Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Juli Teil 1

City Lights (1931)

The Tramp mal wieder in Aktion. Charlie Chaplins Paraderolle geht immer. Der tragische Held, der in die komischsten Situationen gerät, aber sein Herz stets am rechten Fleck hat. Diesmal trifft er ein blindes Blumenmädchen (Virginia Cherrill in ihrer berühmtesten Rolle spielt das gehandicapte Mädchen mit viel Verve), verliebt sich in sie und versucht ihr zu helfen. Natürlich geht alles schief und dennoch schafft er es irgendwie. City Lights ist die Kritik am lasterhaften Leben der reichen Stadtbewohner, die sich um die Leiden der armen Menschen nicht im geringsten kümmern. Chaplin zeigt dieses ignorante Gehabe (personifiziert durch Harry Myers als Millionär) unverblümt und schonungslos.

Le Mépris – Die Verachtung (1963)

Kunst vs. Kommerz. Jean-Luc Godards kritischer Blick auf das Kino im Zwiespalt zwischen hollywoodesken, oberflächlichem Erzählen (verkörpert durch den amerikanischen Produzenten alias Jack Palance) und intelligenten, kunstvollem Arthaus-Kino (zum einen durch Michel Piccoli selbst, aber auch durch die wundervolle Nebenrolle von Fritz Lang repräsentiert). Camille (Brigitte Bardot) ist dabei das metaphorische Bindeglied beider cineastischen Welten (und das Ende zeigt eindeutig, wohin Godard selbst tendiert). Großartige Bildästhetik: Umrahmend, mit Kontrastfarben arbeitend. Außerdem spielt Godard mit der Bild- und Tonebene. Ach ja: Brigitte Bardot in (und auf) Rot – einfach umwerfend. 😉

臥虎藏龍 – Tiger and Dragon (2000)

Ang Lees visuelles Meisterwerk versinkt in berauschenden Bilderwelten voller magischer Momente. Wenn man mit der Außerkraftsetzung physikalischer Gesetze klar kommt, asiatischer Kampfkunst etwas abgewinnen kann und der romantischen Erzählung einer unerfüllten Liebe zugeneigt ist – garniert mit einem kraftvollen musikalischen Einsatz (Tan Duns Score ist überzeugend) – dann muss man Tiger and Dragon unbedingt gesehen haben.

The Babadook (2014)

Da ist aber jemand in der Kinogeschichte des Horrorfilms tief eingetaucht, hat sich die interessantesten Elemente herausgefischt und daraus ein Potpourri zusammengestellt, das in den guten Momenten sehr viel Spaß machen kann und in den weniger guten zu durchsichtig und klischeehaft erzählt wird. Jennifer Kent weiß, wie man den Zuschauer aufregt, wenn auch nur in der Form hasserfüllter Gedanken den Protagonisten gegenüber. Immerhin: Noah Wiseman als Sohn Sam ist ein wahrer Verwandlungskünstler. Sein Schauspiel schwankt zwischen verstört-verängstigt, beängstigend-aggressiv und kindlich-naiv. Solider Horror aus australischen Gefilden.

Relatos salvajes – Wild Tales (2014)

Ein Episodenfilm dessen lose zusammenhängender Kontext einzig die ‚Jeder rastet mal aus‘ – Komponente (daher der deutsche Untertitel) ist. Ansonsten sind die Geschichten voneinander losgelöst. Und darin liegt das Problem: sie sind nicht durchweg interessant erzählt. Das Niveau schwankt gewaltig. Ich mochte den Auftakt, der machte echt Hoffnung auf einen von ziemlich schwarzem Humor durchzogenen Film. Ich mochte die Autofahrer-Episode, weil die tatsächlich extrem übertrieben eskaliert und endet. Und ich finde die Hochzeit-Episode echt zum Schmunzeln. Aber der Rest? Man muss schon ein Faible für dunkelschwarze Geschichten voller bösartiger Wendungen haben, um dem Gesamtkonzept zu huldigen. Mir ist das mitunter ein zu pessimistisches Lebensbild.

Nachthelle (2014)

Regisseur Florian Gottschick spielt mit der Wahrnehmung des Zuschauers. Was als ein dialoglastiges, sich langsam entwickelndes, ruhiges und entspanntes Drama beginnt, wandelt sich nach und nach in eine verwirrende, düster und geheimnisumwitterte Erzählung, deren mysteriöse Anfänge in der Vergangenheit liegen. Das Verschwimmen von Traum und Realität verstärkt das ungute Gefühl, nicht genau zu wissen, was nun Wirklichkeit und was nur Hirngespinst ist. Anna Grisebach bestimmt die Szenerie und das nicht nur, weil sie die einzige Frau im Ensemble ist. Nachthelle produziert einen Sog beim Schauen, dem man nur schwer entkommt. Sehenswert.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Erde, Mensch, und Ich abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Juli Teil 1

  1. Wortman schreibt:

    Tiger and Dragon fand ich geil. Ich mag diese „fliegenden Kämpfer“ 🙂
    Babadook kann man anschauen?

  2. bullion schreibt:

    „Tiger and Dragon“ liebe ich auch sehr. Damals im Kino gewesen und komplett davon überrascht worden. Ein toller Film! Soll da nicht auch eine Netflix-Serie kommen?

  3. Pingback: #52FilmsByWomen: The Babadook von Jennifer Kent | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s