Happy Anniversary: The Karate Kid (1984)

Als John G. Avildsens erster Film rund um Daniel San und Mr. Miyagi vor genau 30 Jahren die Lichtspielhäuser der Welt eroberte, war ich noch zu jung, um das direkt miterleben zu können. Mein erster Kontakt mit „The Karate Kid“ fand erst sehr viel später statt, zu einem Zeitpunkt, als aufgrund des immensen Erfolges bereits zwei Fortsetzungen der nunmehr Trilogie gedreht wurden waren und diese im Dreierpack im TV liefen. Damals Anfang der 1990er Jahre war der erste Teil bereits einer der Kultfilme des zurückliegenden Jahrzehnts. Der Erfolg des Films führte dazu, dass sich eine große Anzahl pubertierender Teenager in Karate Dōjōs tummelten, um wie ihr filmisches Vorbild unabhängig und frei den Widrigkeiten des jugendlichen Alltags widerstehen zu können. Vielleicht wollten sie aber auch einfach nur so cool sein und das schönste Mädchen der Schule mit ihren Kampfkünsten beeindrucken. Daniel San brauchte das nicht. Der bekam dieses Mädchen einfach so. Glück gehabt!

Aber welcher Junge in der Adoleszenz hätte sich nicht in Ali („mit kurzem i“) alias Elisabeth Shue verknallt? Eben. Jene Ms. Shue brachte es ja sogar fertig nicht nur die Freundin des Karate Helden Daniel LaRusso aka Ralph Macchio zu mimen, sondern auch noch an der Seite eines weiteren Filmhelden der 1980er Jahre („Hallo, Hallo. Jemand zu Hause? Denk nach McFly.“) zu glänzen. Apropos glänzen:

„Auftragen. Polieren. Auftragen. Polieren.“

"Wieso muss ich eigentlich die ganzen Autos putzen?"

„Wieso muss ich eigentlich die ganzen Autos putzen?“

Glänzend ist im Film vor allem auch das Zusammenspiel zwischen zum einen Ralph Macchio als der Neue an der Schule, der sich (talentiert wie er ist) mal sogleich in die Cheerleader-Queen verguckt und dadurch den Unmut des Ex-Freundes namens Johnny Lawrence gespielt von William Zabka (nur Barney Stinson mag ihn) heraufbeschwört und auf der anderen Seite dem japanischen Hausmeister Mr. Miyagi alias Pat Morita von der Insel Okinawa – Fischersohn, Weltkriegsveteran, Bonsaibaum-Liebhaber und Karate-Philosoph. Die Dialogszenen zwischen beiden sind amüsant anzusehen. So entwickelt sich neben der Coming-of-Age Handlung im Highschool Terrain auch eine spezielle Form der Vater/Sohn-Variante mit durchaus überzeugenden Momenten. Die Geschichte selbst entpuppt sich dabei als nicht besonders innovativ oder speziell: Ein Aussenseiter an der Schule wird geärgert, wächst über sich hinaus (und wird gleichzeitig erwachsen), wehrt sich gegen seine Widersacher und gewinnt dadurch das Herz der Highschool-Schönheit. Glück gehabt!

"Schau mal Ali, hab mir schon wieder eine von Johnny eingefangen."

„Schau mal Ali, hab mir schon wieder eine von Johnny eingefangen.“

Das gab es zuvor und auch danach in tausenden anderen Variationen. „The Karate Kid“ lebt aber eben nicht nur durch diese filmische Handlungsseite, sondern vor allem aufgrund der gezeichneten, aussergewöhnlichen Beziehung zwischen Karateschüler und -lehrer. Die Symbiose stimmt und hebt den Film deshalb von den tausend Anderen ab.

„Das ist Glück mit Anfänger.“

John G. Avildsen erschafft eine Stimmung, die uns Zuschauer zwei Stunden lang gebannt das Treiben auf dem Bildschirm verfolgen lässt. Dabei entstehen mitunter wundervolle Bilder und einprägsame Szenerien. Man merkt gar nicht so recht wie die Zeit vergeht bis es zum finalen Kampf (bei einem Karate-Wettbewerb unter festgelegten Regeln) kommt. Einem Kampf, der dann abrupt und schnell abgehandelt wird. Aber dieses kurze, knackig inszenierte Finale widerspiegelt den Film, dessen Priorität nicht auf dem Vorführen diverser Kampfkünste und -stile liegt, sondern auf der genaueren Zeichnung der Charaktere. Diese Charakterentwicklung gelingt dem Regisseur natürlich besonders bei den beiden Hauptprotagonisten. Die Nebenfiguren sind allerdings dann doch klischeehaft in ihren Stereotypen verhaftet: Ali als hübsches, blondes Mädchen aus reichem Elternhaus; Johnny als machohafter, tumber Highschool-Gangleader; dessen Karatelehrer John Kreese (gespielt von Martin Kove) als Oberbösewicht. Geschenkt! Das tut dem Spaß beim Zuschauen von „The Karate Kid“ keinen Abbruch.

Die Fortsetzungen hatten bei weitem nicht den Charme des 1984er Originals, wenngleich zumindest das verbale und szenische Wechselspiel zwischen Daniel („mit kurzem l“) San und Mr. Miyagi („Miyagi. Nicht Miyatschi. Miyagi.“) weiterhin überzeugen konnte. Auf jeden Fall mehr als der später als vierter Teil daherkommende Aufguss (mit einer noch sehr jungen Hilary Swank in der Rolle der Karateschülerin) und definitiv um Längen besser als der Wiederbelebungsversuch aus dem Jahre 2010 mit Jackie Chan als Mr. Miyagi – Kopie und Jaden Smith als Daniel San Abklatsch. Grausam!

Dann doch bitte lieber zum zeitlosen, auch heute noch sehenswerten (weil universales Thema behandelnden) Originalfilm greifen. Die ältere (bereits 1984 in Elisabeth Shue, wahlweise auch Ralph Macchio verknallte) Generation kramt die Videokassette raus, der Rest greift zur DVD respektive Blu-ray (wie es beliebt).

Happy Anniversary „The Karate Kid“!

 

Happy Anniversary widmet sich in loser Folge einem musikalischen, literarischen, filmischen oder sonstigem medialen Werk, das bereits mindestens 20 Jahre alt ist und sich eine Honorierung in Worten aufgrund individueller, nostalgischer oder historischer Umstände verdient hat.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter und Ich abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Happy Anniversary: The Karate Kid (1984)

  1. Ken Takel schreibt:

    Ralph Machio sagte auf der Beerdigung von Pat Morita: „My sensei forever“. Toller Film. Vor allem dank der Dynamik der Hauptdarsteller. Das Karate ist ja eher so mittelgut 🙂

    • Stepnwolf schreibt:

      Ich kenne mich mit Karate nicht aus, daher kann ich dazu nichts sagen. Aber die Harmonie zwischen beiden Hauptakteuren hat tatsächlich ungemein gut gestimmt. Die hatten bestimmt Spaß beim Dreh. 🙂

  2. friedlvongrimm schreibt:

    Ach wie schön. So schön wie dieser Tribut: http://vimeo.com/3957698

  3. Pingback: Die AudioVision zum Monat | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

  4. Pingback: Maximum Medium Overload Episode Two | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

  5. Pingback: 52 Schlüsselwörter: Eine Film-Challenge VI | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

  6. Pingback: Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #50 | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s