Blogparade: Gegen den Strom – 10 unbekannte oder unbeliebte Lieblingsfilme

Wenn ich an einer von der singenden Lehrerin ausgerufenen Blogparade teilnehme, schwimme ich nicht unbedingt gegen den Strom. Denn das macht ja so ziemlich jeder. Aber manchmal sollte man sich anpassen und in diesem Fall folge ich dem Mainstream und schreibe ein wenig über Filme, die ich mag, die aber ansonsten eher unter gegangen sind (auch wenn ich das bei dem einen oder anderen gar nicht so genau weiß). Dabei berufe ich mich mal nicht auf die diversen Statistik- und Bewertungsseiten, die eben dies suggerieren, sondern meiner eigenen (im Freundeskreis erprobten) Statistik (Ihr wisst schon, die lässt sich am einfachsten fälschen.). Mein erster Gedanke beim Lesen der Überschrift war daher auch: Okay, ich nehme mal spontan zehn deutsche Filme. Die sind meist unbekannt und unbeliebt. Nur halt nicht bei mir. 😉 Ganz so regional begrenzt ist es dann aber doch nicht geworden…

1. Brügge sehen und sterben

Der wohl mainstreamigste unter den Filmen, die hier noch folgen und zumindest in der Filmblogger-Gemeinde immer sehr gern positiv hervorgehoben. Dennoch aber eher ein Werk, das die Allgemeinheit nicht so wirklich konsumiert hat. Und das obwohl diese Mischung aus Actioner, Komödie und Tragödie eine gekonnte Balance hält, zwei spielfreudige, harmonierende Akteure bietet und aufgrund der Bilder jeden Zuschauer wohl spontan zum Brügge-Fan mutieren lässt.

2. Melancholia

Lars von Trier-Werke sind ja immer ein wenig sperrig, arbeiten mit Metaebenen, mitunter aber auch extrem ekligen, expressiven Bilderwelten. Melancholia ist ein gemaltes Kunstwerk. Ich liebe jede einzelne Szene dieses Films. Man hat immer das Gefühl, jeder Gegenstand, jede Person auf dem Bild wurde eben genau an diesen Punkt montiert, um ein Standbild für die Ewigkeit zu schaffen. Und kein Weltuntergang ist schöner als in diesem Film. Punkt.

3. The Million Dollar Hotel

Die Figur TomTom und seine naiv-magische, unerfüllte (?) Liebe zu Eloise sind so wunderbar in diese Kriminalgeschichte eingewoben. Oder ist es doch umgekehrt? Wim Wenders erschuf mit diesem Film eines seiner besten und wohl auch eingängigsten Werke seines gesamten Oeuvre.

4. Natural Born Killers

Für die einen ist es ein exzessiver, brutaler Gewaltfilm, für die anderen ein Statement gegen die mediale Vereinnahmung von Ereignissen und den daraus resultierenden Folgen. Für mich funktioniert aufgrund letzterer Prämisse der Darstellung der vierten Gewalt im Staat der Film wunderbar. Mal ganz abgesehen davon, das die werte Ms. Juliette Lewis hier eine famose Performance abliefert.

5. Spring

Der hat es mir irgendwie ein bisschen angetan. Im Kern eine Lovestory in einem Mysterygewand. Dazu mit zwei herzlich harmonierenden Hauptdarstellern und feinst fotografierten Bildern. Wie ich hier schon erwähnte: Ein sehenswertes filmisches Kleinod.

6. Eleven Fourteen

Episodenfilme haben ja immer eine in sich eigene Dynamik und einen mitunter anderen Erzählrhythmus. Eleven Fourteen macht da keine Ausnahme. Wichtig ist im Endeffekt nur, das die anscheinend voneinander losgelösten Geschichten ein Ganzes ergeben, das auch eine primäre Aussage vermittelt. Das schafft dieses Werk sehr gut, was nicht zuletzt auch an den Charakteren und den mitunter etwas skurrilen Szenen liegt.

7. Dark City

Der Titel des Films ist Programm: dunkle, düstere, dreckige Bilder, die passend zur erzählten, dystopischen Geschichte und den handelnden Personen gezeichnet sind. Der Stil erinnert stark an die alten Klassiker des expressionistischen Films, exemplarisch sei Das Cabinet des Dr. Caligari zu nennen, die ich ja sowieso besonders gelungen finde. Deshalb und weil Rufus Sewell in der Rolle des Murdoch so glänzend agiert, sollte man Dark City unbedingt gesehen haben.

So. Bevor jetzt alle schreien: Wo sind denn hier nun die zu Beginn so lautstark angeteaserten deutschen Filme, die diese Blogparade füllen sollten?, folgen sogleich Taten. Denn die letzten drei Kandidaten stammen aus heimatlichen Gefilden, sind jedoch nur Beispiele für die viel größere Masse an durchaus gelungenen deutschen Produktionen.

8. Absolute Giganten

Sebastian Schippers Debüt ist ein schöner Coming-of-age-Film über Freundschaft und die sich bietenden Gelegenheiten des Lebens. Er erzeugt bei mir immer ein wohliges Gefühl der Geborgenheit, aber auch die Erinnerung an rebellische Zeiten jugendlichen Übermuts, an unbekümmerte Sorglosigkeit. Aber so richtig besonders wird der Film in seinen ruhigen, melancholischen Momenten, in denen man die Stimmung förmlich einatmen kann, sie aufsaugt und verinnerlicht. Großartiges Werk. Wer es nicht kennt, sollte dies schleunigst ändern.

9. Nach Fünf im Urwald

Noch ein Debüt, diesmal auf Schauspielerseite: Franka Potente in der Rolle der rebellierenden Tochter aus gutbürgerlichem Hause, die dem Kleinstadtmief unbedingt entkommen will und sich auf eine Reise begibt. Eine tatsächliche Reise und natürlich einer Reise zu sich selbst. Und das tut sie mit einer unbändigen, locker-leichten Spielfreude, die ansteckend ist.  Nach Fünf im Urwald bietet ein paar fein gezeichnete Charaktere, insbesondere die Eltern machen im Verlauf des Films ungemein Spaß (Axel Milberg ist großartig).

10. Kammerflimmern

Ich liebe diesen Film! Wenn diese klischeehafte Phrase ‚die Chemie stimmt‘ zutrifft, dann bei dem Duo November (alias Jessica Schwarz) und Crash (Matthias Schweighöfer). Der introvertierte Rettungssanitäter und die hochschwangere Großklappe. Eingewoben in eine traumwandlerische Geschichte und untermalt mit perfekt passender Musik ist Kammerflimmern in jeder Minute herausfordernd, geht zu Herzen (im wahrsten Sinne des Wortes), lässt mitleiden, bietet Schockmomente und gleichzeitig hoffnungsvolle Szenen voller lebensbejahender Elemente. Wunderfeines deutsches Kino. 🙂

Das wars. Genug gegen den Strom geschwommen. Ich danke für die Aufmerksamkeit und schaue der Auswertung der werten Frau Lehrerin mit Gesangstalent mit Spannung entgegen.

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15 Antworten zu Blogparade: Gegen den Strom – 10 unbekannte oder unbeliebte Lieblingsfilme

  1. Cathrin Rubin schreibt:

    Gesehen habe ich tatsächlich nur „Kammerflimmer“ (und finde den ebenso großartig wie du), die anderen Filme kenne ich höchstens vom Namen… wenn überhaupt 😉

  2. bullion schreibt:

    Eine tolle Wahl! Ich kenne 6 Filme davon und könnte bei jedem die Besonderheit unterschreiben und unterstreichen. Den Rest sollte ich wohl mal nachholen, wobei mich „Melancholia“ so gar nicht reizt…

  3. singendelehrerin schreibt:

    Gut, dass mir Referrer angezeigt werden, nachdem du versäumt hast, bei mir einen kommentar mit Link zu hinterlassen. 😉 Und überhaupt weiß ich nicht so recht, ob das mit dem „Denn das macht ja so ziemlich jeder.“ in Bezug auf meine Blogparaden, als Kompliment aufzufassen ist… Da ich morgen ein Jahr älter bin, sage ich mal für mich: Ja! 😉

    Ein großes Herz (ich schreibe tatsächlich die genannten Filme handschriftlich auf und mache ein Herzchen vor die Filme, über deren Nennung ich mich besonders freue) bekommst du für „In Bruges“, einer meiner Lieblings-Sneak-Filme seit in die Sneak Preview gehe. Wie oft wird in dem Film „fuck“ oder „fucking“ gesagt…? 😀

    Seufz, das zweite Mal „Absolute Giganten“ – und ich hab den immer noch nicht gesehen! Das geht doch nicht! Ja, ich gestehe, deutsche Filme gehen oft an mir vorüber, wobei ich „Nach Fünf im Urwald“ vielleicht sogar gesehen habe…

    An „Melancholia“ hab ich mich noch nicht gewagt. Als der im Kino lief, wollte niemand mit mir reingehen und alleine hatte ich auf Melancholie irgendiwe keine Lust… 😉

    Danke fürs Mitmachen, auch wenn du dadurch ja voll mainstream bist, ey! 🙂

    • Stepnwolf schreibt:

      Erstens: Natürlich war das als Kompliment gemeint. Es macht halt jeder mit, weil es immer sehr spannend ist. 🙂
      Dann: Ich hab mit dem Zählen der F-words im Brügge-Film irgendwann aufgehört. 😉
      Und: „Absolute Giganten“ ist wundervoll. Schau dir den unbedingt mal an, auch wenn deutsche Filme sonst nicht in deinem Fokus sind.
      Sowie: Ich habe „Melancholia“ leider damals im Kino komplett verpasst. Dabei hätte sich hier die Leinwand sicher mal so richtig gelohnt. Bei diesen Bildern…
      Außerdem: Manchmal ist Mainstream auch ganz cool. 😀

  4. gerhard schreibt:

    „Brügge sehen und sterben“ ist ein absolutes „Must“ 🙂
    Viele Grüße,
    Gerhard

  5. Staffmann schreibt:

    Also „Brügge…“ habe ich damals auf DvD gesehen und fand den nicht so dolle. Dafür hat mir aber „7 Psychos“ zu gut gefallen, dass ich den auf jeden Fall nochmal nachholen werde. Den Rest kenne ich nicht wirklich, außer „Natural Born Killer“, den hatte ich selbst in der Liste, toller Film 😉

    • Stepnwolf schreibt:

      „7 Psychos“ war wiederum nicht so meins. So unterschiedlich kann das Film schauen sein. Aber gut so, sonst wäre es ja auch langweilig. 🙂

  6. Miss Booleana schreibt:

    Ha, 10 deutsche Filme nehmen – guter Gedanke 😉 Volle Zustimmung bei vielen, aber v.A. bei Melancholia. Ist zwar kein Film, den ich so richtig sympathisch finden kann, aber die Bilder sind unglaublich, großartig und gewaltig. Selten einen Film gesehen, der so verzaubert mit seinen Bildern.
    Brügge muss ich endlich schauen!

    • Stepnwolf schreibt:

      Ja, „Melnacholia“ ist auf der Erzählebene eher so mittelmäßig, das ist wohl wahr. Aber das machen die Bilder allemal wieder wett.
      Und was ich noch sagen wollte: Du musst Brügge endlich schauen! 😉

  7. Rosa schreibt:

    Eine außergewöhnliche Filmselektion, die du zusammengestellt hast. Ich kenne allerdings nur „Natural Born Killers“ und finde ihn sehr gut gemacht, auch wenn es nicht mein bevorzugtes Genre ist.

    „The Million Dollar Hotel“ werde ich mir ansehen, denn ich mag Wim Wenders.

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