Listige Listen 2015 – Ein mediales Resümee

„Es ist viel passiert im vergangenen medialen Jahr 2014. Ich bin gespannt, was 2015 an neuen, enervierenden, emotionalen, fantastischen, spannenden, mitsingenden, im Kinosessel fesselnden kalten und heißen Medien hervorzaubert.“

So endete der kurze, aber knackige Ausflug in das zurückliegende mediale Jahr 2014 in meinem Rückblick. Und da sind wir nun gemeinsam und schauen bereits auf dieses mit Spannung erwartete 2015 zurück, weil mittlerweile 2016 durch die Hintertür hereingeschlichen ist. Was gab es nicht alles zu sehen, hören, fühlen und erleben. Und was davon hat meine Wenigkeit als besonders erwähnenswert in Erinnerung behalten. Stöbern wir doch einfach zusammen in den bereits zur Abholung vor die Eingangstür gestellten Umzugskartons, die alle mit 2015 und noch ein bisschen mehr beschriftet sind. Zum Beispiel der hier. Da ist als Vermerk zu lesen:

Die TOP 5 Songs 2015

Courtney Barnett – Pedestrian at Best

Was habe ich diesen Song hoch und runter gehört. „Pedestrian at best“ ist das definitiv beste Lied auf dem 2015er Album „Sometimes I sit and think, and sometimes I just sit“ der werten Ms. Barnett. Ganz nebenbei lässt sich hier auch noch meine ausgesprochene Lieblingszeile des lyrischen Musikjahres finden: „Give me all your money and I make some origami honey.“ Großartig Ms. Barnett. Sometimes I sing and dance, and sometimes I just dance … zu diesem Lied.

Ellie Goulding – Love me like you do

Eine Ballade taucht irgendwie ja immer in meinen Top 5 auf. 2015 war es Ellie Goulding mit diesem Meisterstück. Lassen wir einfach mal unter den Tisch fallen, in welchem Film dieser Song verwendet wurde und konzentrieren uns nur voll und ganz auf die Musik. Perfekter Popsong. Kraftvoll, emotional und mit einer catchy Melodie. Das Ellie Goulding singen kann, wussten wir ja alle. Hier zeigt sie das in vollem Umfang.

Aurora – Running with the wolves

Den Stammlesern hier auf meinem Blog dürfte dieses kleine Liedchen der bezaubernden, anmutigen, zerbrechlich wirkenden, jungen Norwegerin schon das eine oder andere Mal über den Weg gelaufen sein. Tatsächlich hat mich dieser Song irgendwie das komplette Jahr über begleitet. Und das nicht nur, weil Wölfe im Titel drin vorkommen. 😉 Diese Version zeigt die unglaubliche Präsenz, die die werte Dame auf die Bühne zaubert. Allein durch ihre Art der musikalischen Interpretation. Ich bin gespannt auf das bald erscheinende Album von Aurora. Ich erwarte Großes von der Kleinen.

Muse – The Globalist

Eine Hymne ist immer auf den Alben der Herren rund um Leadsänger und Frontsau Matthew Bellamy zu finden. Auf ihrem 2015er „Drones“ ist es dieses hier. „The Globalist“ startet Ennio Moriccone zitierend langsam, schleicht sich nach und nach mit typischem Bellamy-Gesang in die Gehörgänge, um irgendwann lautstark rockend zu explodieren und dann balladesk zu reflektieren. Und ganz nebenbei: ein Text mit Statement! Für derlei Stücke liebe ich diese Band so ungemein.

Björk – Black Lake

Björks „Vulnicura“ war sehr lange ziemlich weit oben als Album des Jahres Anwärter. Es gibt ein paar fantastische Lieder auf dem Silberling (oder schwarzen Gold für die Vinylliebhaber). Ich hatte mich in „Stonemilker“ verguckt, aber ich bin noch immer hin und weg über dieses Stück hier. Hochemotional, tieftraurig und doch irgendwie jubilierend enthusiastisch. „Black Lake“ ist eigentlich  am ehesten für die dunklen Stunden des Lebens geeignet, für die Momente melancholischer Einsamkeit. Und doch wiederum auch nicht. „I am a glowing shiny rocket.“ singt die isländische Elfe und befreit sich aus ihrer eigenen Tristesse und Trauer. Wunderbares Lied!

So und direkt neben diesem musikalischen Karton steht die eine kleine Kiste mit dem Wunderwerk des zurückliegenden Jahres. Beschriftet mit…

Das Album des Jahres 2015

Kommt aus der schönen Schweiz. Das Album und die Dame, die es ‚verbrochen‘ hat. Sophie Hungers Album „Supermoon“ ist ein Kuckucksei. Irgendwie. Was im normalen, gitarrenlastig rockigen Stil beginnt, entpuppt sich sehr schnell als Potpourri verschiedenster musikalischer Möglichkeiten. Frau Hunger ist ja seit Jahren dafür bekannt gern mal einige experimentelle Elemente in ihren Songs zu verarbeiten. Und dieser Tradition bleibt sie auf „Supermoon“ treu. Glücklicherweise – muss man ohne Umschweife sagen. Denn es macht ungemein Spaß hier von Anfang bis Ende durchzuhören, auf Repeat zu stellen, den Reigen damit wieder von vorn zu beginnen und sich jedesmal aufs Neue mit noch nicht gehörten Fragmenten genialer Einfälle übermannen zu lassen. Diese ungeahnten (aber ja doch irgendwie geahnten) Stücke sind nur live noch einmal zu steigern. Wie ich aus eigener, freudvoller Erfahrung in 2015 erleben durfte.

Nach so viel Musik in Kartons wird es Zeit für Cartoons. Naja, oder eher Filmen. In meinen Listen des zurückliegenden Jahres lassen sich ja auch alle konsumierten Kinofilme finden (für ganz Neugierige: bitte hier und hier entlang). Drei haben es mir im Jahr 2015 besonders angetan. Der Kinofilm-Karton sagt uns sogleich, welche es sind.

TOP 3 Kinofilme

Platz 3: „Inherent Vice“ von Paul Thomas Anderson

Der andere Anderson hat es verbrochen. Nicht der Wes. Und was hat er dem werten Zuschauer da nur vorgesetzt. Eine skurrile Story mit ein paar seltsamen Wendungen und Wirrungen und einem Hauptdarsteller, der seinesgleichen sucht. „Inherent Vice“ ist eine Verfilmung des gleichnamigen Buches von Thomas Pynchon, was für die Handlung schon mal Komplexität und Chaos erahnen lassen musste. Joaquin Phoenix als Larry ‚Doc‘ Sportello ist großartig. Er mimt diesen kiffenden, hippiesken Privatdetektiv mit einer Inbrunst, die einen zeitweise nur noch kopfschüttelnd dem Schauspiel zusehen lässt. Dieser Film dürfte Kult werden. Und der ‚Doc‘ wird ohne Zweifel der ‚Dude‘ dieser Dekade.

Platz 2: „Victoria“ von Sebastian Schipper

Was für ein Film! Schnell, ohne Rast, ständig auf der Flucht. Wild, wackelnd, wummernd. Intensiv und wahnsinnig gut. Laia Costa als titelgebende Heldin ist in jeder Sekunde so echt. So verdammt tief drin in diesem sich immer mehr steigernden Irrsinn um sie herum. Aber was rede ich hier lange um den heißen Brei, lest es doch einfach noch einmal an anderer Stelle nach. Und dann sollte auch endlich der letzte Skeptiker dieses deutsche Glanzstück filmischen Outputs anschauen. Bitte. Danke.

Platz 1: „A Girl walks home alone at Night“ von Ana Lily Amirpour

Nur ein Film konnte dem vorherigen 2015 das Wasser reichen. Und es kommt nicht von ungefähr, das es darin um Vampire geht. Denn nicht nur dieser Fakt erinnert bei Ms. Amirpours Glanzstück an Jim Jarmuschs Vampirsymphonie „Only lovers left alive“, sondern auch der filmische Stil zeigt Parallelen auf. Aber das ist ganz und gar nicht negativ gemeint. „A Girl walks home alone at Night“ ist wundervolles Kino. Zauberhafte Bilder wie gemalt. Eine Atmosphäre, die man fühlen und einatmen kann. Eine wunderbare Mischung aus melancholischer Langsamkeit, lässiger Lustigkeit und belanglos erscheinender Nebensächlichkeit. Aber alles zusammen ergibt ein unendlich schönes, inspirierendes Ganzes voller magischer Momente. Die Musik, die ohne zu übertreiben, dem Gesamtkunstwerk noch einmal eine diamantene Krone aufsetzt, fügt sich in jedem Augenblick perfekt in die Szenerie ein. Das ist Kino, das verzaubert! Das ist Kino fernab von Blockbuster-Superhelden-Nonsens! Genau für diese Art Filme wurde Kino erfunden! Anschauen, inspirieren lassen und begeistert zustimmend nicken. Mehr will ich gar nicht.

Und wenn mich der Weg mal nicht in das nächstgelegene Kino meines Vertrauens lockte, dann gab es noch einen großen Serienkarton zu verarbeiten.

Serien-Entdeckungen des Jahres

Bei den Serien gibt es viele Staffeln, die noch mittendrin sind im Geschehen, bei denen ich noch einiges erwarte oder aufgrund des bereits Gesehenen eher nichts mehr erwarte. Ich habe aber auch zwei Staffelfinals erleben dürfen. Zum einen war das „Justified“ mit einem coolen Hauptdarsteller und einem noch viel cooleren Hauptbösewicht. Wenn ich am Anfang aufgrund von Timothy Oliphants Darstellung des Marshalls Raylan Givens zugeschaut habe, war im Verlauf der kompletten Serie vor allem Walton Goggins‘ Part des gerissenen, fiesen, brutalen, aber auch irgendwie liebevoll-sorgenvoll agierenden Boyd Crowder der Weiterschaugrund schlechthin. Zum anderen habe ich David Duchovnys letzte Anstrengungen als Hank Moody begleitet. „Californication“ fing furios an, machte auch in den folgenden Staffeln viel Spaß, wurde aber ab und an doch immer bemühter das moodyische Niveau zu halten. Umso schöner war es am Ende zu sehen, doch noch etwas untypisches zu erleben: ein halbes Happy End. Das Ende der Serie war also definitiv kein Hank Moody Roman. 😉 Apropos Duchovny. In erwartungsvoller Vorfreude begann ich 2015 auch ein längst überfälliges Rewatch. Ich erfreute (und erfreue mich noch immer) an den überhaupt nicht verstaubten X-Akten, bearbeitet vom Duo Mulder und Scully und bin von der ersten Minute an wieder drin in dieser Welt aus Mystik, Wissenschaft, Verschwörung und politischen Gezänk.

Nicht unerwähnt möchte ich zwei deutsche Serien lassen. Die erste hatte mich vor allem mit der ersten Staffel begeistern können. Spritzige Dialoge. Ein paar erinnerungswürdige Oneliner und so wunderbar aus dem Leben gegriffene Handlungen. „Der Lack ist ab“ macht Spaß, auch wenn die zweite Staffel ab und an sehr gewollt gequält dem Zeitgeist unterliegt. Egal, Tom und Hanna schaut man dennoch gern beim Diskutieren zu. Und dann war da noch diese Serie: „Weinberg“. Die so undeutsch aussieht. Sich so undeutsch anfühlt und auch so undeutsch erzählt. Und doch typisch deutsch ist.

So. Das waren die ganz oben stehenden Kartons aus dem vergangenen Jahr 2015. Der Rest liegt schon vergraben, ist aber nicht vergessen. 2016 wird sicher wieder furios-fulminant, spaßig-spannend, majestätisch-musikalisch, cineastisch-cool und vieles mehr. Ich kann es kaum erwarten.

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16 Antworten zu Listige Listen 2015 – Ein mediales Resümee

  1. Nummer Neun schreibt:

    Yeah die gute Courtney 🙂 Ist wirklich das mit Abstand beste Lied auf dem Album. Aber live ist sie auch sehr gut.

    Und Victoria muss man echt mal gesehen haben – hatte da zuerst Feuileton-Kino erwartet, aber der war wirklich richtig gut!

    • Stepnwolf schreibt:

      Live durfte ich die Dame leider nicht erleben. Aber das Album hat schon Spaß gemacht, natürlich insbesondere „Pedestrian at best“. Gäbe es auf einer CD sichtbare Abnutzungserscheinungen bei bestimmten Liedern, würde es hier ziemlich mies aussehen. 😉

  2. hicemusic schreibt:

    Schöne Auflistung! Victoria muss ich mir unbedingt anschauen. Courtney Barnett ist richtig klasse, Björk natürlich auch. Sophie Hunger hat ebenso ein schönes Album abgeliefert 🙂

  3. bullion schreibt:

    Ja, „Californication“ ist am Anfang (Staffel 1 & 2) wirklich stark, lässt dann leider ziemlich nach, macht aber immer noch irgendwie Spaß.

    • Stepnwolf schreibt:

      Ich fand die letzten Staffeln ein wenig verzettelt und krampfhaft darauf hin geschrieben so viel wie möglich Hank Moody Charakteristika zu zeigen. Deshalb war das (für mich zwar sehr versöhnliche) Ende dann doch ein wenig erzwungen. Ja, schon fast schnulzig für „Californication“. 😉

  4. singendelehrerin schreibt:

    „Victoria“ und „A Girl Walks Home Alone at Night“ werde ich mir wohl irgendwann mal auf DVD ansehen müssen. Hab schon so viel Gutes über die Filme gelesen! Muss gestehen, dass ich solche Filme oft verpasse, weil die in „meinem“ Kino (engl. OV) nicht gezeigt werden. Müsste ich auch mal in andere Kinos gehen…

    Puh, „Inherent Vice“ war für mich ein schwieriger Film. Irgendwie schon witzig und abgefahren, aber beim Rausgehen beschlich uns so das Gefühl: „Ähm, ja, aber…. – WTF?“ Ich hab den Film dann auch nie rezensiert, weil ich einfach nicht wusste, wie ich irgendetwas zu dem Film sagen sollte, das dann für jemanden, der den Film nicht gesehen hat, Sinn macht. Joaquin Phoenix ist großartig, ohne Zweifel, aber wenn mich jemand heute fragen würde, worum’s in dem Film geht, müsste ich passen…

    • Stepnwolf schreibt:

      „Inherent Vice“ ist ne Pynchon Verfilmung. Eine wirre und komplexe Geschichte war also zu erwarten. Aber ich wüßte heute und jetzt zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr genau, worum es geht. Ich sollte den Film unbedingt noch mal (und nochmal) schauen. 🙂

      „Victoria“ ist ja größtenteils auf englisch. Der lief dann wahrscheinlich nur nicht im Kino deines Vertrauens, weil es ein deutscher Film war. Wir haben hier ein schönes kleines Independentkino, wo man so ziemlich alles sehen kann. Egal, ob deutsch, iranisch („A girl walks…“ lief in persisch mit Untertitel) oder englisch. Da bin ich immer ganz froh, das die so Querbeet vorgehen.

  5. Michael Bohli schreibt:

    Interessant, ich finde ja „Love Me Like You Do“ von meiner geliebten Ellie einer der schlimmsten Songs, die je unter ihrem Namen veröffentlich wurden. Es besitzt weder eine Seele, noch irgendwelche Anzeichen des Gouldischen Talentes. Passt überhaupt nicht in ihre Diskografie.
    Und ein eher schwacher Punkt meiner Seite: Obwohl ich Schweizer bin, habe ich „Supermoon“ bis heute nie angehört, geschweige denn gekauft. Ups!

    • Stepnwolf schreibt:

      Haha. So verschieden kann man Lieder hören. Für mich war Ellie Gouldings Song tatsächlich die beste Ballade im zurückliegenden Jahr.
      Als Schweizer wird es dann aber mal Zeit der werten Frau Hunger zuzuhören. 🙂

  6. Pingback: Liebster Award III | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

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