Media Monday #191

Heute bin ich ein wenig spät dran. Das hat jetzt aber rein gar nichts mit der zurückliegenden Oscarnacht zu tun. Die hab ich nämlich (so wie immer) nicht geschaut, weil… wozu? Ich bin eh immer noch schwer enttäuscht, das die Academy mal wieder standardmäßig lieber eine an Krankheit leidende Frau kürt, anstatt doch einfach mal die aggressiv-leidende Psychopathenrolle gewinnen zu lassen. Oder anders gesagt: Julianne Moore ist wahrscheinlich großartig in ihrer Alzheimercharakterisierung, aber dennoch hätte Rosemund Pike den Oscar für die weibliche Hauptrolle viel mehr verdient. Punkt! Punkte gibt es bei Wulfs Media Monday zwar auch, aber meistens sind es dann doch Fragezeichen. Und die dazugehörigen Fragen werde ich dann jetzt mal fix beantworten…

Meine Antworten

1. Den Oscar für den besten Film des Jahres 2014 hätte ja in meinen Augen eigentlich „Boyhood“ verdient gehabt, denn erstens ist es eine große Leistung eine im Grunde spannungslose Geschichte des Erwachsenwerdens eines Jungen so kurzweilig und charmant umzusetzen, das der Film wie im Fluge vergeht. Und zweitens ist die dahinterstehende Produktion des Filmes eine einmalige und so wohl nie wieder zu schaffende Kunst gewesen. Leider war diese Innovation nicht sichtbar, ganz im Gegensatz zum visuellen Highlight des Siegers „Birdman“. 

2. Wenn ich mir so die Ergebnisse des Filmtipp Award 2014 ansehe, wird mir erst einmal bewusst wie viele eigentliche Nominierte bei den Academy Awards in unseren Kinogefilden noch gar nicht zur Aufführung gekommen sind oder erst jetzt anlaufen. Wie soll man sich da denn eine kompetente Meinung bilden können?

3. Mit Filmen von/aus Terrence Malick konnte ich noch nie viel anfangen, einfach weil die mir bekannten Werke (besonders „The Tree of Life“ und „The New World“) auf der Handlungsebene sehr verworren und ohne eine eindeutig erkennbare Stringenz sind. Bei Malick steht die vor allem auch visuelle Ästhetik im Vordergrund, nur leider ist dies nun mal nicht das einzige, was zu einem guten Film gehört. Für einzig gelungen halte ich tatsächlich nur „Der schmale Grat“ und vor „Knight of Cups“ graust es mir jetzt schon. Dabei muss ich den doch eigentlich gucken, weil Natalie Portman mitspielt. Ein Teufelskreis. 

4. Klassischer Aufbau in drei Akten oder darf es gerne mal etwas unkonventioneller sein?

Ich begeistere mich grundsätzlich für alle Möglichkeiten eine Story zu entwickeln, solange am Ende eine interne Logik erkennbar ist und sich alle Handlungsstränge plausibel in die Geschichte einweben lassen. Dann kann der Film – wie zum Beispiel bei „Memento“ – (oder wahlweise ein Buch) auch gern vom Ende her erzählt werden. 

5. Zeitsprünge, Vor- und Rückblenden sind ja beliebte Stilmittel. Unnötiger Schnickschnack, oft nur verwirrend oder eher ganz große Erzählkunst?

Könnte ich ähnlich wie bei Punkt 4 antworten. Kommt einzig und allein auf die Umsetzung und den richtig getimten Einsatz derlei Stilmittel an. Kunst (auch oder insbesondere Erzählkunst) kommt von Können. Klischeehaft, aber wahr. 

6. Inspiriert von der Blogparade der Singenden Lehrerin zu den Top Sex der erotischsten Szenen: Die heißeste (Sex-)Szene in einem Film, einer Serie oder einem Buch  ist momentan aus LA VIE D’ADELE, was ich an dieser Stelle auch relativ ausführlich begründe.

7. Zuletzt gesehen habe ich Folge 10 von „American Horror Story: Freak Show“ und das war wie auch alle bisherigen Folgen zwar unterhaltsam, aber irgendwie nicht das Niveau der früheren Staffeln dieser Serie, weil – Ja, warum eigentlich? Ich werde mit dem Handlungsort nicht so richtig warm (vielleicht, weil ich generell eine Abneigung gegen Zirkus und Clowns habe). Und einige der Handlungstwists sind mir einfach zu erzwungen, weil vom logischen Standpunkt her mit komplett nicht nachvollziehbaren Aktionen gepflastert. Aber immerhin ist Jessica Lange mal wieder großartig in ihrer Zirkus(über)mutterrolle. 

So, und jetzt noch mal alle ein großes ‚Buuuuuuuuuh‘ an die Academy für einige mir nicht einleuchten wollende Entscheidungen (explizit Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin und Beste Nebendarstellerin). Curtain falls…

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6 Antworten zu Media Monday #191

  1. bullion schreibt:

    Schön, da fühle ich mich doch gleich bestätigt, die Nacht lieber durchgeschlafen zu haben. Auch schön eine solches Statement für „Boyhood“ zu lesen. Sehe ich ganz genauso! Schlimm, dass der Film oft nur auf sein „Gimmick“ (was ja eigentlich keines ist) reduziert wird.

  2. Schlopsi schreibt:

    Terrence Malick ist so ein Fall, wo die Neugierde bestimmt irgendwann mal siegt, obwohl gar kein Interesse am Film vorhanden ist. Mich graust es jetzt schon vor „The Tree of Life“. Sowas ist schlimm.

    • Stepnwolf schreibt:

      Ja, visuell ist das, was Mr. Malick da so produziert, durchaus schön anzuschauen. Aber ich werde einfach nie mit seinen zu erzählenden Geschichten warm.

  3. Miss Booleana schreibt:

    Autsch, da hat es dich also doch so schwer getroffen, dass die gute Rosamund Pike leer ausgegangen ist? Das war auch eine schwere Entscheidung.

    Wenn du Clowns nicht magst, dann müsste AHS dich doch gerade schocken? 😉 Bin sehr gespannt auf die Staffel, schaue sie hoffentlich demnächst.

    • Stepnwolf schreibt:

      Hat es wirklich. Ms. Pike hätte den Oscar verdient gehabt. No offence Ms. Moore. Der in AHS auftauchende Clown ist tatsächlich ziemlich gruselig und bedient mein Klischee von Clowns zu hundert Prozent. Aber trotzdem ist „AHS: Freak Show“ nicht so schockierend und spannend wie vorherige Staffeln. Ich will ein anderes Setting. 🙂

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