Wie Filme und Serien meinen Frauengeschmack präg(t)en.

Durch die Blogosphäre schwirrt mal wieder eine gar wunderfeine Beitragsidee, die es sich lohnt zu vereinnahmen, ein wenig zu adaptieren (die Männer haben mich nie interessiert) und dann selbst in das Universum zu ver/zerstreuen: „Wie Filme meinen Männergeschmack ruinierten oder Wie ich in einer cinephilen Familie aufwuchs und die prägenden Jahre als Testobjekt meiner älteren Brüder überlebte“. Frau von Grimm hat es verbrochen (auch die nach einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit klingende Überschrift). Dafür ein kurzes Dank (für die Idee, nicht die lange Überschrift). Frau von Grimm geht zwar soweit von ‚ruinieren‘ zu sprechen (obwohl das bei dem einen oder anderen der erwähnten Herren durchaus zutreffen mag), aber Frauen ruinieren unsereins ja nicht. Zumindest nicht, was den Geschmack betrifft. Daher ist der Begriff ‚prägen‘ in dem Fall wohl doch eher angebracht. Nun denn, welche Damen der Schöpfung haben mich in ihrer Film- oder Serienrolle darin bestärkt, sie abgöttisch an zu himmeln und dadurch zeitlebens mein weibliches Weltbild zu prägen?

Keine. Und doch irgendwie alle…

(1) Lisa Bonet als Denise Huxtable (aus „The Cosby Show“) Lisa Bonet

Sie war die erste, die mein damals noch vorpubertäres Herz ansprach. Zu der Zeit konnte ich das noch nicht ahnen, aber rebellische Teenager, die sich aus der ach so heilen Familienwelt (und die Huxtables waren dafür definitiv ein Paradebeispiel) befreien wollten, waren genau meine Wellenlänge. Die Folgen mit ihr als Mittelpunkt waren mir immer die liebsten. Als sie dann Jahre später in einem meiner Lieblingsfilme mit John Cusack mitspielte, war die Wiedersehensfreude sehr groß. Sie hat tatsächlich die ersten wirklich prägenden Konturen hinterlassen.

(2) Sara Gilbert als Darlene Conner (aus „Roseanne“)

Noch so ein rebellischer Teenager aus einer allerdings nicht wirklich ach so heilen Familienwelt. Ich mochte ihren Charakter vor allem auch deshalb, weil sie ihrer großen Schwester, die ich immer als die nervigste und unsympathischste der ganzen Conner-Family empfand, ständig Paroli bot.

Intelligent, mit einem etwas dreckigen Humor (muss sie sich wohl bei ihrer Mutter abgeschaut haben) und anders als die Mädels ihres Alters. Was war ich in den späteren Staffeln immer eifersüchtig auf David (Johnny „Leonard Hofstaedter“ Galecki). Der hatte Darlene nicht verdient. Nur ich.

(3) Lara Flynn Boyle als Donna Hayward (aus „Twin Peaks“)

Lara Flynn Boyle Ich hab die Serie beim ersten Schauen nicht kapiert, weil ich auch viel zu jung war. Oder weil ich immer nur auf Donna geachtet habe. Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Donna ist ein zwiespältiger Charakter, brave Tochter aus gutem Hause mit Hang zu ledertragenden Motorradfahrern und einem Faible für laienhafte privatdetektivische Aktivitäten. Aber sie trägt immerhin stets die besten Klamotten. Außerdem hat sie ein bezauberndes Lächeln. Und sie hat mich kurzzeitig darüber sinnieren lassen, statt einem Auto- lieber einen Motorradführerschein zu machen.

(4) Lori Petty als Tank Girl (aus „Tank Girl“)

Was soll ich sagen? Sie hatte einen Panzer! You see? Hier war die Rebellion dann physisch auf die Spitze getrieben und auch praktisch umgesetzt. Lori Petty war die erste Actionheldin. Und die coolste, mit den schrägsten Klamotten und dem ebenso schrägsten Gesang (das konnte die zu Beginn ihrer Karriere ähnlich aussehende Gwen Stefani jedenfalls besser):

Aber man musste sich trotzdem oder gerade deshalb einfach in sie verlieben.

(5) Winona Ryder als Lelaina Pierce (aus „Reality Bites“)

Der Film kam 1994 raus. Ich war 15 und so dermassen in Winona Ryder verschossen. Sie hätte alles spielen können. Wäre mir egal gewesen. Aber das tat sie nicht. Sie mimte Lelaina Pierce, mit großen Träumen und wirren Gedanken, einem reinen Herzen und einem herzlichen Lachen, mit der Liebe zu Filmen und dem Filmen. Da verzieh ich ihr auch das Rauchen, denn selbst das sah bei ihr immer stylisch aus.

 

(6) Jana Pallaske als Sabine/Joe (in „Alaska.de“ und „Engel und Joe“) Jana Pallaske

„Alaska.de“, ihre erste Filmrolle, ist einer dieser Coming-of-age Filme. Bereits hier spielt sie die Rolle der Sabine extrem intensiv, was sie dann ein Jahr später bei „Engel und Joe“ in der Rolle der Joe noch einmal toppte. Joe ist auf der einen Seite stark, frei und unabhängig, zeigt sich aber immer wieder auch von ihrer verletzlichsten Seite. Zum in die Arme nehmen, diese Frau. Und wenn sie dann im schüchternen Ton zu Engel sagt „Ich bin nicht schön.“, will man sie nur noch länger festhalten.

Ach ja, ihre Musik ist übrigens auch nicht so schlecht.

(7) Julia Hummer als Nina (aus „Gespenster“)

Nina ist gleichzeitig Prototyp und Quintessenz der hummerschen Schauspielkunst. Introvertiert, geheimnisvoll, immer ein wenig naiv verspielt, mit einem Hang zum abseitig Absurden und spontanen Gefühlsausbrüchen der besonderen Art. Zuerst gesehen in „Absolute Giganten“, überzeugend agiert in „Northern Star“ glänzt sie in Petzolds erstem Teil der Gespenster -Trilogie. Und so wie dessen Filme ist auch Nina. Nichts ist so, wie es scheint.

 

(8) Natalie Portman als Sam (aus „Garden State“) Natalie Portman

Dieser Moment, wenn Protagonist Andrew (alias Zach Braff) im Aufenthaltsraum des Krankenhauses auf die The Shins-über-Kopfhörer-hörende Sam trifft, hat sich bei mir im Hirn eingebrannt. Ich, an seiner Stelle, hätte mich auch sofort in Sam verliebt. Diese etwas konfuse, kindliche Art, gemischt mit einer überaus intelligenten, verschmitzten Attitüde und dem schlagfertigen Antworten ist bezaubernd. Sam ist toll. Viele Jahre später gibt es noch einmal eine erinnerungswürdige Krankenhaus-Szene mit Natalie Portman. Ebenfalls wundertollst.

Damit sind wir ja schon fast in der Gegenwart angekommen, denn wir Männer lassen uns auch noch in älteren Jahren von Frauen prägen. Da sage noch Eine, wir wären nicht formbar.

(9) Noomi Rapace als Lisbeth Salander (in der Stieg Larsson-Filmtrilogie) Noomi Rapace

Hier trifft Lori Pettys Faible für große Wummen und laute Maschinen auf die ledertragende Jana Pallaske und kommt mit dem Motorrad von Lara Flynn Boyles Freund James angebraust um sich …

… nicht vorzustellen. Sondern geheimnisumwittert, mundfaul, passiv – aggressiv da zu sitzen. Undurchschaubar, unnahbar und doch irgendwie verletzlich. Lisbeth Salander zieht allein deshalb magisch an. Ganz nebenbei braucht man(n) sich um sie sicher keine Sorgen machen. Sie weiß sich zu wehren.

(10) Mary Elizabeth Winstead als Ramona Flowers (aus „Scott Pilgrim“)

Noch eine, die sich wehren kann. Geheimnisvoll erscheint, aber definitiv nicht auf den Mund gefallen ist. Spitze Zunge, bunte Haare. Mal die taffe Braut mimend, um wenig später in die Arme des sie umgarnenden und beschützenden Mannes zu fallen. Ein zweischneidiges Schwert. Extrem scharf. Das Schwert. Unter anderem.

 

Jetzt weiß ich wieder, warum es immer wieder so spannend und manchmal auch so unglaublich aufwühlend ist, euch Frauen zu mögen. Bei den Vorbildern, die mich geprägt haben, kann ja auch selten Langeweile aufkommen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter und Ich abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu Wie Filme und Serien meinen Frauengeschmack präg(t)en.

  1. GO*rana schreibt:

    Ganz toll das auch mal aus Männersicht über Frauengeschmack zu lesen. Hat spass gemacht es zu lesen und ich kann es absolut verstehen, dass diese wunderbaren Frauen deinen Geschmack geprägt haben. Allen voran natürlich Lelaina. Ich wollte so gerne sein wir sie. Auch Darleene und Denise waren meine weiblichen Vorbilder! Demnach muss aus dir ja ein ganz toller Gefährte geworden sein. 🙂

  2. bullion schreibt:

    Ah, sehr schön! Da sind ein paar Frauen dabei, die durchaus auch meinen Geschmack geprägt haben: Denise Huxtable, Darlene Conner und am meisten wohl Sam — dürfte wohl auch eine der tollsten Frauenrollen gewesen sein. Einfach bezaubernd! 🙂

    • Stepnwolf schreibt:

      Indeed. Bin übrigens positiv überrascht, dass Denise Huxtable anscheinend bei mehr Personen Eindruck hinterlassen hat. Vielleicht, weil sie in dieser Serienfamilie tatsächlich die Revoluzzerin war und daher so ganz aus dem huxtablenschen Schema herausfiel?

  3. friedlvongrimm schreibt:

    Ahaha, freut mich, dass dir die Idee gefallen hat und du sie selbst so toll umgesetzt hast. Vielleicht sollte ich hauptberuflich die Titel für wissenschaftliche Arbeiten formulieren. Das wäre doch was.

    Bei Lara Flynn Boyle muss ich immer noch primär an „Wayne’s World“ denken. Und da ist sie ja mehr als dämlich. *lach* Und bei „Twin Peaks“ kommt keiner an Duchovny ran. *lach*

    „Tank Girl“ ist grandios! Und Winona Ryder sowieso. Eins der zwei weiblichen Wesen bei denen ich bei mir von soetwas wie einem Crush reden würde.

    Ich muss ja gestehen, obwohl ich „Scott Pilgrim vs. The World“ sehr mag, habe ich nie verstanden was man an Ramona (außer die coolen grünen Haare und die schönen Augen) finden kann. Ich finde sie ist so sarkastisch und ernst und irgendwie auch gemein zu Scott. Oder bin ich vielleicht einfach verblendet und eifersüchtig?

    Egal, tolle Liste. Hat Spaß gemacht, sie zu lesen.^^

    • Stepnwolf schreibt:

      Haha, das ist wahr. Duchovny hat definitiv die schrägste Rolle in diesem sowieso schon schrägen Ensemble.
      Fragt sich, wer das zweite weibliche Wesen ist, die bei dir eine Art Crush erzeugt? *Wölfe sind neugierig* 😉
      Das mit Ramona kommt dir nur so vor. Dieser Sarkasmus und diese kühle Ernsthaftigkeit sind nur vorgespielt. Genau deshalb ist sie ja so toll (und wegen der Haare und den wundervollen Augen).

      • friedlvongrimm schreibt:

        Ahaha, ich denke ich werde dazu noch eine Liste machen. Da bin ich gerade so gut drin.^^
        Da will ich natürlich nichts vorher spoilern^^

        Na gut. Hab den auch lange nicht mehr gesehen. Vielleicht empfinde ich sie ja jetzt anders. Ich halte dich aufm laufenden. Trotzdem ist die nicht halb so toll wie Wallace.^^

        • Stepnwolf schreibt:

          Ja, Culkin als Wallace und auch Schwarzmann als Gideon sind das Schauen des Films wert. Tolle Nebenrollen. Und trotzdem geht nix über Ramona… ;D

  4. Miss Booleana schreibt:

    Haha, sehr schön :’D hab schon gefeiert, als ich die Überschrift im Reader gesehen habe. Sehr schöne Idee, dass du dir das Stöckchen gekrallt hast und es auf deinen Frauengeschmack umgemünzt hast.
    Sehr cool das zu lesen, du hast definitiv keinen langweiligen Frauengeschmack. 🙂
    Und danke für die Erinnerung, dass Johnny Galecki ja schon damals bei Roseanne dabei war – ich habe so oft TBBT geschaut, aber es ist mir ehrlich nicht eingefallen. XD Sehr lustig.

    • Stepnwolf schreibt:

      Und Sara Gilbert spielt ja zwischenzeitlich auch mit, sogar als seine Freundin, wenn ich mich recht erinnere. Und auch Laurie Metcalf (die Schwester von Roseanne) als Mutter von Sheldon. Ich war sofort wieder in Roseanne-Zeiten zurückversetzt. 🙂

      • Miss Booleana schreibt:

        Jaaaaa stimmt ja, daher kommt mir Sheldons Mutter so bekannt vor! XD Ich konnte mich aber auch gar nicht dran erinnern. Schlimm … . Aber sehr fetzig, v.A. wenn man es von selber erkennt 😉 das hat dann den besten Effekt.

  5. Nummer Neun schreibt:

    Oh ja, Darlene Conner! Und in Winona Ryder in Reality Bites kann man sich ja nur verlieben 🙂

    Bei Twin Peaks hat mir ja Shelby (?) immer etwas besser gefallen als Donna. Bin ja mal gespannt, wer von denen in der Fortsetzung wieder auftaucht.

    • Stepnwolf schreibt:

      Shelly alias Mädchen Amick. Die war blond, ist somit bei mir durchgefallen. 😉 Auf die Fortsetzung bin ich auch extrem gespannt. Mal sehen, wie da überhaupt die Umsetzung angedacht ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s