Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Februar Teil 2

His Girl Friday (1940)

Die ersten zehn Minuten und der Film hatte mich. Cary Grant (charmant-hinterlistig) und Rosalind Russell (bestimmt wort- und tatenreich die Szenerie) liefern sich einen gar köstlichen verbalen Schlagabtausch. Diabolisch guter Dialogwitz. Screwball at its best. Howard Hawks weiß, wie es geht. Wunderbar eingewoben: die Klatschreporter-Kritik und die damalige journalistische Macht der Worte. Hinzu kommt dieses unglaublich temporeich geschriebene Drehbuch. Die neunzig Minuten vergehen wie im Flug und machen verdammt viel Spaß. Unbedingt anschauen!

Die Legende von Aang (2010)

Eine derart komplexe, vollständig andere Welt in neunzig Minuten Film zu packen ist eine Mammutaufgabe. Da bleibt zwangsläufig sehr viel erklärendes und story-erhellendes Hintergrundwissen außen vor. Somit wird man als völlig Unwissender, der die Vorlage nicht kennt, ohne Vorwarnung in die Geschichte hineingeworfen. Eine Geschichte, die Potential für sehr viel mehr hat (und tatsächlich war es ja als eine Filmtrilogie angedacht). Die aufgrund der enormen Zeitsprünge allerdings ein wenig zerhackstückelt daherkommt. Das ist schade, denn im Großen und Ganzen ist M. Night Shyamalans Werk, sofern man Fantasy und fernöstlicher Kampfkunst ein wenig abgewinnen kann, ziemlich unterhaltsam.

I am Number Four (2011)

Klammert man die übernatürliche Alienkomponente aus, bleibt vom Film eine eher typische Highschool Romanze übrig. Und zwar mit allen Ingredienzen: Tumber Footballstar, nerdiger Außenseiter, blonde Schulschönheit und der geheimnisvolle Neue. Aber da ist ja noch die Aliensache und die bösen Alienwidersacher, die dem Protagonisten nach dem Leben trachten. Deshalb gibt es statt einfacher Highschool-Hausmannskost doch noch ein knackig inszeniertes, überaus actionreiches Finale. Aber irgendwie will sich dieser ganze erzählerische Mischmasch nicht zu einem gelungenen Ganzen fügen. Regisseur D.J. Caruso (und man möge diesen Wortwitz verzeihen) trifft einfach nicht den richtigen, harmonischen Ton und versucht viel lieber auf jeder Abschlussparty zu tanzen.

John Wick (2014)

Rigoros, schnörkellos, geradlinig, ohne Kompromisse. Das ist wie ein Jason Statham-Film, nur mit Neo alias Keanu Reeves. Oder war es umgekehrt? Natürlich sehen wir hier eine stupide Story. Rache als einziger Antrieb. Aber die Actionszenen sind schön choreografiert. Die Musik passt wie die Faust auf so ziemlich jedes Auge, das John Wicks Weg kreuzt. Meine Wenigkeit wurde kurzweilig und gut unterhalten. Reeves war lange nicht mehr so präsent wie in diesem Feuerwerk der blutigen Laune.

Sicario (2015)

Habe ich an anderer Stelle ausführlicher besprochen. Bitte folgen…

The Wedding Ringer (2015)

Eine ziemlich unlustige Komödie, in denen die guten Momente extrem rar gesät sind, die aber dafür umso mehr klischeehaft schlechte Standardgags produziert, die leider so vorhersehbar sind, wie die ganze Handlung insgesamt. Quasselstrippe Kevin Hart bestimmt den Film. Sidekick Josh Gad als Ruhepol kann das wilde Durcheinander aus slapstickigen Szenen und typischem Fäkalhumor nicht retten. Und Kaley ‚Penny‘ Cuoco kommt über die hübsch anzusehende Rolle der Braut nicht hinaus. Da gelingt ihr in jeder x-beliebigen Folge Big Bang Theory mehr schauspielerische Glanzleistung als in diesem misslungenen Werk.

Und auf der großen Flimmerleinwand gab es diese zwei Werke zu sehen:

Deadpool (2016)

Was lernen wir daraus? 1. Die vierte Wand ist nur ein Mythos. 2. Indische Taxifahrer sind die coolsten. 3. Rot steht ihm besser als Grün. 4. Sagt ein Superheld zum anderen: Gebt mir Panzerband. Wir stopfen ihm das Maul. 5. Sagt Deadpool zu allen: Panzerband hilft nicht. Ich lass mich das Quatschen nicht verbieten. 6. Ajax ist doch eigentlich ein Allzweckreiniger, oder? (Obwohl, ergibt dann doch auch irgendwie Sinn.) 7. Nach Pina Colada spielt nun auch ein weiterer Cocktail eine Nebenrolle bei Marvel. 8. Die Jugend – selbst die X-Men affine – ist nur noch am twittern. 9. Liebesfilme können echt Spaß machen. 10. Und Anti-Superhelden-Filme noch viel mehr. 11. Ab ins Kino und schaut euch diesen Film an! 12. Wozu mehr als zwölf Patronen? Paaah, geht auch so…

Hail, Cesar! (2016)

Man könnte es noch kürzer als kurz machen und einfach sagen: Hail, Coens! Mit diesem Film ist den beiden nicht nur ein Rundumschlag auf die Maschinerie Hollywood und deren Protagonisten hinter und vor der Kamera gelungen, sondern gleichzeitig eines ihrer besten Werke seit langem. Vor allem aufgrund der locker-flockigen Erzählweise im Gewand eines klassischen Film Noir, der Seitenhiebe auf Religion und Politik, sowie dem Sensationsjournalismus in der Stadt der Engel. Aber auch die exzellente und bis in die kleinste Nebenrolle prominent besetzte Schauspielerriege trägt zum Gelingen des Filmprojektes bei. Hail, Cesar! bietet hundert Minuten beste Unterhaltung. Und das ist es doch, was Hollywood will – den Zuschauer unterhalten.

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12 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Februar Teil 2

  1. bullion schreibt:

    Eine treffende „John Wick“-Beschreibung… 🙂

  2. Nummer Neun schreibt:

    Hail Caesar fand ich enttäuschend – von den hundert Minuten waren 80 zum einschlafen.

    • Stepnwolf schreibt:

      So verschieden kann man einen Film sehen. 🙂 Ich fand diesen Film Noir Style inklusive Erzählerstimme einfach nur großartig. Und dann diese unglaublich lustige Tilda Swinton in einer zum Dauergrinsen animierenden Doppelrolle. Ich hab abgefeiert. 😀 Wie übrigens der Rest im Kinosaal auch…

  3. Aktion Morgenluft schreibt:

    Erkläre er/sie mir bitte das Phänomen John Wick… Ich verstehe es einfach nicht… Ich verstehe Action mit Racheplot oder wenig Plot, wie Mad Max, aber hier kann ich es nicht nachvollziehen. Es wirkte auf mich sooo stumpf, wie schon lange keine Film mehr. Habe ich einen schlechten Tag gehabt?

    • Stepnwolf schreibt:

      Erstmal: Er. Der Wolf. 😉
      Dann: Ich glaub, das ist so ein Männerding. Natürlich ist der Film stumpf und hat wenig bis gar keine Handlung. Aber der sprüht nur so vor Testosteron. Jede Pore schwitzt Männerschweiß aus. (und ich denke mal, das die positiven Bewertungen des Films vorrangig von der männlichen Bloggerseite kommt). Um dein Beispiel als Referenz zu nehmen: Auch Mad Max ist im Kern einfach und simpel. Aber es ist halt kein reiner Männerfilm (schon aufgrund der eigentlichen Protagonistin Furiosa). Die Identifikationsfigur ist universeller. Und optisch ist Mad Max definitiv sehr viel gelungener als John Wick.

  4. Ich liebe die Howard Hawks Filme und seine Screwballkomödien sind die Besten.
    „Die Legende von Aang “ habe ich gute 5 Mal versucht durchzusehen, aber ich finde den Film schlecht und… es ist einfach nicht mein Ding.
    „I am Number Four“ war langweilig, aber gut ich gehöre auch nicht zur Zielgruppe :))
    „John Wick“ hach, ich liebe den Film.
    „Sicario“ sehe ich ähnlich – er hat seine Schwächen und ich konnte die Euphorie, im Besonderen über die Leistung Blunts nur begrenzt teilen. Kamera ist aber top.
    „The Wedding Ringer“ heißt der Typ nicht Kevin Hart? Ich mag ihn nicht. Musste bereits zwei Filme mit ihm in der Sneak ertragen.
    „Deadpool“ ist zur Zeit mein Favorit. Hat mich sofort begeistert.
    „Hail, Cesar! “ muss ich noch nachholen. Durch die Berlinale bin ich etwas im Verzug, freue mich aber drauf.

    • Stepnwolf schreibt:

      Ich habe um Howard Hawks bisher fast komplett einen Bogen gemacht, werde jetzt aber wohl doch mal den einen oder anderen Film konsumieren.

      Noch jemand, der ‚John Wick‘ mag, Sehr schön… 🙂

      Ich fand an Miss Blunt vor allem interessant, sie mal ausserhalb eines schmonzettigen Filmes zu beobachten, bei der sie tatsächlich mal zeigen kann, was sie drauf hat.

      Und ja, der heißt wirklich Kevin. Habt mal geändert. Danke für den Hinweis.

      Bin gespannt, wie du ‚Hail, Cesar‘ findest…

  5. Aurea schreibt:

    Da bin ich ja froh dass ich nicht allein bin mit meiner Liebe für „Hail, Caesar!“, „Deadpool“ und „John Wick“. Grad letzterer hat stellenweise so eine wunderschön intime Art gehabt, da kam ich richtig ins (positive) Schaudern. Könnt ich eigentlich mal wieder anschauen…

    • Stepnwolf schreibt:

      Och, gibt doch sicher noch ein paar mehr, die alle drei Filme mögen. Obwohl ich gerade auch bei Hail, Cesar! die unterschiedlichsten Meinungen gehört habe. John Wick ist halt so ein schöner Actioner, ohne viel darüber nachdenken zu müssen. Manchmal braucht man sowas… 🙂

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