Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Januar Teil 1

Kurz und knackig ist in. Nicht nur im Sommer. Auch jetzt, im Winter. Und weil ich auch im letzten Jahr wieder einiges an Filmen gesehen habe, diese hier aber so gut wie nie rezensiere (aus diversen Gründen), gehe ich im neuen Jahr über zu: kurz und knackig. So habt ihr wenigstens ein bisschen was von meinen Gedanken zum jeweils gesehenen Werk. Alle fünfzehn Tage (also zweimal im Monat) gibt es deshalb ab sofort kurze und knackige Einschätzungen, allerdings ohne Bewertungssystem. Skalen sind Humbug. Mein Geschreibsel wird schon klar machen, was ich vom filmischen Output halte. Gehen wir es an…

Saboteure (1942)

Klassischer Thrilleraufbau: Auslösendes Ereignis, unschuldiger Verdächtiger (Robert Cummings ist aber auch viel zu nett, um böse zu sein) versucht auf eigene Faust die Sache aufzuklären und gerät dabei in eine Verschwörung ausufernder Dimensionen. Natürlich begegnet ihm eine Frau (Priscilla Lane als toughe, dominant agierende weibliche Hauptfigur passt gut) in die er sich letztendlich verliebt. Während der Showdown hier auf der Freiheitsstatue stattfindet, inszenierte Hitchcock 17 Jahre später wieder ein Filmfinale auf einem amerikanischen Nationaldenkmal. Bei Der unsichtbare Dritte hatte er dann seine Erzählweise bereits perfektioniert. Saboteure gehört noch zu den ‚Übungsobjekten‘, ist aber dennoch sehenswert.

Im Schatten des Zweifels (1943)

Wenn das Böse in die harmonische Atmosphäre der normalen bürgerlichen Familie eindringt, ist der Horror intensiver als anderswo. Wenn das Böse dann auch noch ein Familienmitglied ist und nur eine in der Familie das grausame Geheimnis kennt, ist die Gefahr sogar ungleich höher. Hitchcock steigert die gefährliche Lage mit der puzzleartig offenbarten Wahrheit über ‚Onkel Charlie‘ (Joseph Cotten ist außen smart und innen hart) nach und nach. Der Zweifel an der Redlichkeit wird durch dessen Nichte Charlie (Teresa Wright gibt sich jugendlich-detektivisch) geschürt. Je mehr sie erfährt, desto mehr hängt ihr Leben am seidenen Faden. Die Verlagerung des Thrillers in das gutbürgerliche Milieu war damals für derlei Erzählungen eher untypisch und gerade deshalb so nervenaufreibend für den Zuschauer. Aus heutiger Sicht zwar storytechnisch großartig, die Spannung hält sich jedoch in Grenzen.

Sieben Sommersprossen (1978)

Damals. Im Ferienlager. Sommer und Liebe. Sommerliebe. Die Geschichte von Karoline und Robert und die erste Liebe. Und irgendwie darin eingebunden und verschachtelt Shakespeares Drama Romeo und Julia. Ein DEFA-Kultfilm, der 1978 der Kinoblockbuster in der DDR war. Zeitgeschichte abbildend und dennoch das universelle Thema modern umsetzend. Kurzweilig und gut. Als Krönung einer der schönsten Sätze über die Liebe noch dazu: „Vielleicht hat euch Romeo und Julia angesteckt. Aber ich muss euch sagen, die schönere Daseinsform der Liebe ist das Leben – und nicht der Tod.

Resident Evil: Afterlife (2010)

The Walking Dead light trifft Alice hoch x. Milla Jovovich sieht noch immer perfekt aus, obwohl sie in Rot noch mehr Eindruck hinterließ. Die Handlung wiederum wirkt ein wenig zusammen gestückelt und wirr. Bietet aber ein paar toll choreografierte Kampfszenen. Wer allerdings auf die Idee gekommen ist Tig (Kim Coates) aus Sons of Anarchy diese seltsame Synchro anzugedeihen, gehört den Zombies zum Frass vorgeworfen. Nach Afterlife wird es für die Reihe aber langsam Zeit endgültig zu sterben, trotz anstehender Vergeltung.

Jane Eyre (2011)

Im Leben stark, intelligent und selbstbewusst. Eine emanzipatorisch agierende Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft. An der Liebe verzweifelnd und von ihr fast zerstört, findet sie am Ende ihr Glück. Mia Wasikowska ist brillant in der Rolle der Jane Eyre. Und Michael Fassbender harmoniert gar fein mit ihr. Schöne Bilder und eine dezent, aber clever eingesetzte Musikuntermalung bereichern die brontësche Geschichte. Wunderbare Werkumsetzung.

Resident Evil: Retribution (2012)

Kompakt, konzentriert, gut. Retribution macht alles das richtig, was Afterlife nicht konnte. Klassisches Levelprinzip, lange Tunnel, fette Monster und eine Alice in Bestform. Schön sind auch die Reminiszenzen an den Ur-Resident Evil, sowohl an den Hive als auch in Form von Auftritten altbekannter Gesichter (Michelle Rodriguez als Kampfmaschine geht halt immer). Diese Vergeltung macht Spaß und wäre nun aber wirklich ein guter Abschluss der Reihe.

The Hobbit: An unexpected journey (2012)

Die Einführung der Zwerge in die jacksonsche Welt von Mittelerde ist wirklich gelungen. Da fühlt man sich als LotR Liebhaber atmosphärisch gleich gut aufgehoben. Hinzu kommen die altbekannten (obwohl hier zeitlich ja eigentlich jüngeren) Charaktere, die die Rückkehr erleichtern. Auch Thorin als Anführer und Held, Bilbo als reingeworfener und daran reifender Abenteurer, sowie der böse Gegner Azog machen eine gute Figur. Das die Bilder Neuseelands überzeugen, war eh zu erwarten. Der Auftakt der Reihe macht Spaß und lässt Hoffnung auf mehr aufkeimen.

The Hobbit: The desolation of Smaug (2013)

Auftritt zwei meiner Lieblingscharaktere der tolkienschen Welt: Beorn, der leider viel zu wenig Screentime bekommt und Thranduil, der durch Lee Pace kongenial zum Leben erweckt wird. Genau so habe ich mir den Elbenkönig vom Düsterwald immer ausgemalt. Ich mag Smaug. So stellt man sich einen griesgrämigen, hinterlistigen, gefährlichen Drachen vor. Auch die Seestadt ist durchaus gelungen. Aber der komplette Dol Guldur Strang mit Sauron und seinen Schergen ist überflüssig und das Wildwasserrafting in Fässern hoch peinlich. Und warum muss Jackson nur immer Romanzen einbauen, die keine Rolle für die Handlung spielen? Das Mittelstück gerät einfach viel zu lang. Fasst man beide bisherigen Teile zusammen, taucht einer der im Film ständig, von so ziemlich allen handelnden Personen, angeteaserten Bösewichte – eben der Drache – überhaupt erst nach mehr als vier Stunden auf. Das ist fast wie das Warten auf Godot.

The Hobbit: The battle of the five armies (2014)

Ich zähle immer noch, komme aber nur auf vier Heere. Denn dreizehn Zwerge kann man wohl kaum als Heer bezeichnen. Davon ab: Das Finale ist gelungen. Schöner Azog vs. Thorin Fight. Überhaupt, Richard Armitage als Thorin kann durchaus gefallen. Die Schlacht in der Lang-(nicht Kino-)fassung macht Spaß, insbesondere aufgrund der zum Schmunzeln animierenden Einlagen. Luke Evans‚ Bard darf sich nun endlich auch mal freispielen und tut dies mit Bravour. Schön sind ebenso die Reminiszenzen an LotR und die Verknüpfung damit. Gegenüber der verschnittenen Kinoversion ist das hier ein Abschluss der Reihe, der diesem Titel auch gerecht wird.

Transcendence (2014)

Er lässt Blinde wieder sehen, Lahme wieder laufen und Tote wieder auferstehen. Gottgleich. Das kann nur der gute Johnny Depp. Filme über Künstliche Intelligenz gibt es seit einigen Jahren mehrere. Meist wird dabei auf die Gefahren angespielt. Hier auch. Aber eigentlich will Will doch nur den Planeten heilen und das heißt den Faktor Mensch am besten ausmerzen und durch eine KI (also ihn) ersetzen. Dumm nur, das der Mensch da nicht mitmacht. Am Ende selbst die eine Auserwählte nicht, für die er dies alles tut. Für seine große Liebe. Die schnelle Entwicklung vom ‚Kann mich jemand hören?‘ zum ‚Meine Nanobots schaffen alles!‘ ist stellenweise doch ein wenig an den Haaren herbei gezogen. Und einige der Aktionen sind doch ziemlich abstrus und unlogisch. Aber immerhin spielt Paul Bettany mit. Und den mag ich immer gern sehen.

Into the Woods (2014)

Once upon a time als Film und mit Gesang. Die Idee der Schnitzeljagd des Bäckers und seiner Frau nach vier Gegenständen mit wohlbekannte Märchen zu verknüpfen, ist gut. So entsteht Drive. Doch dann bricht Regisseur Marshall mit der Märchenkonvention des Happy Ends und gestaltet im zweiten Teil des Films nicht nur den Wald dunkel und düster, sondern vor allem auch die Geschehnisse. Das kann man machen. Kann man aber auch lassen. Oder zumindest kompakter erzählen, denn mit knapp zwei Stunden ist mir der Film doch zu lang geraten.

Und auf der großen Flimmerleinwand habe ich in den ersten zwei Wochen des neuen Jahres immerhin schon zwei Werke sehen dürfen:

The Revenant (2016)

Roh, wild, ungezähmt, rauh, brutal, blutig, schroff, kalt, undurchdringlich. Nicht nur der Kampf mit dem Bär verdient diese Attribute, auch der Film selbst kommt so daher. Grandios gefilmt: der Indianerüberfall, der Grizzlyfight und die nicht minder beeindruckende Landschaft. Lubezki setzt alles ins rechte Licht. Die Landschaft ebenso wie die Menschen. DiCaprio spielt um sein Leben – jede Strapaze, jeder Schmerz, jeder knackende Knochen ist fühlbar. Oscarreif (wenn auch nicht so gut wie in The Wolf of Wall Street) agierend. Ihm zur Seite gestellt: Tom Hardy als fieser, gefühlloser, kaltherziger Schurke. Ebenbürtig! Und doch hat der Film seine Längen, zieht sich im Mittelteil und schreit förmlich nach dem alles und alle erlösenden Finale. Trotzdem: Unbedingt anschauen! Auf großer Leinwand!

Joy (2016)

Der ‚American Dream‘ aus weiblicher Sicht. Und es geht klischeehaft um ein Haushaltsgerät. David O’Russell erzählt klassisch konservativ, mit VoiceOver Stimme und eingebauten Rück- und sogar Vorblenden. Die Thematik an sich ist nicht wirklich neu. Die Erfolgsgeschichte und all die Hürden und Stolpersteine auf dem Weg dorthin sind von Anfang an zu erahnen. Stimmig ist aber die Musik (die hat der Regisseur ja bereits bei Silver Linings gekonnt eingesetzt). Großartig auch (mal wieder) Jennifer Lawrence (die dramatischen Rollen liegen ihr einfach). Überhaupt die Frauenriege im Film kann durchweg überzeugen – passend zum Thema. Spaß macht zusätzlich Robert de Niro als Vater von Joy, wenngleich er diesen Typus mittlerweile perfektioniert hat. Der Film ist ganz unterhaltsam, aber auch nicht mehr.

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8 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Januar Teil 1

  1. Schlopsi schreibt:

    Das ist ja ein wilder Mix! Deinen Worten nach zu urteilen werde ich um „Jane Eyre“ also doch nicht herumkommen. Madame Wasikowska weiß mittlerweile ja genau, wie sie es anstellen muss. Hmm.
    Und schon wieder einer, der „The Revenant“ verfallen ist. Was ihr alle nur in dem Film seht, ich verstehe es nicht. Klar, fantastisch gefilmt, aber selbst das geht einem nach der 20. Mondeinstellung doch gehörig auf die Nüsse? Hmm…

    • Stepnwolf schreibt:

      Der Mix ist bei mir immer so wild. 😉 Hab bei Jane Eyre auch erst gedacht, das wäre nichts für mich, aber Ms. Wasikowska ist dann doch ein Argument, da mal rein zuschauen. Und es hat sich ja gelohnt.
      Ich als Wolf mag die Mondeinstellungen. 😉 Ich verstehe, was du meinst. Aber ich konnte mich an den Landschaften echt nicht satt sehen. Unberührte, wilde Natur macht Spaß, solange man nicht selbst dort halbtot rumkriechen muss. 🙂

    • Gorana schreibt:

      Ich wollte eben was ähnliches zu The Revenant schreiben. Ich habe schon langsam an meinem Urteilsvermögen gezweifelt … ähnlich wie damals mit Avatar (Déjà-vu). Danke liebe Schlopsi. Wenigstens eine die das alles für überschätzt hält. 😉 Es gibt unfassbar geile Naturdokus, die sind noch überwältigender, wenn man Naturaufnahmen mag. Ein Film braucht meiner Meinung nach doch ein bisschem mehr Geschichte.

      Ansonsten echt geiler Mix. 🙂

      • Stepnwolf schreibt:

        Das ist ein Film über Rache. Der braucht nicht mehr Geschichte. Der muss halt nur aufgrund der fehlenden oder dünnen Handlung mit anderem glänzen. Und damit sind wir wieder bei der bildlichen Umsetzung (und ein wenig bei DiCaprios und Hardys Schauspielerei)…

  2. bullion schreibt:

    Hast du auch den Extended Cut von „Desolation of Smaug“ gesehen? Dort hat Beorn ja glücklicherweise ein paar Szenen mehr, was ich absolut toll fand. Schön auch, dass du das Finale zu schätzen wusstest, das ja von vielen verschmäht wird. Ich mag die Trilogie trotz ihrer offensichtlichen Schwächen inzwischen sehr gerne.

    • Stepnwolf schreibt:

      Ja, hab ich. Beorn kommt mir trotzdem zu kurz. Aber immerhin ist er zu sehen, nicht so wie Bombadil bei LotR, der gleich gar nicht auftaucht. Das Finale ist in der Extended Cut Version auch sehr viel besser geschnitten (oder eben nicht). Ich kannte bis dahin nur die Kinofassung. Und die hatte ein paar sehr seltsame Schnitte beim großen Heeresfinale…

  3. Schlombie schreibt:

    Habe mich bisher nie an den letzten Resident Evil herangetraut, eben weil der so kurz nach dem üblen Afterlife erschien. Aber Deine Worte machen ja doch Mut ohne zu viele Erwartungen doch mal reinzuschnuppern. Klingt ja überraschend nett! 🙂

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