Listige Listen 2014 – Ein mediales Resümee

Das Jahr 2014 hat ja mittlerweile mit einem lauten Knall das Zeitliche gesegnet, um dem noch jungen, unverbrauchten, neuen 2015 Platz zu machen. Da auch ich mich aber dem allgemeinen Rückblick-Overkill nicht so ganz verschließen kann, darf die werte Leserschaft in den folgenden Zeilen meinen persönlichen medialen Höhepunkten des zurückliegenden Jahres beiwohnen. Alle, denen nur der Berggipfel nicht ausreicht, sondern auch der Rest des ganzen Aufstiegs ein kurzer Blick wert ist, dürfen gern an dieser und auch an jener Stelle weiter stöbern. Am Anfang der Reise sollen die kleinen einzelnen musikalischen Perlen und Ohrwürmer stehen, die mich über Wochen und (teilweise) auch Monate begleitet haben.

Die TOP 5 Songs 2014

Der Ohrwurm schlechthin (und wohl nicht nur für mich) war Alle Farben mit „She moves (far away)“. Dem Lied konnte man nicht so wirklich entkommen. Einprägsamer Mitsingtext und schöne eingängige Melodie. Einfach, aber ungemein effektiv. Ich bin schon wieder am Mittanzen und lauthals mit trällern.

2012 kam das Debüt einer in Chicago beheimateten Band heraus und avancierte zum Geheimtipp in der amerikanischen und relativ schnell auch europäischen Clubszene. Polica eroberten mit „Give you the ghost“ die Herzen der tanzwütigen Musikfreunde auf dem Globus. 2014 legten sie nach. Ihr Nachfolger „Shulamith“ klang nicht mehr so roh und ungeschliffen, sondern durchgängig glatt und professionell produziert. Dadurch verlor es auf eine Art den Charme des Debüts, glänzte aber dennoch mit großartigen Stücken. Eines davon ist das chillig, ruhige „Warrior Lord“. Perfekte Loungemusik zum Entspannen und Relaxen.

Eine Ballade darf in meinen Top Fünf der besten Songs eigentlich nie fehlen. Diese hier mit dem zerstörerisch klingenden Namen „The Fallout“ ist so ein richtig rundes Stück Balladenmusik, mit wirklich allen klassischen Momenten, die dazu gehören. Da haben The Likes of Us alles richtig gemacht. Bravo! (Aus Ermangelung eines Videos und weil das komplette Album auch nicht so schlecht ist, führt der Link zur Downloadseite. Alles legal. Keine Angst.)

Aus dem kalten, unwirtlichen, aber trotz allem doch landschaftlich äußerst faszinierenden Island kommt ja des öfteren wunderbare Musik auf das Festland herüber geschwappt. Zu den Veteranen gehören dabei Sólstafir, die 2014 ihr neues Album veröffentlichten: „Otta“ ist rundum gelungen oder wie ein Freund von mir (und schon über die Jahre begeisterter Fan der Jungs) so treffend zum Thema äußerte: „Dabei schien es eigentlich unmöglich, dass sich die Isländer erneut selbst übertreffen.“ Das dem Album den Namen gebende Titelstück ist nicht nur visuell sehenswert, sondern vor allem auch extrem hörenswert. Eine Runde moshen inklusive, bitte!

Und dann war da noch „Ein leichtes Schwert“. Getragenes, pardon, auf die deutsche Musikwelt los gelassenes Solodebüt der ehemaligen Frontfrau von Wir sind Helden, der werten Frau Judith Holofernes. Die Lieder bestechen im typischen Stil, bestehend aus locker-leichten Melodien, einzigartigen Textpassagen und verrückt-genialen Wortkonstruktionen, die nur diese Dame so zustande bringt. Mein persönliches Highlight ist der Song „MILF“, der zwar auf genau den bekannten Kontext anspielt, wider Erwarten aber dann in einen ganz anderen Sinnzusammenhang gestellt wird. Der Text ist dabei unschlagbar gut.

Bleiben wir noch kurz bei meinen persönlichen musikalischen Gipfelstürmern des Jahres 2014. Denn natürlich will ich der werten Leserschaft nicht mein spezielles, auserwähltes, akustisches Gesamtkunstwerk vorenthalten.

Das Album des Jahres 2014

… klingt wie eine Scheibe aus den 1970er Jahren. Schöner, straighter Gitarrenrock. Dreckig, whiskey-durchtränkt, schweiß-gebadet, puristisch und dabei so extrem gut ist dieses Debütalbum der schwedischen Band Blues Pills um den Gitarrenberserker Dorian Sorriaux (So jung und schon so unglaublich professionell an seinem Instrument.) und Frontfrau Elin Larsson (Auch noch jung und dennoch stimmtechnisch abgebrüht alt und verbraucht klingend, natürlich im positivsten Rocksinne gemeint.) Deren selbstbetitelter Erstling macht von Anfang an ungemein Spaß. Ein rundum Wohlfühlalbum, das konsequenterweise, dem 1970er Rockambiente entsprechend, in dafür angemessener Lautstärke genossen werden sollte:

TOP 3 Kinofilme

Bei den Kinofilmen gehe ich natürlich nur von jenen Werken aus, die ich auch höchstselbst gesichtet habe. Alles andere wäre für eine Bewertung unsinnig. Die Medaillenränge sind besetzt von:

Auf dem Bronzetreppchen… „Zeit der Kannibalen“

Deutsches Kino wie es sein sollte. Ein zermürbendes Kammerspiel mit spielfreudigen, hoch-klassigen Protagonisten. Ich rezensiere ja eigentlich keine neuen Kinofilme, da es in der Bloggerlandschaft genug andere Filmenthusiasten gibt, die sich dieser Arbeit annehmen und dies mit durchaus mehr Verve und Schreibkunst, denn meine Wenigkeit. Aber Johannes Nabers Werk durfte einfach nicht unerwähnt bleiben.

Auf dem Silbertreppchen… mein persönlicher  Überraschungshit „Gone Girl“

Geschuldet ist dies zuallererst einmal der überragenden Performance der weiblichen Hauptrolle in diesem Film. Wenn Rosamund Pike für die Darstellung der Ehefrau Amy Elliott Dunne – zugleich Opfer und Täter und so viel mehr – keinen Oscar erhalten sollte, läuft so einiges schief im Staate Hollywood (noch mehr, als eh schon). Was die Dame hier abliefert, lässt sich nicht in Worte fassen.  Das muss man tatsächlich gesehen haben. Klischeehaft, aber wahr! David Finchers Werk glänzt aber ebenso mit einem durchdachten Drehbuch, intelligenten Twists und einem gelungenen Erzähltempo. Da kann selbst Ben Affleck als männlicher Gegenspieler und Ehemann namens Nick Dunne nichts mehr kaputt machen.

Die Goldmedaille geht an… „Boyhood“

Wie ich ja bereits an anderer Stelle einmal erwähnte, schlägt mein Filmherz ja für die kleinen Geschichten von Personen, die ihren Platz im Kreise der Menschheit erst noch finden wollen und müssen. Das Genre des Coming-of-Age gehört seid jeher zu meinen Lieblingen. Richard Linklaters Erzählung kann nunmehr als die Mutter dieses Genres bezeichnet werden, denn hier ist der Begriff gleichzeitig auch Programm. Im wortwörtlichen Sinne. Fernab von dem Alleinstellungsmerkmal das wahrhaftige Erwachsenwerden des Protagonisten filmisch umgesetzt zu haben, ist besonders eines für mich persönlich das Verblüffendste an diesem Werk: „Boyhood“ schafft es mit der einfachsten, subtilsten, trivialsten Geschichte, dem (nicht einmal extrem ereignisreichen) Heranwachsen von Mason (alias Ellar Coltrane) 160 Minuten lang zu fesseln. Wenn Kino als die Flucht des Individuums aus dem wirklichen Alltag in eine Fantasiewelt gesehen wird, ist „Boyhood“ das genaue Gegenteil davon. Und zeigt damit gleichzeitig, wie spannend Alltag in einem cineastischen Werk umgesetzt werden kann. Bei keinem Film des zurückliegenden Kinojahres bin ich mit einem wohligeren, heimeligeren Gefühl in meine eigene Welt zurückgekehrt. Danke dafür… und für einen ebenfalls ohrwurmigen Titelsong…

Serien-Entdeckungen des Jahres

Es war ein gutes Serienjahr! Eine langjährige Serie kam zu ihrem (nicht von allen so bezeichneten) ruhmreichen Abschluss („How I met your Mother“), während eine schon seit mehr als zehn Jahren dahinvegetierende Serie noch immer nicht gestorben ist („Grey’s Anatomy“). Der Gewaltpegel in Serien erhöhte sich wieder einmal („Vikings“ und „Game of Thrones“ schreiten dabei blutig voran), produzierte aber auch gewaltige Bilder („True Detectives“). Mit viel Freude habe ich alte Familienmitglieder wieder getroffen („Six Feet Under“) und bekannte Orte besucht („Twin Peaks“). Zwei Entdeckungen des Jahres 2014 sollen hier aber eine besondere Erwähnung wert sein. Zum einen ist dies die bisher nur über Amazon Prime goutierbare Dramaserie…

„Transparent“

… die in ihrer ersten Staffel so ungemein frisch und anders und dabei in jeder Folge unterhaltsam daherkommt. Erzählt wird die Geschichte einer Familie in Los Angeles, deren Vater sich nach Jahrzehnten des Versteckens als transsexuell outet und damit die unterschiedlichsten Reaktionen bei seinen drei (nicht minder spleenigen) erwachsenen Kindern und seiner Ex-Frau hervorruft. Die Interaktion zwischen den Protagonisten können unglaublich begeistern. Die Dialoge sprühen vor Charme. Man muss diese Familie einfach lieb haben. Vielleicht nicht so sehr, wie die andere Familie aus dem gleichen Ort namens Fisher, aber die Pfeffermans folgen auf dem Fusse.

Zum anderen muss unbedingt…

„Orphan Black“

… genannt werden. Der Mix aus Krimi-, Thriller- und Science Fiction-Serie kombiniert mit einer gehörigen Portion Verschwörungstheorie ist mitreissend. Tatiana Maslany als Sarah Manning beeindruckt als Hauptdarstellerin und zwar aus einem einzigen Grund: sie spielt mehrere, charakterlich extrem unterschiedliche Rollen und schafft es, jeder einzelnen Leben und Gefühl einzuhauchen. Großartig! Aber auch die weiteren Rollen sind durchweg wunderbar gezeichnet, insbesondere Jordan Gavaris als Felix lässt mich immer wieder schmunzelnd dem Geschehen folgen. Bisher sind zwei Staffeln im deutschen (Sparten)Fernsehen (ZDF Neo, ihr seid meine Helden!) gelaufen. Beide sind sehenswert. Also: Join the Clone Club!

Es ist viel passiert im vergangenen medialen Jahr 2014. Ich bin gespannt, was 2015 an neuen, enervierenden, emotionalen, fantastischen, spannenden, mitsingenden, im Kinosessel fesselnden, kalten und heißen Medien hervorzaubert…

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7 Antworten zu Listige Listen 2014 – Ein mediales Resümee

  1. Nummer Neun schreibt:

    Yeah Blues Pills 🙂

    Orphan Black hat mir auch gut gefallen, bin grade an der zweiten Staffel. Ich versteh nur nicht, was alle an Boyhood so toll fanden, die Entstehungsgeschichte ist spannender als der Film.

    Von Sólstafir habe ich noch nie was gehört – aber das hier gefällt mir.

    • Stepnwolf schreibt:

      Haha. Wahrscheinlich ließe sich über die Entstehungsgeschichte des Films „Boyhood“ auch ein wirklich spannendes Hollywoodfilmchen drehen. „Boyhood“ hat eine schwer zu beschreibende Atmosphäre, die mich eingefangen und vereinnahmt hat. Dafür ist auch nicht jeder empfänglich, wie bei allgemein ja immer jedwedem medialen Output. Wäre ja auch zu einfach, wenn alle das gleiche mögen würden. 🙂

      Das ganze Solstafir Album ist im Stil des Stückes „Otta“. Könnte dir dann also auch gefallen.

  2. Miss Booleana schreibt:

    Ui, schöner Rückblick! Polica habe auch sehr gemocht, aber etwas aus den Augen verloren. Orphan Black mag ich sowieso und den Rest sollte ich mir mal näher anschauen. 🙂

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