Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Juni Teil 2

Dark City (1998)

Nach langer Zeit wieder in Erinnerung gerufen, macht der Film auch im Rewatch einen guten – vor allem – visuellen Eindruck. Düster-dunkel, schummrig-schattig, ein expressionistischer Noir Stil. Wunderbare Bilderwelten. Und die Geschichte mit der existentialistischen Grundstimmung steht dem in Nichts nach. Dark City ist in der philosophischen Aussage Matrix sehr ähnlich, bietet aber leider keine Bullet Time, soll heißen die Effektebene kann mit dem großen, berühmteren Genrevertreter nicht mithalten. Dennoch ein sehenswertes Werk.

La vie d’Adele (2013)

Noch ein Rewatch. Das opulente Meisterwerk zum Thema Liebe, Lust und Leid. Regisseur Kechiche schwelgt in warmen Bildern. Er zelebriert Close ups und damit einhergehend auch seine beiden Protagonistinnen. Und die sind einfach nur fantastisch in ihrem Schauspiel: Adèle Exarchopoulos als die titelgebende Hauptfigur Adèle bedient die gesamte Klaviatur menschlicher Emotionen. Hautnah, ehrlich, natürlich. Léa Seydoux als Emma spielt die hedonistische, toughe Künstlerin, die als Art Mentorin für die junge, unerfahrene Adèle fungiert. Beide wachsen an ihrer Liebe. Beide müssen aber ebenso unglaublich leiden. La vie d’Adele ist große französische Filmkunst. Unbedingte Sehpflicht!

The Guest (2014)

Fühlt sich zu Beginn wie ein Home Invasion Film an. Ein Kamerad des im Militäreinsatz gefallenen Sohnes beehrt die Familie des Hinterbliebenen und schleicht sich nach und nach in deren Alltag ein. Irgendwann driftet The Guest jedoch ab und kann sich nicht so recht entscheiden, ob es eher psychologisches Drama oder gewaltreicher Thriller sein will. Auch die Handlung glänzt nicht gerade durch Einfallsreichtum, sondern arbeitet alle Klischees ab, inklusive eines offenen Endes. Das ist einfach zu vorhersehbar und dabei wenig spannend.

Tomorrowland (2015)

Positiv: Die Idee hinter der Geschichte. Das Filmduo George Clooney und Brittany Robertson harmoniert im Zusammenspiel. Die inszenatorische Umsetzung vom Ort Tomorrowland. Negativ: Die filmische Umsetzung der Geschichte. Die solistische Etablierung der beiden Hauptfiguren funktioniert so gar nicht, da baut sich keine emotionale Bindung auf. Beide zusammen haben schöne Szenen, einzeln sind sie ein einziges Dilemma. Der Film wirkt einfach nicht rund, irgendwie zerstückelt und nur wenig passend aneinandergereiht. Selbst die typische Disneymoral von der Geschicht wirkt halbherzig, ohne Aussagekraft. Hach, die Idee war so toll.

Jane got a gun (2015)

Western is back! Und das mittlerweile ja schon eine ganze Weile. Dieses Werk bietet ein klassisches Thema des Genres im altehrwürdigen Gewand mit modernem Anstrich. Der feministische Ansatz (immerhin spielt eine Frau die Hauptrolle) ist lobenswert, verliert sich im Laufe des Films aber zusehends. Dennoch ist Natalie Portman noch die stärkste Rolle im Ensemble, das mir vor allem mit Ewan McGregor als Bösewicht total daneben besetzt erscheint. Optisch wunderbar staubig und dreckig in Szene gesetzt. Erzählerisch mit eingestreuten Rückblenden agierend. Insgesamt ein solide gefilmter Genrebeitrag, der sich ab und an doch noch etwas mehr hätte trauen können.

Auf der großen Flimmerleinwand wurde es diesmal sehr experimentell:

The Lobster (2016)

Stellenweise kopfschüttelndes, manchmal kopfnickendes, oft Fragezeichen-habendes Zuschauen macht es schwer eine generelle Empfehlung auszusprechen. The Lobster ist schwierig, sperrig und verleitet ab und an spontan zum ‚Was soll das Ganze eigentlich?‘-Moment. Extrem langsam erzählte Geschichte, mechanisch und emotional unterbemittelte Performance der Akteure (wohlgemerkt ist das die Filmintension und nicht einer eventuellen schlechten Schauspielkunst geschuldet!). Skurrile Einfälle, crazy Sequenzen, weird handelnde Personen. Die Aussage dahinter? Ich überlege noch immer. Gesellschaftskritik, Gesellschaftssatire? Angriff auf unsere vordefinierten, historisch verankerten sozialen und ethischen Grundsätze? Ein utopisches Paralleluniversum? Die Gehirnwindungen rotieren aufgrund dieses Werkes. Immerhin: Das ist ja auch eine Art Ergebnis nach der Sichtung von The Lobster. 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Erde, Mensch, und Ich abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Juni Teil 2

  1. bullion schreibt:

    „The Guest“ haben wir inhaltlich recht ähnlich wahrgenommen. Interessant, dass du gar nichts zur hochgelobten Form sagst, die mir tatsächlich auch imponiert hat.

    • Stepnwolf schreibt:

      Was wurde denn an der Form so hochgelobt? Habe zum Film keine Rezensionen gelesen, weiß das daher nicht.

      • bullion schreibt:

        Bildsprache, Farben, Soundtrack – fast so wie bei „Drive“.

        • Stepnwolf schreibt:

          Ach, ich erinnere mich. Du hattest den Vergleich gezogen. Hab’s grad nochmal aufgerufen. Deshalb ist es mir wohl nicht aufgefallen, weil ich und „Drive“, das ist eine Geschichte voller Missverständnisse. 😉 Dennoch werde ich mir wohl mal Refns neues Werk im Kino anschauen. Gosling ist ja nicht dabei und bei Elle Fanning kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s