Blogparade: Einmal und nie wieder…

… ist der erste (und letzte) Gedanke nach dem Schauen eines Films. Und das, obwohl dieser Film so grossartig war, das man ein solches Werk Jeder/m weiter empfehlen würde. Zehnmal sollte ich wenigstens schon diesen Gedanken gehabt haben, um der Aufgabenstellung der Singenden Lehrerin gewachsen zu sein. Wie schwer dies sein kann, war mir sofort bewusst, weil man doch eigentlich grossartige Filme immer mehr als einmal schaut. Trotzdem hab ich 10 filmische Glanzstücke, die sich als Eintagsfliegen entpuppten, zusammengewürfelt. (Allerdings kann ich nicht versprechen, dass ich nicht doch irgendwann einmal den einen oder anderen ein zweites Mal schaue.) Nun denn, wohlan.

Zu Beginn erst einmal zwei Werke, bei denen es leicht war, weil der Twist im Film ein zweites Schauen erübrigt. Einfach weil dann der Überraschungseffekt bereits abhanden gekommen ist:

The Sixth Sense (von M. Night Shyamalan)

Wundervoll erzählte Geschichte. Geheimnisvoll, mysteriös, einfallsreich, spannend und dann natürlich durch den besonderen Dreh mit einem unglaublichen WTF-Gefühl. Ich schätze, das die Filmblogger ihn alle kennen und daher wissen, worum es geht. Trotzdem (und falls es tatsächlich jemanden geben sollte, der den Film noch nicht gesehen hat) lasse ich den Spoiler mal im Schrank. Vorsichtshalber.

Yella (von Christian Petzold)

Der Film ist Teil seiner Gespenster-Trilogie, was nicht zwangsläufig irgendetwas mit Grusel zu tun hat, sondern eher mit anderen metaphorischen Geistern. Dennoch ist der Film ein wenig geisterhaft, traumwandlerisch und zwischen den Welten agierend. In gewisser Weise. Und er glänzt mit Petzolds schauspielerischer Muse, Madam Nina Hoss, in einer fantastischen Hauptrolle.

Nach den zwei obligatorischen Einmal-und-nie-wieder-Filmen wird es schon etwas schwerer bei der Auswahl. Aber ich gebe mein Bestes. Ehrlich.

Die Passion Christi (von Mel Gibson)

Extrem gewalttätig und blutig wird in grandios fotografierten Bildern die letzte Station im Leben Jesus von Nazareths geschildert. Von der Verhaftung, über die Verurteilung, zur Kreuzigung, bis zur Wiederauferstehung. Den Film sollte man einmal gesehen haben. Die extremen Darstellungen des Leidens sind jedoch nichts für schwache Gemüter.

Antichrist (von Lars von Trier)

Von Jesus zum Antichrist. Hier allerdings nicht in persona, sondern im übertragenen Sinne. Der Film wartet mit einigen Gewaltdarstellungen und Selbstverstümmelungen an diversen (hier nicht näher zu definierenden) Körperstellen auf, ist stellenweise konfus und geheimnisvoll. Aber wie so oft bei von Trier Filmen extrem gut fotografiert. Zu extrem mitunter. Und daher nicht für den mehrmaligen Konsum zu empfehlen. Wahrlich nicht!

Wechseln wir deshalb mal schnell zu der etwas leichteren Kost filmischer Kunst:

Restless (von Gus van Sant)

Erster Must see-Grund ist die unglaublich gut aufspielende Mia Wasikowska als unheilbar kranke Annabel. Zweiter Grund ist die wunderbar anrührende Geschichte des Films. Schön verquer romantisch, manchmal augenzwinkernd lustig, melancholisch einfühlsam und dann doch deprimierend traurig. Geht einmal, muss aber nicht zweimal sein.

Spring Breakers  (von Harmony Korine)

Großartige, bunte, fluoreszierende, transzendente, flimmernde, wackelnde, verschwommene und am Ende doch irgendwie beeindruckende Bilder bietet dieser Film. Passend dazu ist der Soundtrack eingebettet. Wenn das Drehbuch und die Handlung nicht so unglaublich banal und langweilig wären, hätte daraus ein passables Gesamtwerk werden können. So ist es allerdings nur ein gelungenes, etwas zu lang geratenes Musikvideo geworden.

Kehren wir wieder zu etwas schwer verdaulicherer Filmkunst zurück.

Audition (von Takashi Miike)

Der Film steht ein wenig auch stellvertretend für mehrere diesem speziell japanischen Horror (wenn man dies denn so bezeichnen will) zuzuordnenden Genre. Ein Film, der 90 Minuten eine anscheinend normale Liebesgeschichte zu erzählen scheint und sich dann in den letztes 15 Minuten in ein alptraumhaftes Szenario verwandelt. Inklusive ekliger Folterszene. Das kratzt ungemein an den Nerven, vor allem durch die so ruhige, gemächliche Hinführung zum finalen Supergau.

Caché (von Michael Haneke)

Ein Haneke! Immer was Besonderes. Scheint zu Beginn auch entspannend und ruhig dahin zu plätschern (obwohl bereits die Einleitung für den Zuschauer sehr fordernd ist). Entwickelt sich dann aber zu einer mysteriösen, am Ende offenen Geschichte über die Geister der Vergangenheit und deren Einfluss auf die Gegenwart. Der Film ist vor allem durch die Art des Filmens sehenswert, weil eben anders und bietet ein paar spannende Wendungen innerhalb der Handlung.

Vinyan (von Fabrice du Welz)

Da hatte einer extrem viel Lust am filmischen Experimentieren. Die Bilder sind mitunter surreal, überzeichnet, flimmernd, traumatisch – dann wieder natürlich, in satten Farbtönen. Das schafft eine ungemein dichte Atmosphäre. Man kann diesen Film stellenweise förmlich Einatmen, Aufsaugen. Ebenso faszinierend ist die Tonebene. Auch hier spielt der Regisseur mit verschiedensten Möglichkeiten, um somit entweder wieder die phantastische oder die natürliche Seite hervorzuheben. Man kann sich in diesem Film ungefähr so verlieren, wie die beiden Protagonisten (nebenbei bemerkt ist das Schauspiel von Emmanuelle Béart und Rufus Sewell hier als grandios zu bezeichnen) sich im Dschungel verlieren. Großartiger Film, der aufgrund des (in gewisser Weise zu erwartenden) Endes einen aber auch verloren zurück lässt.

Damit haben wir neun potentielle Einmal-und-nie-wieder-Kandidaten seziert. Bleibt noch ein letzter Trumpf im Ärmel.

Halt auf freier Strecke (von Andreas Dresen)

Diesen Film will man sich nicht zweimal antun, weil er einfach unglaublich realistisch ist und deshalb so emotional bedrückend wirkt. Auch wenn es sich hierbei um einen Spielfilm handelt, mutet er oft eher wie eine Dokumentation an. Dresen zeigt den Leidensweg eines an einem inoperablen Gehirntumor laborierenden Mannes (Milan Peschel ist einfach nur sensationell gut in der Rolle des Frank Lange) in all seinen Facetten. Von den Stimmungsschwankungen, über den körperlichen Verfall bis hin zum unabwendbaren Tod. Mittendrin in der Szenerie fühlen wir ständig mit, regen uns ebenfalls auf, freuen uns über die lichten Momente, die immer rarer werden und trauern angesichts der letzten Stunden im Leben von Frank. Der Film laugt einen körperlich förmlich aus. Das kann man sich nicht ein zweites Mal antun.

Weshalb das „Einmal und nie wieder.“ in diesem Augenblick durchaus angebracht erscheint. So wie auch bei den neun zuvor benannten grossartigen Werken. Damit wäre die Aufgabe dieser interessanten Blogparade erfüllt. Noch einmal Dank an die Singende Lehrerin für diese tolle Idee…

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7 Antworten zu Blogparade: Einmal und nie wieder…

  1. bullion schreibt:

    Da hast du ein paar interessante Filme auf der Liste. Auch solche, die ich mir nie anschauen würden. Auch nicht einmal, egal wie gut sie sind. „Halt auf freier Strecke“ macht mich z.B. schon fertig, obwohl ich nur die Zusammenfassung der Handlung kenne.

    • Stepnwolf schreibt:

      Der ist auch wirklich extrem aufwühlend. Vor allem, weil Dresen da immer voll drauf hält, egal, ob der Protagonist grad krankheitsbedingt am Erbrechen (um es mal positiv auszudrücken), am Sabbern etc. ist. Um den Film zu schauen, sollte man sich nichts weiteres im Nachhinein vornehmen, einfach um wieder „runterzukommen“.

  2. singendelehrerin schreibt:

    Hey, hätte ich fast übersehen, dass du auch mitgemacht hast! Irgendwie funktioniert bei mir wohl der/das Pingback nicht, zumindest nicht auf Chrome… Poste bitte doch das nächste Mal auch in den Kommentaren bei mir, damit ich dich nicht übersehe! 😉

    Da es heute schon recht spät ist, werde ich erst morgen deine interessante Liste ausführlicher kommentieren.

    Herzlichen Dank heute schon fürs Mitmachen! So hat mein erster Versuch einer Blogparade doch deutlich meine (bescheidenen) Erwartungen übertroffen! Sollte ich noch ein Pingback übersehen haben, macht mich bitte darauf aufmerksam!

  3. singendelehrerin schreibt:

    Okaaay, von deiner Liste habe ich gerade mal EINEN Film gesehen („The Sixth Sense“)! Spannend! Allerdings würde ich mir die meisten deiner genannten Filme nicht mal einmal ansehen, wie z. B. „Die Passion Christi“ oder auch „Antichrist“.

    Auf den „Geschmack“ komme ich so langsam bei „Audition“ und „Caché“, mal sehen, ob ich mir die nicht doch irgendwann mal gebe.

    • Stepnwolf schreibt:

      Solltest du unbedingt. Sind beide auf ihre Art besonders. „Cache“ ist massenkompatibler. „Audition“ ist dafür etwas ekliger. Aber wie gesagt nur am Ende. Stell dich aber auf gruselig/grauselige Bilder ein.

  4. Pingback: Media Monday #185 | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

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