Blogparade: 10 most surprising performances

Deadlines fand ich schon immer faszinierend. Ein bestimmter Zeitpunkt, zu dem das endgültige Ende einer bestimmten Aufgabe gesetzt ist. Ich als praktizierender Prokrastinierer halte mich immer zu hundert Prozent an derlei Deadlines. So ein Zeitrahmen muss schließlich ausgenutzt werden. Ich hab früher auch ständig die 160 Zeichen einer SMS voll geschrieben, selbst wenn es gar nicht so viel zu sagen gab. Optimierte Auslastung. Es begab sich also vor sehr langer Zeit (um genau zu sein am 19.08.2014), dass die singende Lehrerin eine Blogparade ins Leben rief, deren Deadline sie auf den ersten Oktober festlegte:

Veröffentlicht also auf eurem Blog eine Liste von 10 schauspielerischen Leistungen, die euch vollkommen – positiv – überrascht haben, und zwar entgegen eurer Erwartungen, die ihr mit diesem Schauspieler oder dieser Schauspielerin verknüpft hattet. Gerne gesehen sind natürlich auch kurze Erklärungen dazu und/oder vielleicht Ausschnitte aus den Filmen. Dann verlinkt euren Beitrag zu meinem und lasst mich in einem Kommentar hier wissen, dass ihr mitgemacht habt. Ihr habt bis 1. Oktober Zeit – danach soll es eine Auswertung geben.

Denn mal ran und ausgepackt, die Überraschungen.

Ryan Reynolds in „Buried alive“ (2010)

Wirklich? Der? In einem Film, der nur von einem Schauspieler getragen wird, dessen Schicksal es ist, lebendig begraben zu sein und damit neunzig Minuten präsent den Bildschirm zu füllen? Ohne Frau an seiner Seite, die es zu erobern gilt? Ohne irgendwelche halblustigen Verwechslungen und Wendungen, an deren bitteren Ende doch immer eine flauschige Wohlfühl-Emotion steht? Ja. Genau der. Ernsthaft. Ryan Reynolds hat diesen Film tatsächlich über die gesamte Spielzeit bestimmt. Das war aussergewöhnlich gut. Schade, das er sich nach diesem Ausflug in für ihn unbekannte Gefilde dann doch wieder den leichten Komödien mit Liebestouch zugewandt hat.

Angelina Jolie in „Girl, interrupted“ (1999)

Für mich gab es nur einen Grund diesen Film damals zu schauen: Winona Ryder. Ich wusste zwar, dass Mrs. Jolie dort auch mitspielt, habe aber seid jeher eine gewisse Abneigung ihr gegenüber. Ich halte Angelina Jolie für eine der meist überschätztesten Hollywoodakteurinnen. Das ist so ähnlich wie bei Tom Cruise (der mich eigentlich auch nur in „Rain Man“ so richtig überzeugen konnte). Doch dann zeichnet sie ein dermassen intensives Bild von ihrer Figur Lisa. Die Verzweiflung, der angestaute Frust und Hass auf die Welt und alles was dazu gehört. Die Trauer und der Schmerz. Die fiese Attitüde und gleichzeitig das melancholische In-sich-Gehen. Wo hat Angelina Jolie das raus gekramt? Was zu Beginn die Freude über Ryders Mitwirken war, wandelte sich in ein erstauntes Rezipieren von Jolies positiver Performance.

James Franco in „Spring Breakers“ (2012)

Franco ist (im Gegensatz zu Ryan Reynolds) ein recht wandelbarer Schauspieler, der neben den romantischen Rollen auch sehr gut in Actionfilmen agieren kann (die einzig wahre „Spiderman“-Trilogie mag als Beispiel dienen). Das kann er auch alles wunderbar, ist aber im jeweiligen Kontext des Films nichts Besonderes. Besonders war allerdings der schräge Auftritt in dem visuellen und auditiven Feuerwerk „Spring Breakers“. Lassen wir die Story mal beiseite ist der Film durchaus gelungen, auch weil Franco eine so kongeniale und gegen den Strich spielende Figur mimt, die nicht umsonst den Namen Alien trägt. Echt verrückt, was der da abzieht. Ich war irgendwie ständig am Schmunzeln, wenn Alien sich nur bewegte und dazu seltsam verschwurbelte Worte von sich gab. Drogen sind nicht gut, liebe Kinder!

Claire Danes in „Homeland“ (ab 2011)

Sie war mir vor allem durch ein Performance in Erinnerung geblieben: die ‚Romeo and Juliet‘ Verfilmung von Baz Luhrmann mit ihr als Juliet. Das ich sie noch aus diversen Komödien kannte, die bereits wieder in Vergessenheit geraten waren, festigte nicht gerade meine positiven Ansichten über das schauspielerische Können von Claire Danes. Doch dann kam die CIA – Analystin Carrie Mathison und mit ihr die Erkenntnis ‚Wow, die Frau kann ja doch was!‘. Vor allem das Staffelfinale der ersten (und besten) Staffel – da stimme ich der singenden Lehrerin zu – ist grandioses Schauspiel. Damit hat mich Ms. Danes überzeugt. Jetzt sollte sie nur das gewonnene Vertrauen in bessere Filmrollen investieren.

Christoph Waltz in „Inglorious Basterds“ (2009)

Vor SS-Standartenführer Hans Landa gab es nur einen Film mit Christoph Waltz, den ich bewusst konsumiert habe: „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“. Ein seltsamer deutscher Episodenfilm. Natürlich kannte ich ihn auch aus dem Fernsehen, wo er in diversen Serien oder Fernsehfilmen auftauchte. Aber das war alles nichts wirklich herausragendes.  Den Milch-trinkenden, Strudel-essenden, Shoshanna-schreienden, gefällig-grinsenden, hinterlistig-schauenden Landa spielte er allerdings unglaublich gut. Tarantino hatte ihm die Rolle aber auch auf den österreichischen Leib geschrieben. Daneben sah Angelina Jolies Göttergatte nur wie ein besserer Statist aus.

Kristen Stewart in „Welcome to the Rileys“ (2010)

So, jetzt muss ich hier mal eine Lanze brechen. Ja, ich weiß, das Kristen Stewart ‚die aus Twilight‘ ist. Filme, die fast so schlecht sind, wie die dazugehörige Buchvorlage, aber nunmal den Nerv der Zeit getroffen haben. Da kann man nichts dran ändern. Schade nur, dass Ms. Stewart (und ihr männlicher Mitstreiter ebenso) noch immer nur mit diesen Machwerken assoziiert werden. Dabei hat sie doch bereits zuvor (mit „The yellow handkerchief“) und mittendrin (mit eben genau diesem hier erwähnten Film) bewiesen, dass sie tatsächlich schauspielern kann. Denn wer es schafft neben James Gandolfini (R.i.P.) in der weiblichen Hauptrolle zu bestehen, hat schon gewonnen. Die Figur der verlassenen, sich prostituierenden, bereits in so jungen Jahren vom Leben gezeichneten Mallory kann Kristen Stewart durchaus genau skizzieren. Hier hat sich mich wirklich überzeugt.

Dieter Hallervorden in „Sein letztes Rennen“ (2013)

Didi? Der mit dem Palimpalim? Dieter Hallervorden ist vor allem eines: ein Komiker. In den unsäglichen 1980er Jahre ‚Didi‘-Filmen (ähnlich inhaltsleer wie die ‚Supernasen‘-Filme der gleichen Ära) wollte er komisch sein. Mit dem Theater „Die Wühlmäuse“ und den dortigen Auftritten manifestierte er später das anspruchsvollere Kabarett. Er konnte wirklich mehr als nur ‚Nonstop Nonsense‘. Das zeigte er dann im Kinofilm „Sein letztes Rennen“, wo er Paul Averhoff, einen ehemaligen Weltklasse-Marathonläufer darstellte, der nun im gesetzten Alter ins Altersheim abgeschoben werden soll. Damit will Paul sich aber nicht abfinden und stattdessen der Welt noch einmal beweisen, was in ihm steckt. Vielleicht stimmt es ja wirklich, das nur Metalbands die besten Balladen schreiben und Komiker die besten dramatischen Charaktere spielen können. Dieter Hallervorden bestätigt dies hier jedenfalls eindrucksvoll.

Heike Makatsch in „Schwesterherz“ (2006)

In einer Nebenrolle bei „Sein letztes Rennen“ wirkt übrigens auch Frau Makatsch mit. Die Dame, die bei VIVA Unfug mit Stefan Raab verzapfte und sich (wie einige andere ehemalige VJanes oder so ähnlich) danach als Schauspielerin versuchte. Sie hat zwar in einigen guten Filmen agiert, dort dann aber entweder nur in Nebenrollen oder neben Kolleginnen, die sie um Längen übertrafen (z.B. „Die Häupter meiner Lieben“ wird eigentlich hauptsächlich von Christiane Paul bestimmt). Mit einer Ausnahme! „Schwesterherz“. Hier schafft sie es wahrlich bisher das einzige Mal mich zu verblüffen. Sie spielt besser als Anna Maria Mühe, die eigentliche Protagonistin des Films. Was allein schon als Kompliment herhalten darf. Respekt, Frau Makatsch. Da haben sie mal alles richtig gemacht.

Jim Carrey in „Eternal sunshine of the spotless mind“ (2004)

Gilt hier die gleiche Regel wie bei Dieter Hallervorden? Von wegen Komiker in dramatischer Rolle und so? Vielleicht liegt es aber auch am Setting und der besonderen filmischen Art (bedingt durch den Regisseur Michel Gondry, dessen Werke nie ‚einfach nur normal‘ sind)? Auf jeden Fall schafft es Jim Carrey in einem illustren Ensemble von durch die Bank weg überzeugenden Mit(schau)spielern nicht unterzugehen, sondern die Szenerie zu bestimmen. Bravo, du nervensägender, manchmal dumm und dümmer daherkommender, dummschwätzender, maskierter Ace Ventura. Da hast du anscheinend mal dein wahres Ich und Können gezeigt.

Milla Jovovich in „The Million Dollar Hotel“ (2000)

Sie sagt nicht viel, diese Eloise. Sie wird nur den ganzen Film über angehimmelt. Aber die Szenen mit Milla Jovovich und Jeremy Davies (als Protagonist Tom Tom) sind herzallerliebst. Ms. Jovovich schafft es allein durch Mimik und Gestik Eloise zum Leben zu erwecken. Und das ganz ohne enge Klamotten und waffenschwingend. Eloise ist lebendiger als eigentlich alle anderen von ihr dargestellten Filmgestalten – besser als Alice und Violet zusammen und auch nahegehender als Leeloo. Eloise ist anders, nicht nur als Filmcharakter, sondern auch als Performance durch Milla Jovovich. Ein herzliches Dankeschön an Wim Wenders für die Wahl dieser Akteurin für gerade diese Rolle.

Ich war diplomatisch und habe jeweils fünf männliche und weibliche Personen und ihre most surprising performances genannt und sogar zusätzlich die Deadline eingehalten, liebe singende Lehrerin. Welche Note vergeben sie?

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11 Antworten zu Blogparade: 10 most surprising performances

  1. Cheshire Cat schreibt:

    Das ist eine echt interessante Auswahl… und ich bekomme so das Gefühl, dass wir uns an einem Filmabend sehr einig werden könnten, was wir gucken 🙂

  2. Stepnwolf schreibt:

    Dann müssen wir ja nur noch Ort und Zeit ausmachen. Der Film findet sich dann von allein. 😉

  3. bullion schreibt:

    Ja, da sind tatsächlich ein paar schöne Sachen dabei. An Jim Carrey musste ich auch denken. Toller Film!

    • Stepnwolf schreibt:

      Er war ja auch bei „The Truman Show“ schon ganz gut, obwohl da noch zu sehr der spaßige Carrey hervorlugte. Mittlerweile spielt er ja sogar komplett andere Rollen, wie in „23“. Ab einem bestimmten Alter ist man wohl nicht mehr lustig genug. 🙂

  4. singendelehrerin schreibt:

    Ha, wir haben ja zwei Komplettübereinstimmungen (Schaupieler und Film) mit Claire Danes und Christoph Waltz! Sehr schön! 🙂

    „The Eternal Sunshine…“ muss ich endlich mal wieder ansehen! Aber mir war irgendwie schon vor diesem Film klar, dass Jim Carrey mehr kann. Ich glaube, mit „The Truman Show“ ging’s los… Trotzdem mach ich um seine Komödien oft (nicht immer) einen großen Bogen…

    Leider kann ich fünf der genannten Performances gar nicht einschätzen, weil ich sie Filme nicht gesehen habe. „Buried Alive“ werde ich auch mit Sicherheit nicht nachholen – ich finde die Vorstellung, lebendig begraben zu sein, einfach so schrecklich… Aber Ryan Reynolds fand ich in „The Voices“ am Fantasy Filmfest auch großartig!!!

    Nochmal vielen Dank fürs Mitmachen! Ich kenne das Phänomen, bis zum letzten Moment zu warten übrigens nicht nur von meinen Schülern – ich bin auch oft eher der Typ, der Deadlines „auskostet“… Aber ich versuche so ein bisschen davon wegzukommen, denn man macht sich am Schluss dann doch oft mehr Stress damit als wenn man es gleich angepackt hätte. Aber: keine Kritik an dich! 😉

    • Stepnwolf schreibt:

      Waltz und Danes konnte man aber auch nur mit den zwei Performances in Verbindung bringen, da war die Chance also bereits recht groß.
      Ich hab Carreys Komödien alle gesehen, selbst die ganz schlechten, wie Ace Ventura. Was ein Schrott (wäre was für Filmschrott).
      Soso, ein neuer Film von Reynolds, in dem er auch gut ist? Bin gespannt.
      Den Stress mit Deadlines mache ich mir immer gern. Meist ist ja auch alles schon ausgearbeitet, muss nur noch zu einem sinnvollen Ganzen gebastelt werden. Daher passt das schon. Ansonsten leg ich die Deadlines einfach so, das nicht alle auf den gleichen Tag fallen. 😉

  5. GO*rana schreibt:

    Ausser bei Angelina Jolie in „Girl, interrupted“, kann ich überall zustimmen. Mich konnte sie auch da nicht überzeugen. Dafür gebe ich dir bei Kristen Stewart Recht. Vor Twilight konnte sie was, danach hat sie irgendwie ihr Talent verloren. Ich kenne zwar den von dir erwähnten Film nicht, aber sie war auch in „Panic Room“ bemerkenswert. Alles was nach Twilight kam war wie Twilight. Ganz übel „Snow White and the Huntsman“.

    Eine echt gelungene Liste, muss ich sagen. Schön dass du „The Million Dollar Hotel“ kennst. Kennen nicht viele. Toller Film.

    • Stepnwolf schreibt:

      Kristen Stewart hat nicht ihr Talent verloren, sie investiert es nur in die falschen Filme. Wahrscheinlich hat sie den Agent gewechselt und der/die sieht nur den schnöden Mammon. Der lässt sich mit solch kleinen Independent-Filmen natürlich schlechter erhöhen als mit dem Mainstreamkram.
      Natürlich kenne ich „The Million Dollar Hotel“. Ist ein Wenders Film. Als großer Enthusiast des deutschen Films ist der olle Wim Pflichtprogramm. Seine ‚Amerika‘-Filme sind meine Lieblinge (wie „Paris, Texas“ oder „Land of Plenty“). Eine völlig andere Sicht auf das Land der begrenzten Unmöglichkeiten. 😉 Na und „Der Himmel über Berlin“ gehört zu meinen Favoriten. Ein großartiger Film:
      https://stepnwolf.wordpress.com/2014/01/08/r-from-her-to-eternity/

  6. Pingback: Media Monday #187 | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

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