8 Lieder (und keine Anspielung auf François Ozon)

Der Media Monday auf Wulfs Medienjournal Blog erfreut sich in der Blogosphäre ja sehr großer Beliebtheit. Als ich mir die Antworten zur letzten Folge auf der Blogseite der Singenden Lehrerin zu Gemüte geführt hatte und dort in den Kommentaren Gedanken aufkamen, man könnte doch mal einen Film zu einem ganz bestimmten Lied drehen, fing bei mir sofort das Kopfkino an. Zuerst dachte ich daran, das es ja das Prinzip des Erzählens einer Geschichte in musikalischer Form auf Albumlänge schon sehr lange gibt. Konzeptalben sollen da als Beispiel dienen. Größtenteils sind diese natürlich auch immer auf das ‚Lieblingsthema‘ musikalischen Outputs beschränkt: Liebe, Herzschmerz, Zweisamkeit, Einsamkeit und all die möglichen Variationen dazwischen. Demgegenüber werden aber auch ganz andere Themenkreise in einem kompletten Album mal mehr, mal weniger zusammenhängend be- und verarbeitet (Wikipedia hat eine sehr schöne, natürlich nicht vollständige, Liste parat). Ein Album bietet hierbei den Vorteil der umfangreicheren, spezielleren Erzählweise. Ein einzelnes Lied hat es da ungleich schwerer. Hier muss bereits das Thema und mögliche Handlungsstränge zumindest angedeutet werden. Das Kopfkino läuft bei mir noch immer und auf Anhieb sind mir ein paar (mitunter) Klassiker eingefallen, deren Text auch Filmpotential bietet…

Guns N’Roses – Coma

Die Länge des Stücks hat auf jeden Fall schon mal Kurzfilm-Ausmaße. Der Rausschmeißer der „Use your Illusion I“ erzählt von einem Koma-Patienten und zwar aus der Sicht eben jenes. Sehr dunkel, stellenweise destruktiv, aber auch mit einzelnen Lichtblicken (lyrisch sogar wörtlich zu nehmen). Passend dazu wäre ein surreales filmisches Werk mit Traum/Wirklichkeit Aspekten vorstellbar („Fear and Loathing in Las Vegas“ lässt grüßen). Falls die Vorgeschichte des Protagonisten mit eingebaut werden soll, ist auch ein Drama denkbar. Axl Rose kann sogar spontan die Rolle des Koma-Patienten übernehmen. Musik ist von ihm ja in naher Zukunft nicht zu erwarten.

Bob Dylan – Masters of War

Auf der „The Freewheelin’“ enthalten, ist dieser Bob Dylan Klassiker nur einer von vielen Antikriegssongs (immerhin findet sich auf dem gleichen Album auch das sehr viel bekanntere „Blowin’ in the wind“). Dennoch ist die stakkatohafte Anklage an alle Kriegstreiber – seien sie medial, industriell oder politisch verortet – explizit auf den Punkt gebracht. Der Titel des Songs ist natürlich auch der Titel des Films, denn aussagekräftiger geht es nicht. Der Film wird wohl eine kritische Reflexion auf die demokratische Gesellschaft und ihr Verhältnis zum gerechten Krieg thematisieren, gern auch im Kontext politischer Einflüsse. In der Hauptrolle (und ebenso als Regisseur) tritt George Clooney auf, der sich mit derlei Filmen ja bereits vertraut gemacht hat. Kurz in einer Nebenrolle während einer Antikriegsdemo auf der Bühne zu sehen: Bob Dylan. Wer sonst?

Tori Amos – Me and a gun

Das Lied ist spartanisch und reduziert, ohne Instrumenteneinsatz. Schon deshalb wirkt es wie eine Erzählung. „Me and a gun“ ist wohl das persönlichste und emotionalste Stück des ohnehin perfekten „Little Earthquakes“ Albums der Klaviervirtuosin und Erzählkünstlerin Tori Amos. Das Thema ist ein wenig versteckt hinter den Worten (wie für die Künstlerin eigentlich typisch). Es geht um eine Vergewaltigung. Womit das Filmgenre bereits eingegrenzt wird. Zum einen ist naheliegend ein Sozialdrama möglich (natürlich ohne Happy End, wir sind hier ja nicht in Hollywood). Zum anderen ließe sich (auch aufgrund des Titels des Musikstücks) an eine Rachegeschichte denken. Bild- und gewaltreich, im tarantinoesken Stil (Tori Amos würde in solch einem Film nicht auftreten, da die Hauptrolle dann bereits an Uma Thurman vergeben ist).

The Cranberries – Zombie

Vom Album „No need to argue“ ist dieser Song mittlerweile ein Klassiker unter den Protestsongs. Thematisch wird der Nordirland-Konflikt behandelt, dessen Protagonisten sich auf nationalistisch-religiöser Ebene bewegen und von politisch-extremistischen Organisationen flankiert werden. Filmisch ist dieses Thema (vor allem im dramatischen Genre) ja schon des öfteren behandelt worden, daher wäre eine Genreverschiebung ganz sinnvoll. Und was bietet sich bei einem Songtitel wie „Zombie“ am ehesten an? Richtig. Eine britische Horrorkomödie mit IRA-Zombies vs. Gegnerzombies und dazwischen versuchen Simon Pegg und Nick Frost die gewaltreichen Wogen zu glätten. Regisseur ist (und darüber müssen wir nicht diskutieren!) Edgar Wright, der in einer kurzen Nebenrolle Cornetto-Eis-essend durchs Bild läuft (denn die Karotten hat Peter Jackson schon alle verbraucht).

Eminem – Stan

Das Musikvideo ist ja eigentlich auch schon die filmische Umsetzung des Liedes aus Eminems Bestseller „The Marshall Mathers LP“. Der Plot kann also im groben auch so übernommen werden, inklusive Dido in der weiblichen und Eminem (als bereits erfahrener Schauspieler) in der männlichen Hauptrolle. Irgendwann kommt dann im Film der Twist und es tritt ein Bad Guy auf, der aufgrund psychischer Probleme Eminem für den Tod verantwortlich macht und ihn gnadenlos jagt (wie in der musikalischen Fortsetzung zu „Stan“ auf seinem „The Marshall Mathers LP 2“ Album). Glücklicherweise hat er in seinem Buddy, gespielt von Ice Cube, hilfreiche Unterstützung, um am Ende in der Battle als Sieger hervorzugehen.

John Lennon – Imagine

Das Lied vom gleichnamigen Soloalbum zeichnet ein Bild einer utopischen Gesellschaft auf Erden (fernab vom Utopia eines Thomas Morus) in der alle Menschen in friedlicher Koexistenz leben. Ein derartiges Thema kann eigentlich nur als Märchen verfilmt werden, in dem die/der Protagonist/in (muss noch entschieden werden) dieses Utopia zu retten versucht vor einer bösen (wie auch immer zu definierenden) Macht. Der Film sollte unbedingt von Tim Burton sein, weil nur er solch wundervolle Bilder für eine derartige Welt schaffen kann. Vielleicht sind in diesem Fall auch einfach zwei Helden ganz akzeptabel, die (wie sollte es auch anders sein?) von Helena Bonham Carter und Johnny Depp verkörpert werden.

Alanis Morissette – You oughta know

Das Lied für alle im Hass auf den Ex-Freund sich verbrüdernde (sic!) Damen dieser Welt. Auf Alanis Morissettes „Jagged Little Pill“ Album ist dies definitiv das emotionalste, mit negativen Schwingungen versehene Lied einer verlassenen Frau, die ihren Schmerz in Hass gegenüber dem Verflossenen und dessen neue Flamme verwandelt. Könnte filmisch zwar auch in Form einer Rachegeschichte erzählt werden. Da wir dies aber schon bei Tori Amos in Betracht gezogen haben, wenden wir uns doch mal dem erotischen Genre zu. Denn Sex Sells und „Basic Instinct“ ist mittlerweile ja auch schon ein paar Jährchen her. Die Hauptrolle der erotischen Femme Fatale mit Rachegelüsten steht schon fest: keine geringere als Scarlett Johansson wird es sein. Der Regisseur ist in dem Fall dann eigentlich vollkommen egal.

Caspar – Michael X

Das Lied findet sich auf dem (übrigens sehr hörenswerten) „XOXO“ Album des Künstlers. Caspar erzählt hier die Geschichte eines Freundes, der mit der sozialen und persönlichen Lebenssituation nicht klar kommt und deshalb suizidale Tendenzen entwickelt bis zum unvermeidlichen Ende. Das Thema schreit förmlich nach einem Christian Petzold Film im Stil der „Geister“-Trilogie, angesiedelt irgendwo im Nirgendwo der brandenburgischen, wahlweise mecklenburg-vorpommerschen Einöde, beherrscht von gescheiterten oder scheiternden Existenzen. Und Nina Hoss spielt auf jeden Fall mit. Vorstellbar ist aber auch eine schwungvolle Coming-of-Age Geschichte, hierbei wahlweise in der deutschen oder auch amerikanischen Provinz beheimatet. Im letzteren Fall muss unbedingt Chloe Grace Moretz oder Saoirse Ronan (oder beide) mitspielen, als Freundin von Michael oder so. Ach ja, der Filmtitel ist natürlich auch „Michael X“, weil die Assoziationen einfach zu gut sind (man erinnere sich an „Malcolm X“ oder „American History X“).

 

Das waren erst einmal genug Kopfkino-Gedanken zu einzelnen Musikstücken, die sich für einen kompletten Film empfehlen. Derlei gibt es mit Sicherheit noch sehr viel mehr. Wer sich gerade dazu animiert sieht ebenfalls seinen musikalisch angehauchten Kopfkino-Senf zu diesen geäußerten Ideen dazu zu geben, möge sich nicht aufhalten lassen. Mehr Input tut immer gut. Es gibt noch so viele musikalische Geschichten filmisch zu erzählen…

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4 Antworten zu 8 Lieder (und keine Anspielung auf François Ozon)

  1. filmschrott schreibt:

    Zu Guns N Roses fällt mir als erstes November Rain ein. Das Video ist ja quasi ein Kurzfilm und der Song basiert auf einer Short Story. Übrigens auch vom Use Your Illusion.

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