Kurz und knackig: Die Flimmerkiste April Teil 2

After.Life (2009)

Christina Ricci als Tote. Oder vielleicht doch nicht? Erzählt der Film von einer paranormalen, übernatürlichen Begabung oder doch nur von einem schizophrenen, durchgeknallten Killer (verkörpert und unheimlich in Szene gesetzt von Liam Neeson)? After.Life spielt bis zum Ende mit dem Horror nicht zu wissen, was wahr ist und was nicht. Und genau daraus zieht das Werk seine Spannung. Schöner klassischer, ein wenig abseitig veranlagter Psychothriller mit einem spielfreudigen Duo.

Oktober November (2013)

Der Film erzählt vom Leben und Sterben und dem ganzen Dazwischen. Nora von Waldstätten auf einer Reise zurück in die Vergangenheit. Die Rückkehr in den familiären Hafen birgt ungeahnte Enthüllungen, aber auch eine erneuerte Lebensenergie. Beeindruckend bedrückendes Schauspiel so ziemlich aller Beteiligten. Allen voran die Protagonistin zeichnet ein zuerst kühles, unnahbares Bild, das nach und nach zerfällt und in eine emotionale Achterbahnfahrt mündet. Jedoch birgt Oktober November ein paar klischeehafte Drehbuchideen, die den ruhigen, melancholischen Grundtenor ein wenig verstören und dem Sehvergnügen nicht zuträglich sind.

Macbeth (2014)

Klassische Umsetzung der Geschichte inklusive Originaldialogen. Das ist aufgrund der sehr modern gefilmten Bilder zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, aber lange nicht so weit vom historischen Kontext entfernt, wie bei der Romeo + Juliet Version von Baz Luhrmann. Regisseur Justin Kurzel gelingen einige fein anzuschauende Bilder, wobei der erste Teil düster und schaurig dunkel fotografiert ist. Der zweite Part fokussiert mehr auf die immer dunkleren Charaktere. Gerade auf der Ebene der Schauspieler funktioniert der Film für mich jedoch nur bedingt. Sowohl Macbeth (alias Michael Fassbender) als auch seine Lady (alias Marion Cotillard) agieren zu statisch, zu emotionslos. Dann doch lieber das Original lesen und nur die hier erzeugten Bilder dazu verinnerlichen.

The Fault in our Stars (2014)

Hach, wenn die Amerikaner doch nicht immer ernste Themen mit einer zu großen Prise Liebe und überschwänglichem Gefühl garnieren müssten (und zusätzlich mit schmalziger Streichermusik unterlegen würden). Dann hätte dieser Film aus der thematischen Grundkonstante eine schöne (wenn auch traurige) Geschichte über das Sterben erzählen können. Die Waage schlägt allerdings allzuoft in die kitschige Verbandelungsschiene aus und legt den unheilbar kranken Standpunkt somit auf Eis. Ein ähnliches Thema behandelt sehr viel beeindruckender und trotzdem nicht trocken-abgeklärt der deutsche Film Und morgen Mittag bin ich tot. Den würde ich an dieser Stelle auch eher empfehlen als dieses tragisch-romantische, überemotionalisierte Werk.

TED 2 (2015)

Wo ist nur der Charme des ersten Teils geblieben? Ist der tatsächlich zusammen mit Mila Kunis verschwunden? Die komplette Fortsetzung wirkt so gewollt komisch. Verkrampft witzig. Verkorkst unter der Gürtellinie agierend. Die Mischung aus knuffigem Teddybär und dreckig daherredendem Fellmonster verpufft im zweiten Teil vollends. Vielleicht liegt es an der zu vermenschlichten Charakterisierung, die wenig Sympathie vermittelt. Vielleicht ist es auch die lieblos zusammengewürfelte (und extrem einfach gestrickte) Story. Vielleicht hätte ich auch einen Joint mehr rauchen sollen, um mir TED 2 doch noch schön zu reden. Vielleicht aber auch nicht! Zu viele ‚vielleicht‘ für einen mauen Film.

Tatort: Der treue Roy (2016)

Willkommen zurück in Weimar! Was als eigentlich nur einmalige Spezial-Tatort-Folge begann, mausert sich mittlerweile mehr und mehr zum Publikumsliebling. Im dritten Fall müssen Dorn und Lessing (nicht nur Kommissare, sondern auch Eltern mit Kleinkind) den Mord (oder doch nicht Mord) an Roy vom Hochofen aufklären. Und das in ihrer unnachahmlich sarkastisch (Dorns Part)-philosophisch (Lessings Einsatz) Art. Köstliche Dialoge entspinnen sich. Nora Tschirner und Christian Ulmen quasseln sich durch die Aufklärung des Mordfalls und haben mit Florian Lukas als (ziemlich lebendiges) Mordopfer und dessen Schwester (Fritzi Haberlandt macht wirklich Spaß in dieser Rolle!) wunderbare Gegenspieler. Vergesst Münster! Weimar ist viel cooler!

Und auf die große Flimmerleinwand schlich sich dieser kleine Film:

En man som heter Ove – Ein Mann namens Ove (2016)

Das schwedische Kino weiß, wie man Tragik und Komik zu einem gelungenen Ganzen verbindet. Was bei Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand schon klappte, schafft auch En man som heter Ove: Eine leise Geschichte über die finalen Wochen eines vom Leben gezeichneten Mannes. Dieser Ove kommt zuerst grantelig-pedantisch daher, offenbart aufgrund neuer, frischer Einflüsse (in Form der hinzugezogenen Nachbarn) seinen weichen, liebevollen Kern, blüht noch einmal auf, um dann am Ende glücklich zu scheiden. Regisseur Hannes Holm gelingt die tragisch-komische Balance ausgesprochen gut, was nicht zuletzt auch am Schauspielerensemble – vorweg natürlich Rolf Lassgård als Ove – liegt, die sich gekonnt die Bälle zuspielen. Ein kleines, wohliges Filmerlebnis für die ruhigen Stunden des Tages.

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6 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste April Teil 2

  1. Cathrin Rubin schreibt:

    Ach ja… immer diese schnulzigen Liebesgeschichten, die den Hoffnungschimmer in amerikanischen Filmen darstellen sollen… mag ich auch nicht sonderlich! Und ich fand den Film daher auch etwas anstrengend (wobei ich alle Filme über Krankheiten anstrengend finde…)

    WEIMAR rules!

  2. Nummer Neun schreibt:

    Team Weimar!

    (wobei ich neulich auch tatsächlich einen guten aus Frankfurt gesehen habe. Und ich sehe Tatort wirklich nur äußerst selten)

  3. Miss Booleana schreibt:

    After-Life war irgendwie eine schwierige Kiste. Mir war das alles etwas zu hysterisch. V.A. Christina Ricci. Der Film hat mich kaum angesprochen wegen den mangelnden Fortschritten in der Handlung. Ich hatte partout das Gefühl sie brauchen einen Grund um die Dame halbnackt irgendwo rumliegen zu lassen.
    Selbst das ständige Überlegen, ob Liam Neeson recht hat oder durchgeknallt ist, hat mich nicht so recht bei Laune gehalten.

    Dafür fand ich The Fault in our stars eigentlich ganz angenehm. Und nicht zu kitschig. 🙂 So unterschiedlich ist die Wahrnehmung.

    • Stepnwolf schreibt:

      Wäre ja auch schlimm, wenn wir alle immer der gleichen Meinung wären. Und mir war das irgendwie egal, das Christina Ricci halbnackt rumlag. 😉

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