Paris sera toujours Paris!

Es ist Freitagabend. Eine Woche voll arbeitsreicher Aufgaben neigt sich dem ruhigen, ausklingenden Ende zu. Zeit zu entspannen. Die Welt einen kurzen Augenblick lang Welt sein lassen. Dafür gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Die einen treffen sich mit Freunden in der Bar oder dem Café um die Ecke. Auf ein Bier. Ein wohlverdientes Feierabendbier. Die anderen frönen ihrer Leidenschaft bei einem Livekonzert ihrer Lieblingsband und entledigen sich all den Sorgen und Nöten des normalen Alltags bei zwei Stunden guter Musik. Und wieder andere finden sich zusammen in einem Stadion, um der schönsten Nebensache der Welt zu huldigen. Einem Fussballspiel. Unter Freunden.

Es ist Freitagabend. Der letzte Abend…

Die Welt Welt sein lassen wird immer schwieriger. Vor allem dann, wenn die Welt in das Leben des normalen, kleinen Bürgers eindringt. Menschen wie Du und Ich. Menschen wie Er – dort drüben – in Block 3. Oder Sie – da hinten – am linken Bühnenrand. In diesen Momenten wird jedem bewusst, wie nah die doch eigentlich so weit entfernt zu sein scheinenden Konflikte dieser Welt sind. Wie unvorhersehbar das Eindringen der Welt in das Leben jedes einzelnen sein kann. Auch ich saß schon so oft in einer Bar auf ein Bier, mit Menschen, die man gern um sich hat. Die man selbst nicht missen will im eigenen, unscheinbaren, kleinen Leben. Auch ich amüsierte mich bei Konzerten von Bands, die ich gern höre, weil sie meine eigene Welt mit ihrer Musik ein klein wenig bereichern können. Auch ich habe meinem Lieblingsfussballclub mitfiebernd den Sieg gewünscht, im Stadion stehend, anfeuernd, fluchend, feiernd. Auch ich hätte eines der Opfer sinnloser Gewalt sein können. An jedem Ort auf dieser noch immer schönen Welt, die nur leider allzuoft ihre hässliche Seite zu präsentieren wünscht.

Ich kann die Trauer, den Schmerz und den Verlust nachvollziehen, ohne ihn (glücklicherweise) selbst erlebt zu haben. Gerade weil es sich um Menschen handelt, die nicht anders sind als ich. Die Gewissheit der Angehörigen, das der geliebte Mensch an diesem Freitagabend nicht mehr nach Hause kommt. Aus der Bar. Vom Konzert. Jubelnd, ob des Sieges der eigenen Mannschaft. Es geht einen an die Nieren, wenn man nur daran denkt eine solche Nachricht zu erhalten. An einem Freitagabend. Dem letzten Abend…

Paris! Es war ein schwarzer Freitag. Dieser 13. November 2015.

Nicht nur für dich. Für uns alle. Für all jene Menschen, die nur ab und an die Welt dort draussen einfach nur Welt sein lassen wollen, um dann festzustellen, das dieses Unterfangen immer mehr zum Scheitern verurteilt ist.

Ich höre leise, aber mit tiefer Verneigung für die Stadt und mit Gedanken an ihre dort lebenden Menschen, ZAZ. Eine Künstlerin aus Paris. Die ihre Karriere als Straßenmusikerin begann. Im Viertel Montmartre, unweit des Stade de France, wo am Freitagabend Deutschland im Freundschaftsspiel gegen Frankreich verlor. Sie spielte als Straßenmusikerin vor Cafés und Bars, die zwar nicht „Le Carillon“ heißen, aber ebenso gut besucht sind. Und sie füllte Konzertsäle wie das „Bataclan“, voller Menschen, die nur der Musik lauschen wollen.

Ich höre sie singen ‚Paris Sera Toujours Paris‘ und glaube daran! Paris wird immer Paris sein! Das ändert auch eine kleine irrgläubige Minderheit nicht!

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14 Antworten zu Paris sera toujours Paris!

  1. Gorana schreibt:

    Jetzt hast du mich erst recht zum Heulen gebracht. Du und deine großartigen Texte! ❤

  2. Gorana schreibt:

    Hat dies auf ERGOThek rebloggt und kommentierte:
    Wenn etwas unfassbar sinnlos schlimmes auf der Welt passiert fehlen mir prinzipiell erst mal die Worte. Aber zum Glück gibt es noch den einfühlsamsten Wolf der Welt, der immer das richtige zu schreiben weiß. Danke für diese unglaublichen Zeilen. ❤

  3. katrindoerksen schreibt:

    Danke für diese Worte, du sprichst mir damit aus der Seele. Ja, eine kleine Hoffnung, dass uns Musik, Filme, Bücher daran erinnern: auch, wenn solche fröhlichen Klänge momentan aus der Stadt verschwunden sein werden – sie waren da, sie sind da, sie kommen wieder. Diese Stadt steht für etwas.

  4. Nummer Neun schreibt:

    Die Ereignisse haben mich gestern auch wirklich sehr mitgenommen. Es hat Leute wie dich und mich erwischt, es ist genau meine Lebensart, auf die dieser Anschlag verübt wurde.

    • Stepnwolf schreibt:

      Das waren auch meine Gedanken. Das erste mulmige Gefühl stellte sich bereits beim Fussballspiel ein. Selbst für mich, als ’nur am Fernsehen dem Spiel folgender‘ Zuschauer, klang der Knall in der ersten Halbzeit nicht nach einem normalen, wie auch immer eingeschleusten, Feuerwerk oder Böller. Da war mehr dahinter. Man stelle sich vor sie wären tatsächlich irgendwie in das Stadion gelangt. Vollbesetzt. Mit 78.000 Menschen und zig Millionen vor den Bildschirmen. Eine Katastrophe, die die jetzige noch einmal um ein vielfaches gesteigert hätte. Wenigstens das ist uns erspart geblieben.

  5. Schlopsi schreibt:

    Deine Worte sind so angenehm aufmunternd, auch wenn deutlich die Trauer mitschwingt. Die Nachrichten von gestern sind entsetzlich und stecken mir noch tief in den Knochen. Man kann und will es einfach nicht wahrhaben, dass manche Minderheiten zu solcher Grausamkeit bereit sind und das Menschen antun, die damit doch wirklich nichts zu tun haben. Menschen wie Du und Ich. Furchtbar…

    • Stepnwolf schreibt:

      Und so sinnlos noch dazu. Was bringt es einer bestimmten ideologischen Idee (um es einmal so auszudrücken) für einen Vorteil solch eine Tat zu organisieren, abgesehen von der medialen Aufmerksamkeit? Jede auf Gewalt begründete Ideologie (egal, ob religiös, ethnisch oder wie auch immer fundiert) hat sich historisch betrachtet auf lange Sicht selbst zerstört. Leider wissen wir aber auch aus der Geschichte, das die zivilen Verluste immer eine Begleiterscheinung dieser ‚Kriege‘ waren. Das moderne Problem ist halt nur, das der zu definierende Gegner so diffus und inkohärent ist. Es gibt nicht mehr den einen sichtbaren Gegner. Und es gibt nicht mehr nur das eine sichtbare Angriffsziel. Und es gibt vor allem nicht mehr die eine mögliche Lösung des Konfliktes. Man ist fast geneigt zu sagen: Leider.

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