Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Mai Teil 1

Broken Blossoms (1919)

Die Geschichte vom bitterarmen Mädchen aus zerrüttetem Haushalt mit tyrannischem Vater, die daraus ausbrechen will, kurzzeitig ein wenig Glück findet, um dann tragisch zu enden. Lilian Gish zeigt in diesem Film, warum sie zu den größten Stars der Stummfilmära (und darüber hinaus) gehörte. Alle emotionalen Nuancen meistert sie mit Bravour, der Rest der Filmcrew geht daneben so ziemlich unter. D.W. Griffith erzählt in klassischer Dreiakt-Form. Ohne Schnörkel oder viel Tamtam. Sehenswert.

Angels and demons (2009)

Dan Browns Buch ist ja bereits klassisch in Drehbuchform geschrieben. Das brauchte Regisseur Ron Howard also nur noch visuell umsetzen. Und mit Tom Hanks als Robert „007-Indy“ Langdon hat man auch die richtige Besetzung der Hauptrolle. Die Story bietet alle wichtigen Elemente: Mysterien, Verschwörungen, Rätsel und ein wenig historischer Kontext. Rom als Erzählort macht natürlich ebenso eine gute Figur. Schickes, schnörkelloses, allerdings auch überraschungsarmes Popcornkino für einen entspannten Filmabend.

Joaquín Phoenix: I’m still here (2010)

The rise and fall of JP im HipHop Business. Okay, es ist eigentlich eher ein nicht enden wollendes Fallen, das uns Regisseur Casey Affleck (Ja, der.) hier inszeniert. Wunderbare, hinter den Spiegel des Showbusiness schauende ‚Dokumentation‘, die schonungslos offenbart, wie kurzlebig Ruhm und alle damit einhergehenden Vorteile sein können, wenn man sich der Maschinerie entzieht oder zumindest verschließt. Joaquín Phoenix (in abgewracktem Look) mimt den Aus- und Umsteiger so real, das sein Umfeld und auch der Rest der Welt ihm diesen Imagewechsel komplett abkauft.

Dabba – Lunchbox (2013)

Brieffreundschaft auf indisch. Ein zurückgezogen lebender Witwer „begegnet“ (Ja, die Anführungsstriche sind gewollt.) aus Versehen einer verheirateten, jungen Frau und lernt dadurch das Leben neu zu lieben. Die Atmosphäre der wuselnden, lauten, lärmenden Stadt Bombay ist visuell intensiv eingefangen und schön im Kontrast zum ruhigen, geordneten Alltag des Protagonisten gesetzt. Eine wunderbare kleine Geschichte über Zufälle, Optionen und Neuanfänge ganz ohne bunte bollywoodianische Tendenzen, sondern mit viel liebenswertem Charme.

The Hundred-Foot Journey (2014)

Und noch einmal etwas über Indien, aber nicht aus Indien. Handzahme, lauwarme Erzählung über kulturelle und kulinarische Differenzen und dem typischen ‚Liebe geht durch den Magen‘ – Effekt. Oder anders ausgedrückt:  French Cuisine trifft indische Kochkunst. Culture Clash inbegriffen. Wie es sich für eine Wohlfühl-Film (und das wird uns hier aufgetischt) gehört, erwartet uns zum Abschluss natürlich ein vollkommenes Happy End. Aber reden wir nicht um den heißen Brei herum: The Hundred-Foot Journey ist ein blutiges Steak, wenn man medium bestellt hat – nichts Halbes und nichts Ganzes.

Seit du da bist (2015)

Solide, wenn auch konservativ erzählter Fernsehfilm mit zwei sympathischen Hauptdarstellern und durchweg passend besetzten, hochkarätigen Nebenrollen (Hatte ich meine unbändige Begeisterung für Katharina Schüttler eigentlich schon einmal erwähnt?). Aber insbesondere Allegra Tinnefeld als zehnjährige Tochter Lilia kann durchweg begeistern. Da schaut man gern zu. Ebenfalls positiv zu beobachten ist die Abkehr von dem ‚am Ende ist alles heile Welt‘ – Schema sonstiger deutscher TV-Produktionen.

Chappie (2015)

Nummer 5 lebt. Aber hier ist es Nummer 22. Mit der Geschichte bin ich nicht warm geworden, aber ich mochte auch Robocop (der eine ähnliche Grundstory liefert) nie so wirklich. Das (eigentlich musikalische) Duo Die Antwoord macht definitiv Spaß. Schöne Komikeinlagen – wenig Schauspieltalent. Chappie ist auch schnell ein Sympathiefaktor, weil er emotionaler agiert, als alle menschlichen Pendants zusammen. Und genau das ist der Haken! Die Schauspieler sind hölzern und motivationslos. Was Wolverine in diesem Film macht, bleibt mir vollends ein Rätsel. Nummer 22 stirbt – einen lustlosen Tod.

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3 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Mai Teil 1

  1. bullion schreibt:

    Davon kenne ich gerade mal „Angels and Demons“, fand ihn ähnlich wie du ok. Das Buch hatte mich damals mehr begeistert, aber da war die Dan-Brown-Masche auch noch neu und frisch.

    • Stepnwolf schreibt:

      Stimmt. Ich hab das Buch damals auch in einem Rutsch runter gelesen. Ich mag die Dan Brown Masche eigentlich ganz gern, weil die Kapitel für jemanden, der vorm Schlafen gehen noch ein bisschen lesen will, immer genau die richtige Länge haben. 🙂

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