We built a perfect place and pictured each other.

Das war so nicht geplant. Da ist dann im Dezember noch einer der wenigen Tage an denen man tatsächlich noch ein offenes Zeitfenster hat und denkt sich so: Kann man ja mal mitmachen. Und wider Erwarten gewinnt man auch noch Freikarten für das Konzert des Hamburger Elektropop-Duos Hundreds. Aber Leipzig ist ja grundsätzlich eine Reise wert und das Täubchenthal als Ort der Zusammenkunft erweist sich als ausserordentlich gute Wahl. Das leicht gediegene, lauschig-schummrig beleuchtete Ambiente projiziert gleich die richtigen Vibes um sich langsam an das Heranrauschende zu gewöhnen.

Doch bevor Hundreds dem zahlreich erschienenen und das Täubchenthal füllenden Publikum mit ihren Sounds unterhalten will, begibt sich die britische Band Wooden Arms auf die Bühne. Die drei Herren und ihre Anstandsdame an der Violine erzeugen sehr ruhige, weiche und smoothe Töne. Unaufdringlich und verträumt sind die dargebotenen Interpretationen. Man wünscht sich stellenweise schon, dass der dezent im Hintergrund agierende Schlagzeuger häufiger aus sich heraus geht, um auch die Menge vor der Bühne in die angemessene Stimmung zu bringen. Die Mischung aus klassischen Versatzstücken, dem teilweise energischen Gesang und kurzen rockig angehauchten Elementen hat was. Dennoch lässt es den Gedanken aufkommen in diesen musikalischen Rahmen nicht so ganz hinein zu passen. Somit bleibt der Supportact Wooden Arms eher als eine kleine, feine Randnotiz in Erinnerung.

Hundreds

Let’s write the streets

Als Randnotiz begann auch mein erster Kontakt mit Hundreds. Als vor knapp vier Jahren „Happy Virus“ im wahrsten Sinne des Wortes in der deutschen Musiklandschaft viral ging, war kein Entkommen möglich. Der Song war catchy. Schöner, eingängiger Text, kombiniert mit elektronischen Beats, die es einem schwer machten sich nicht dazu im Takt zu bewegen. Für letzteres zeichnet sich bei Hundreds das kompositorische Mastermind Philipp Milner verantwortlich. Den zauberhaften Gesang produziert seine jüngere Schwester Eva Milner. Hundreds sind ein Familienprojekt und diese enge Beziehung zwischen den Geschwistern überträgt sich auch auf ihre Musik. Hier verschmelzen elektronisch blubbernde, ab und an extrem verfrickelte Sounds, unterlegt mit wunderbar leichten Pianomelodien und der melancholisch angehauchte, klar und hell hervor strömende Gesang zu einem angenehm warmen und dabei extrem tanzbaren musikalischen Gemisch. Diese Kombination ließ auch an diesem Mittwochabend in Leipzig keinen unberührt. Die Menge bewegte sich im Takt der Musik. Hundreds verstehen es dabei wunderbar zwischen vorwärts treibenden Beats und ruhigen Passagen zu chargieren. Die minimalistisch ausgestattete Bühne und die visuelle Untermalung unterstützen vorrangig Evas Präsenz, die hier eindeutig im Vordergrund steht. Ihr Bruder und der Hundreds auf Tour begleitende Schlagzeuger, „der quasi den Laptop als Maschinen-Mensch ersetzt“, agieren nur im Hintergrund. Selbstredend natürlich nur was die Performance betrifft. Und so wie Eva nach einem verhaltenen Beginn (ganz im Gegensatz zur Musik) langsam aber stetig offensiver und ausgelassener die Weite der Bühne tanzend und singend abschreitet, wird auch das Publikum von diesem ‚happy virus‘ angesteckt. Das Täubchenthal tanzt, das Täubchenthal schwitzt. Im nasskalten Dezember immer eine gute Idee. Nach anderthalb Stunden aktivem Eintauchen in die Klangwelten von Hundreds wird jedem schnell bewusst, das dieses Geschwisterpaar durchaus das Zeug dazu hat auch eine internationale Hörerschaft zu begeistern und ähnlich aufspielenden Bands wie Chvrches in Nichts nachsteht.

Please Rewind

Die derzeitige Aftermath-Tour zieht sich noch bis Anfang nächstes Jahr hinein. Wer sich Bands mit elektronisch-blubbernden Klängen, einer wunderbar eingängigen, bezaubernden weiblichen Stimme und leichten tanzbaren Melodien gegenüber offen zeigt, sollte Hundreds nicht verpassen. Vielleicht werdet auch ihr am Ende sagen: „Blinded by this heavy fog I feel your hand in mine“ und selig beschwingt den Abend ausklingen lassen.

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