes und dessen ‚Jüngern’ blutig (und visuell fantastisch eingefangen) rächt. „Kill Bill“ ist stellenweise eine Gewaltorgie, bietet aber auch mehrere ruhige Szenen der Kontemplation. Die Dialoge (ein Markenzeichen Tarantinos) sind ungemein stimmig in die Bilder eingepasst. Die Musik ist dann das Sahnestück des tarantinoesken Kuchens. Eines Kuchens, der exzellent schmeckt, jedoch schwer verdaulich ist. Aber die leckeren Sachen haben halt immer mehr Kalorien. Und „Kill Bill“ ist als Zweiteiler natürlich doppelt kalorienhaltig und außerdem doppelt gut.

 

Coming up next: Tag 9 – Welches ist der schlechteste Film deines/r Lieblingsregisseurs/in (wahlweise Lieblingsschauspielers/in)?

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