Media Monday #192

Wulf hat die Einleitung zum heutigen Media Monday kurz und knapp gehalten. Dem möchte ich mich in solidarischer Weise anschließen.

Meine Antworten

1. Leonard Nimoy lived longer and prosper. Definitely!

2. Die Outfits/Kostüme in Sofia Coppolas „Marie Antoinette“ sind wirklich gelungen. Insbesondere bei der Schuhauswahl zeigt sich der moderne und exquisite Geschmack der Protagonistin. Man könnte sogar fast denken, Marie Antoinette wäre ihrer Zeit ein wenig voraus gewesen:

Chucks bei Marie Antoinette

3. Tim Burton hat als RegisseurIn einen wirklich einzigartigen Stil, denn neben seinen Stammschauspielern, die so ziemlich jeden seiner Filme bevölkern und mit Leben füllen, sind es vor allem auch die meist abseitig-skurillen Geschichten und ihre bild-ästhetische Umsetzung, die einen Burton sofort als einen Burton erkennen lassen. 

4. Aktuell ist ja American Sniper häufig in der Kritik aufgrund der Art und Darstellung des in Amerika gefeierten Scharfschützen. Welche(r) Film(e) waren für euch unter moralischen/ethischen Gesichtspunkten besonders fragwürdig?

Da moralisch/ethische Gesichtspunkte nur Richtlinien sind, die jeder individuell für seinen eigenen Rahmen innerhalb einer Gesellschaft definieren könnte (sich aber meist einem ‚Civil Code‘ aus Normen und Werten unterordnet), gibt es wahrscheinlich die verschiedensten Möglichkeiten einer Entrüstung über das Gezeigte. Je nach eigenem gesteckten Rahmen.  Spontan fällt mir da „Der freie Wille“ ein, der die Beziehung zwischen einer über viele Jahre von ihrem Vater missbrauchten Frau  (Sabine Timoteo) und einem aus der Haft entlassenen Vergewaltiger (Jürgen Vogel) erzählt. Beide vom Leben gezeichnete Menschen. Interessant ist dabei die Verschiebung und Vermischung der Opferrolle und der Sympathieverteilung für die beiden Akteure. Das ich den Begriff ‚interessant‘ anstelle von ‚fragwürdig‘ nutze, lässt sich nur über meinen eigenen moralisch/ethischen Rahmen begründen. Es gibt bestimmt viele, die nach Sichtung des Filmes die Charakterisierung der männlichen Hauptfigur ab und an als nicht nur fragwürdig, sondern sogar abwegig bezeichnen würden. (In noch immer frischer Erinnerung zurückliegender hitziger nächtelanger Diskussionen zum Thema.)

5. Unvergessen und auf ewig ins Gehirn gebrannt, bleibt dieser eine Moment auf dem Pacific Coast Highway kurz vor Sonnenuntergang. Kein Foto der Welt hätte den Augenblick adäquat einfangen können. Somit wird er also auf meiner internen Festplatte für mich allein auf immer verfügbar und abrufbar sein. Seliges Lächeln inklusive. 

6. Jüngste Film-Entdeckung, von der die wenigsten je gehört haben werden, war für mich „Der Räuber“, denn der lief am gestrigen Abend auf dem digitalen Spartenkanal ZDF Kultur (und wer schaut schon diesen Sender?) und ist zudem ein Film aus dem deutschsprachigen Raum – einem in der Bloggerlandschaft ziemlich unterrepräsentierten und wenig beachteten filmischen Kosmos. Leider muss man ja sagen.   

7. Zuletzt gesehen habe ich eben jenen österreichisch-deutschen Film „Der Räuber“ und das war stellenweise eine große Herausforderung, weil der Regisseur Benjamin Heisenberg einen sehr eigenwilligen Erzählrhythmus etablierte. Und Rhythmus darf hierbei wörtlich genommen werden, denn „Der Räuber“ stand nie still. Weder der Protagonist, noch der Film. Am Ende war es tatsächlich eine Mischung aus „Lola rennt“ und „Auf der Flucht“ – zumindest kommen Banken und ein ständiges vor diversen Vollstreckungsbeamten Davonlaufen darin vor. Ganz zu schweigen vom ziemlich wortkargen Räuber (und Langstreckenläufer). 

Apropos wortkarg: Mehr hab ich nicht zu sagen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter und Ich abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten zu Media Monday #192

  1. Gorana schreibt:

    Schade dass man die ins Gehirn gebrannten Bilder nicht mit anderen teilen kann … oder vielleicht doch nicht schade, sondern schön etwas wirklich für sich zu haben, weil nicht teilbar.

    • Stepnwolf schreibt:

      Es gab zumindest eine weitere Person, die den Moment mit mir geteilt hat, allerdings weiß ich nicht, inwiefern diese Person das Gleiche gesehen hat (sehen wollte) wie ich. Und in unserer mitteilungsbedürftigen Gesellschaft ist es ja schon fast ein Novum etwas mal für sich zu haben, ohne es gleich der ganzen Welt zu instagramen, twittern, facebooken etc.pp. Von einem Moment zu erzählen, anstatt einfach nur ein Bild zu zeigen, ist doch sehr viel faszinierender und intensiver. 🙂

      • Gorana schreibt:

        Du sagst es. Man ist schon so drin in dem Teilen, dass man manchmal fast platzt weil man es nicht der Welt zeigen kann. Darum schreiben wir wohl … Ich finde es auch viel schöner von Momenten zu erzählen als sie zu zeigen. Erzählen tu ich was ich sehe. Ein Bild sieht jeder anders. Bestes Beispiel dafür … „Das Kleid“ 😉

  2. bullion schreibt:

    „Der freie Wille“ würde mich einerseits reizen, andererseits konnte ich mich bisher auch nie durchringen den Film zu sehen. Ähnlich wie bei „Requiem for a Dream“.

    • Stepnwolf schreibt:

      Ich hab den auch ne Weile vor mir hergeschoben, aber aufgrund der beiden Hauptdarsteller (Vogel und Timoteo glänzen mal wieder) dann doch relativ zeitnah nach Veröffentlichung geschaut. Schwieriges Thema, aber eigentlich doch gut umgesetzt.

  3. Wortman schreibt:

    Und schon wieder Burton. Ist wohl neben Wes Anderson der meist genannte Regisseur bei diesem MM.

    • Stepnwolf schreibt:

      Wes Anderson war auch mein zweiter Gedanke, aber Tim Burton hat das Rennen hauchdünn gewonnen. Sie sind aber auch beide markant und konsequent in ihrer filmischen Umsetzung.

      • Wortman schreibt:

        Ich mag Burtons Filme auch sehr. Musste erstmal Anderson googlen und feststellen, ich kenne keinen seiner Filme 😉
        Bei Wes muss ich übrigens immer an Wes Craven denken 😀

  4. Miss Booleana schreibt:

    Mh … der freie Wille ist irgendwo auf meiner Watchliste versauert und immer weiter nach unten gerückt. Was schade ist, denn eigentlich verschließe ich mich dem deutschen Film nicht. Des deutschen Filmes nicht? Grammatik, es ist spät, du läßt mich im Stich.
    Jedenfalls schaue ich den auf jeden Fall auch nochmal. 🙂

    Ich liebe Coppolas Marie Antoinette für solche Szenen! Und für die Musik. 🙂

    • Stepnwolf schreibt:

      Die Musik in Sofia Coppola Filmen ist ja immer toll. Die war auch lange Kandidat für die Top 10 Liste.
      Ich glaube ‚dem deutschen Film‘. 😉 Aber generell habe ich das Gefühl, dass die Filmblogger weniger Filmen aus Deutschland beitragsmäßig huldigen. Vielleicht schauen ja alle deutsche Filme, aber sie sind dann doch zu schwer zu rezensieren. Wer weiß.

      • Miss Booleana schreibt:

        Das kann sein. ich sehe auch nicht so besonders viele deutsche Filme in den Beiträgen der Filmblogger. Die meisten in unseren Kreisen gehypten Filme stammen von überall her, nur nicht zwingend aus Deutschland. Liegt vielleicht daran, dass die deutsche Filmszene nicht mehr ganz so mutig ist. Oder doppelt kritisch beäugt wird, weil man ja will, dass die Heimat auch was filmtechnisch tolles vorzuweisen hat. Ich weiß nur, dass ich deutsche Filme schaue und dann meistens auch rezensiere, um den deutschen Film zu huldigen.

        • Stepnwolf schreibt:

          Ach, der deutsche Film ist schon mutig, manchmal. Ich bin z.B. sehr gespannt auf den diesjährigen Berlinale-Beitrag von Regisseur Sebastian Schipper namens „Victoria“. Ein knapp zweistündiger Film ohne einen einzigen Schnitt? Klingt irgendwie unglaublich. Muss eine riesige Tortur für alle am Projekt Beteiligten gewesen sein. Plansequenzen bei „Birdman“? Paah, Kinderkram. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s