Blogparade: Die zehn besten Remakes

Remake. Allein das Wort an sich ruft Assoziationen mit Dingen wie schlecht, einfallslos oder auch verantwortungslos hervor. Remakes können doch nur schlecht sein, da sie eine einfallslose Kopie des klassischen Originals sind und verantwortungslos mit dessen cineastischem Erbe umgehen. So oder so ähnlich lauten dann gängige Kommentare zum Thema. Natürlich trifft dies in vielen Fällen auch zu, weil es zumeist einfach nicht möglich ist einen Film, der eh schon besonders gelungen erscheint (Aus welchem anderen Grund würde man sonst ein Remake anvisieren?), noch zu verbessern. Dennoch gibt es (ähnlich den Coverversionen in der Musik) durchaus auch das eine oder andere Werk, das dem Original ebenbürtig, wenn nicht sogar überflügelnd daherkommt. Zehn solcher Werke möchten – von dieser Seite ausgehend – hier nunmehr erwähnt werden. Remakes, die besser oder doch zumindest gleich dem originalen Stoff sind.

The Magnificent Seven (1960)

Für mich funktioniert der Film aus einem Grund sehr viel besser als das Original: das Western-Setting! Ich bin nie so wirklich warm geworden mit Kurosawas Samurai-Version, die zweifellos gelungen ist, aber eben keine wilden Schießereien bietet. Die glorreichen Sieben bedient sich narrativ schamlos am Original, zeichnet aber Charaktere, die um einiges tief gehender daherkommen als in Die sieben Samurai. Denn in John Sturges Remake sind so viele coole Kerle auf einem Haufen versammelt, das das in heißen mexikanischen Gefilden befindliche Dorf schnell mal einer kleinen Eiszeit anheim fällt. Da liegt einfach eine Unmenge Testosteron und Schweiß in der staubigen Luft, das einem ganz schwindlig wird.

Für eine Handvoll Dollar (1964)

Wenn ich schon dabei bin Kurosawa – Filme zu zerstören, dann mache ich doch gleich mit Sergio Leones Auftakt zur Dollar-Trilogie weiter. Ja, ich kenne Yojimbo. Und ja auch hier ist die Handlung streng am Original entlang hangelnd. Aber eben: Western! Coole Typen! Obwohl letzteres bezieht sich eher auf nur einen Typen. Und nicht zu vergessen die musikalische Untermalung durch Ennio Morricone (wenngleich hier noch unter Pseudonym arbeitend).

His Girl Friday (1940)

Von The Front Page, wie er in der ersten Verfilmung und auch als Theaterstück genannt wird, gibt es ja mehrere Remakes. Dieses hier, vom Screwball-Meister Howard Hawks inszeniert, besticht insbesondere durch die wunderbare Chemie zwischen den beiden Hauptakteuren Cary Grant und Rosalind Russell, deren Dialoge einfach immer charmant hinterhältig vollkommen ins Schwarze treffen. His Girl Friday ist rasant und in keiner Sekunde langweilig. Die 1931er Version von Regisseur Lewis Milestone ist zwar ebenso gewitzt (was aber generell an der eigentlichen Bühnenvorlage liegt), hat aber wie die Billy Wilder Version von 1974 einen entscheidenen Nachteil: Burns und Hildy werden jeweils von Männern gespielt. Die Kombination aus männlichem Burns (wie gehabt) und weiblicher Hildy (bei dem Spitznamen bietet sich das ja förmlich an) macht dem gegenüber sehr viel mehr Spaß.

Die Feuerzangenbowle (1944)

Wie? Das ist ein Remake? Ja, ist es. Heinrich Spoerls Roman wurde bereits zehn Jahre zuvor verfilmt. Allerdings mit einer etwas anderen Handlungsstruktur, aber ebenfalls mit Heinz Rühmann in der Rolle des Hans Pfeiffer. Spoerl war wohl mit dieser ersten Umsetzung nicht sehr zufrieden und agierte daher hier als Drehbuchautor. Abgesehen von Rühmann, der schon in der ersten Verfilmung überzeugend den Oberprimaner Pfeiffer mimte, ist der komplette Cast ausgetauscht. Die Feuerzangenbowle ist amüsanter, mit den gewitzteren Dialogen ausgestattet und definitiv alkoholisierter. 😉

A Star is Born (1954)

Schwierig. Sehr schwierig. Das Original mit Janet Gaynor und Fredric March in den Hauptrollen ist selbst bereits eine schonungslose Satire auf die Maschinerie Hollywood. Cukors Remake fährt aber alles auf, was es braucht um eine solch gekonnte Vorlage noch zu toppen. Und alles ist in dem Fall insbesondere Judy Garland als Esther Blodgett (alias Vicky Lester), die im Gegensatz zum William A. Wellman Werk von 1937 natürlich eine Sängerin ist, die mit Hilfe ihres sinkenden Sterns am Hollywood-Himmel Norman Maine (gekonnt interpretiert von James Mason) zum neuen Filmstar aufsteigt. Garland ist bezaubernd und rigoros zugleich und schafft es dadurch Gaynors Figur zumindest für die Dauer des Films (und der dauert!) vergessen zu lassen.

The Thing (1982)

John Carpenters Horrorklassiker ist gruselig, verstörend, beklemmend und – nicht nur dem Setting geschuldet – auch kalt und frostig. Die visuelle Umsetzung tut ein Übriges, sich in dieser Eislandschaft unwohl und verängstigt vorzukommen. Aber was dieses Remake (zumindest für mich) interessanter macht, ist der ungleich höhere Splatterfaktor. Hier zeigt sich dann doch die technische Weiterentwicklung in drei Jahrzehnten, die einem Werk wie The Thing noch einmal ganz andere Aspekte abgewinnen kann.

King Kong (2005)

Apropos technische Weiterentwicklung: Zwischen Original und Remake liegen in diesem Fall knapp siebzig Jahre. In der Filmwelt sind das unüberbrückbare Entfernungen. Natürlich erzählt King Kong und die weiße Frau eine wunderbar herausgearbeitete Geschichte und war 1933 tricktechnisch an vorderster Front. Aber der Zahn der Zeit nagt und wenn ein Regisseur wie Peter Jackson sich dem Riesen-Gorilla erneut annimmt, ist man ohne Zweifel wieder drin in dieser Geschichte. Ich mag die Bildsprache. Ich mag Jack Black in seiner Rolle. Ich mag Naomi Watts als die weiße Frau (die mehr als nur Schreien darf) und ich mag den neuen Kong. Wunderbar gelungen. Manchmal ist Fortschritt ein Gewinn.

The Ring (2002)

Noch einmal Naomi Watts, die im amerikanischen Remake zum japanischen Ringu die Hauptrolle übernimmt. Ich muss gestehen, das ich mich mit dem Original nicht anfreunden konnte. Anscheinend tendiere ich zumindest bei Remakes dazu die japanischen Originale immer schlechter zu bewerten (siehe oben). Vielleicht liegt mir die eher ruhig-subtile, versteckte Horrorvariante nicht so. Ich mag bei Horror eher die effektive, Schockmomente erzeugende Art der Darstellung. Und die wird mir bei The Ring durchaus geboten.

Let me in (2010)

Hier war die Entscheidung besonders schwer. Mir gefällt das Original sehr. Die Bildästhetik ist großartig gelungen und Låt den rätte komma in ist typisch skandinavisch unterkühlt – im Schauspiel ebenso wie auf bildkompositorischer Ebene. Den Unterschied macht hier jedoch das gruseligere Setting, das Spielen mit der düsteren Aura von Abby (beeindruckend creepy interpretiert von Chloë Grace Moretz) und vor allem auch die Präsenz von Kodi Smit-McPhee als Owen (der natürlicher rüberkommt als sein skandinavisches Pendant). Sehenswert sind aber dennoch beide Filme.

Shameless US (seit 2011)

Die einzige Serie in dieser Auflistung und das einzige Remake, wo ich die Originalversion nicht kenne. Aber irgendwie auch nie kennenlernen will! Einfach weil die Schauspieler in diesem amerikanischen Remake gar nicht schlechter sein können als im britischen Pendant. Optimal besetzt zeichnen sie eine Version einer (dys)funktionalen Familie im untersten sozialen Milieu, die im täglichen Kampf ums Überleben und dem Krampf des Lebens steht. Seltsam verschrobene Storylines, hochdramatische Szenen, aber eben auch wunderbare lebensbejahende Momente voller Euphorie und Positivismus. Diese Dramaserie ist ohne Abstriche ein Highlight und ein famoses Remake.

Remakes. Manchmal, aber nur manchmal sind sie durchaus besser als ihre Vorlagen…

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Eine Antwort zu Blogparade: Die zehn besten Remakes

  1. bullion schreibt:

    Auch hier eine schöne Liste. „Shameless“ hätte ich tatsächlich auch genannt, wenn ich an Serien gedacht hätte. Ansonsten ein paar alte Bekannte und Ideen, die ich nicht eingebracht habe. Ja, wunderbar. 🙂

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