Kurz und knackig: Die Flimmerkiste März Teil 1

Sunset Boulevard (1950)

Gloria Swanson spielt sich selbst (nur mit mehr Übertreibung): Einen ehemaligen Filmstar der Stummfilmära, die längst in Vergessenheit geraten ist und dennoch zwanghaft am Ruhm vergangener Tage festhalten will. Und sie spielt das überragend! Diese pikierte Arroganz und Überheblichkeit ist genauso überzeugend wie die betrübte Melancholie. Der Pomp und Prunk des Hauses steht im Gegensatz zur unwirtlichen äußeren Umgebung ihrer Wohnstätte. Billy Wilders Drama zeigt ungeniert die Schattenseiten des hollywoodianischen Zirkus. Die Vergänglichkeit von Leinwandstars. Das Trauma der Bedeutungslosigkeit. Die Schnellebigkeit und Hartherzigkeit der Produktionsmaschine Hollywood. Es gibt aber auch die kleinen wohligen Momente der Verneigung: Butler Max (Erich von Stroheim spielt den nach außen harten und innen ganz weichen Part), der Norma Desmond ungeteilte Aufmerksamkeit zuteil werden lässt oder Cecil B. DeMille, der sie ein letztes Mal im Scheinwerferlicht zeigt. Hollywood-Kritik geht auch völlig ernst – ohne Hail, Cesar! zu schreien.

Knight and Day (2010)

Tom Cruise in einer durchaus amüsanten Rolle. Das ich das noch mal erleben darf. James Mangold zaubert einen schnellen, mit einigen Wendungen gespickten, actionlastigen Film, der vor allem aufgrund des Duo Infernale Cruise und Cameron Diaz so gut harmoniert. Natürlich darf ersterer wieder den bravourös kämpfenden Helden mimen und letztere fungiert ein wenig wie die ‚damsel in distress‘, aber das funktioniert komischerweise. Einziges Manko ist die halbwegs vorhersehbare Handlung, deren Wendungen zu einfach erkennbar sind. Das ein Gesicht wie Peter Sarsgaard im Endeffekt dann doch der Böse ist, hat man natürlich von vornherein kommen sehen. Macht aber nix. Kann man schauen, auch wenn man Mr. Cruise sonst nichts abgewinnen kann (so wie ich).

Songs of love and hate (2010)

Lilli spielt auf der Klaviatur der Gefühle. Hin- und hergerissen zwischen noch Kind sein und doch schon erwachsen fühlen, versucht sie sich die Zuneigung von ihrem Vater zurück zu holen. Doch der kommt mit dieser kokett und gleichzeitig unschuldigen Art nicht klar. Lilli greift zu Mitteln, die über das eigentliche Ziel hinausschießen und zerstört dabei nicht nur ihre eigene geschaffene Teenagerwelt, sondern auch das Leben der im Umfeld befindlichen Personen. Bravouröses Schauspiel von Sara Horvath, einige wunderbar fotografierte Szenen, eine melancholisch-düster angehauchte Musik, ein bedrohlich langsames Erzähltempo. Nur das Drehbuch kommt ein wenig zu konservativ uninspiriert daher, was der Handlungsebene nicht immer gut tut.

RED 2 (2013)

Wenn die alten Haudegen noch einmal allen zeigen, wo der Hammer hängt. Was die Expendables können, kann Bruce Willis ebenso gut. Natürlich ist RED 2 masslos übertrieben und strotzt nur so vor Kopfschüttel-Momenten. Aber der Film macht ungemein Spaß, weil die Figuren so wunderbar harmonieren. Willis als der unbesiegbare Alleskönner, Sidekick John Malkovich als spleeniger Pyromane, Helen Mirren als treffsichere Helferin. Und mittendrin Mary-Louise Parker, die alle mit ihrer hibbeligen Art ansteckt. Man kommt nicht umhin, ständig mit einem Grinsen im Gesicht der ja doch eher platten Story zu folgen. Die ist aber auch völlig irrelevant. Das Zusammenspiel der sichtlich selbst Spaß habenden Schauspielerriege ist ausreichend für den vollkommenen Filmgenuss.

Exodus: Götter und Könige (2014)

Die Geschichte Moses als Actionblockbuster. Ridley Scott macht aus der mythisch-religiösen Figur einen Heerführer und verlagert damit dessen rhetorische Überzeugungskraft auf eine eher physische Ebene. Dementsprechend actionreich kommt dieses Werk auch daher. Das geht allerdings insbesondere zu Lasten der ‚korrekten‘ filmischen Umsetzung der ‚literarischen‘ Vorlage. Im Vordergrund steht mehr die gewaltsame Befreiung eines Volkes aus der Sklaverei und nicht die eigentliche Intention: der katalysierende Beginn einer religiösen Vereinigung. Blendet man diesen Umstand aus, kann der Film zumindest auf der Actionschiene punkten. Ein monumentales Epos ala The Ten Commandments sehen wir hier allerdings zu keiner Sekunde.

The Salvation (2014)

Gleich vorweg: Man sollte ein gewisses Faible für klassische Rachewestern haben. Denn Kristian Levring (der – ohne ihn zu kennen – sicher Fan der alten genreprägenden Western ist) bietet genau das. Einen einsamen Helden auf Rachefeldzug gegen eine mordende Pistolengang, die zum einen eine kleine Stadt und deren Bewohner tyrannisieren und zum anderen gleichzeitig mit einer großen Gesellschaft, die aufgrund des schwarzen Goldes vor Ort das große Geschäft wittert, kooperieren. Staubige, beige-braune Bilder, Panoramaeinstellungen, mundfauler mimisch erstarrter Mads Mikkelsen, ängstliche Kleinstadtbevölkerung mit hilflosem Sheriff, abgrundtief fieser Schurkenoberboss, Mariachi-Gitarren Hintergrundbeschallung. Alles da, was man braucht. Für mich ein gelungener Neo-Western. Aber ich habe ja auch ein Faible dafür.

Lügen und andere Wahrheiten (2014)

Vanessa Jopp hat ein Auge für durchkomponierte Bilder und arbeitet sehr gern mit passiven Lichtquellen. Das produziert zum einen weiche warme, aber zum anderen auch kalte sterile, ein wenig dreckig aussehende Szenen – jeweils passend zur Stimmung. Visuell durchaus gelungen. Die Figurenzeichnung steht dem in Nichts nach. Jeder Charakter wirkt echt und ehrlich. Die nach außen glücklichen Fassaden bröckeln langsam und offenbaren gebrochene Herzen mit Sünden der Vergangenheit und der Gegenwart. Das Schauspielensemble überzeugt durch die Bank weg. Insbesondere Alina „Die Kriegerin“ Levshin zeigt mal wieder eine beeindruckende Leistung. Der deutsche Film, wie er sein sollte. Ungelogen: Sehr sehenswert!

Fast & Furious 7 (2015)

Punktlandung! Nicht nur mit den Autos, auch mit dem Film. Die Nostalgie der ersten Teile schwingt in jeder Szene mit, trotz der übertriebenen Stunts und der hanebüchenen Story. (Aber war das jemals anders in dieser Filmreihe?) Wer nie etwas mit hochgetunten Musclecars, aufgestylten, nur dezent gekleideten Frauen und testosteron-schleudernden Männern in Kombination anfangen konnte, wird auch am siebten Teil keinen Gefallen finden. Für alle anderen gibt es einen coolen Vin Diesel, eine immer sehenswerte Michelle Rodriguez, einen bösen Jason Statham und Paul Walker in seiner letzten Rolle. Da verzeiht man auch das schmalzige ‚in memoriam‘ Ende.

Tatort: Auf einen Schlag (2016)

Neue Stadt. Neues Duo. Alte Klischees: Alleinerziehende Kommissarin und ihre in einer nicht wirklich stimmigen Beziehung lebende Partnerin. Doppelte weibliche Schlagkraft. Immerhin: das ist eine richtiggehende Neuerung! Allerdings stottert der Motor des Duos noch gewaltig. Die Dialoge sind ein wenig hölzern geraten. Emotional wird es nur beim Tod der Polizei-Novizin Maria Magdalena Mohr (Jella Haase hat leider nur diesen einen Auftritt, dabei ist ihre Figur doch richtig gut gezeichnet). Da zeigt das neue Ermittlerduo endlich etwas mehr Nähe und wirkt lebensecht. Hier ist noch viel Potential nach oben. Man kann nur hoffen, das dieses Potential zukünftig auch abgerufen wird.

 

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14 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste März Teil 1

  1. Nummer Neun schreibt:

    Ich mag ja Tom Cruise Filme – der hat mich bisher selten enttäuscht. Und Knight And Day bildet da keine Ausnahme 🙂 The Salvation habe ich auch neulich erst gesehen. Diese Filme leben ja immer von der Atmosphäre, und die hat der Film sehr schön transportiert.

  2. bullion schreibt:

    Davon kenne ich tatsächlich nur einen Film: „Knight and Day“ und den fand ich echt schwach bis richtig schlecht. Dabei mag ich Cruise normalerweise (als Schauspieler). Seltsam… 😉

    • Stepnwolf schreibt:

      Haha. Du magst ihn, aber diesen Film nicht. Und ich mag ihn nicht, aber dafür diesen Film. Paradox! 🙂 (Vielleicht mochte ich aber auch mehr die Cameron. Wer weiß. ;))

  3. Cathrin Rubin schreibt:

    „Lügen und andere Wahrheiten“ hat mich tatsächlicha uch überrascht, weil ich oft gelesen hatte, dass er phasenweise langweilig ist. Fand ich aber gar nicht, weil man sich einfach mal Zeit genommen hat die Charaktere zu entwickeln. Und Alina Levshin ist immer großartig!

    • Stepnwolf schreibt:

      Bisher zumindest habe ich noch keinen schlechten Auftritt von Frau Levshin gesehen. Daher würde ich spontan mal zustimmen. 🙂
      Ja, die Figurenentwicklung war wirklich das spannende. Immerhin stand Frau Jopp vor der Aufgabe gleich mehrere relevante Personen tiefer zu charakterisieren. Das kann in einem 90 min Film schnell mal nach hinten los gehen. Hier allerdings nicht.

  4. friedlvongrimm schreibt:

    Ich liebe liebe liebe „Sunset Boulevard“! Wenn du den Film unterbrechen würdest, egal an welcher Stelle, hättest du ein perfektes Gemälde vor dir. Wunderschön!

    Und „RED 2“ muss ich nachholen, weil doch Thewlis da rumwuselt, wenn ich mich nicht irre.

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