Kurz und knackig: Die Flimmerkiste August Teil 1

Barbarella (1968)

Vampirpuppen, der Matmos, musikalische Foltermethoden mit einer Genussorgel und halbnackte Engel. Die Drogen des Entstehungsjahrs zeigen ihre Wirkung. Und Jane Fonda dominiert den Film mit den Waffen einer Frau, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Gruß ‚Sieg der Liebe!‘ kommt in dem Fall nicht von ungefähr. Erotisch aufgeladen strotzt der Film vor skurrilen Ideen, Charakteren und Welten. Sieht alles ein wenig billig aus, macht aber unverhoffter Weise ausreichend Spaß.

The Riot Club (2014)

„Ihr seid auch nur ein Haufen besoffener Jugendlicher, die Scheiben einschmeißen.“ Unabhängig wie exklusiv und elitär diese Oxfordianer auch sind, ist ihr Auftreten dennoch oberflächlich, vulgär und überheblich. The Riot Club will animieren und aufrütteln. Aber die durchschimmernde Kritik am politischen und sozialen System bleibt nur marginal. Die Figuren eindimensional. Die Geschichte weitestgehend belanglos. Das Kratzen an Werten, Traditionen und Strukturen kann auch eine gefilmte Zerstörungsorgie nicht visualisieren.

Air (2015)

Norman „Daryl“ Reedus in einem klaustrophobisch dunklen Bunker mit blinkenden und piependen Computern überwacht zusammen mit Djimon Hounsou die Vitalfunktionen der letzten, ‚wichtigen‘ Menschen im Kälteschlaf nach einem (nicht näher definierten) apokalyptischen Ereignis. Spannungen bauen sich auf. Verdächtigungen werden geäußert. Neue Erkenntnisse über die Außenwelt entdeckt. Air hat dem postapokalyptischen, ‚zwei Mann in einem Bunker‘ Genre nichts wirklich Neues hinzuzufügen. Hat man alles schon irgendwie gesehen.

Im Spinnwebhaus (2015)

Ein sperriges Werk in einer lebensnahen, ziemlich dreckigen Optik. Drei Kinder werden von ihrer mental kranken Mutter allein gelassen. Der Älteste, Jonas, übernimmt die Führung und versucht der Außenwelt gegenüber Normalität zu suggerieren. Was zu Anfang gelingt, zehrt nach und nach aber an den Nerven und der Physis von ihm und seinen beiden jüngeren Geschwistern. Verwahrlosung, Hunger, Krankheit. Jonas ist überfordert und rastet vollends aus. Im Spinnwebhaus kommt manchmal wie ein schauriges Märchen daher. Aus der Sicht und durch die Augen der Kinder visualisiert, eröffnet sich dem Zuschauer eine andere filmische Perspektive. Das gelingt vor allem auch, weil die drei Kinderdarsteller so ungemein bravourös aufspielen. Sehenswert!

Inside out (2015)

Zuerst einmal: Ich liebe die Figur Kummer! Denn Kummer erinnert mich an Marvin aus Douglas Adams Anhalter-Buch. Kummer ist manisch-depressiv und traurig-trottelig. Was der Film an sich definitiv nicht ist. Alles steht Kopf ist bunt, schnell, witzig, stellenweise fordernd, schlau, lehrreich und stets mit diesem gewissen, charmanten Unterton. Ein schöner, flüssiger Erzählstil im perfekten Tempo mit Anspruch (und daher für Erwachsene ebenfalls geeignet), aber dennoch subtil genug, um es Kindern plausibel erklären zu können. So macht uns Pixar Spaß. Mit intelligentem Kopfkino (im wahrsten Sinne des Wortes).

Knight of Cups (2015)

Rauschen. Meerrauschen. Urbanes Hintergrundrauschen. Eine sich ständig bewegende Kamera. Autofahrten. Tanzende Menschen. Tanzende Frauen. Blick vom Balkon. Blick in den Himmel. Hubschrauber. Flugzeuge. Zoom in. Durch die Straßen laufen. Frauen hinterherlaufen. Zoom out. Am Strand. Im Apartment. Rauschen. Voice over. Ständig. Keine Dialoge. Nur philosophierende Gedanken. Schnitt. Das ganze von vorn. Die Szenerien wechseln. Die Frauen wechseln. Das Beobachten, das Zweifeln, das Zaudern – das bleibt. Der Protagonist: Ein Wanderer durch Raum und Zeit auf der Suche nach – ja was eigentlich? Liebe? Ruhe? Einem Willkommen ohne Abschied? Dem Sinn des Lebens? Terrence Malick will (mal wieder) Großes erzählen ohne überhaupt Irgendetwas zu erzählen. Knight of Cups sind zwei Stunden pure Langeweile in gefühlt Millionen aneinandergereihten, von Emmanuel Lubezki fotografierten Bildern. Mehr nicht.

Insurgent – Die Bestimmung (2015)

Teil Zwei der Reihe rund um die Hauptfiguren Tris und Four. Shailene Woodley mimt weiterhin die Eine, die die Gesellschaftsstruktur ins Wanken bringt. Love Interest Theo James begleitet sie als persönlicher Bodyguard (fast) immer auf Schritt und Tritt. Die Geschichte selbst folgt einem vorgezeichneten Strickmuster und der Twist zum Ende dieses Mittelstücks kommt auch nicht ganz so überraschend. Dennoch: Chicago kommt als Setting in dieser dystopischen Erzählung in ihrem abgewrackten postapokalyptischen Aussehen sehr gut rüber. Das entschädigt zumindest visuell für einige überdimensional große erzählerische Logiklöcher.

Frau Müller muss weg! (2015)

Ein Kammerspiel in der Schule. Regisseur Sönke Wortmann lässt hier einige höchst unterschiedliche Charaktere aufeinanderprallen, deren Aufschlagwucht jede Menge Blessuren in Form von Enthüllungen, Abneigungen, Zuneigungen und Erkenntnissen hervorzaubert. Das Schauspielerensemble hat sichtlich Spaß an der Sache, was sich spontan auf den Zuschauer überträgt. Frau Müller muss weg! ist kurzweiliges, amüsantes, manchmal klamaukiges Kino mit einem wunderbar ironischen Ende. Setzen! Note Zwei!

Batman v Superman: Dawn of Justice (2016)

Man kann sagen, was man will, aber eines versteht Zack Snyder gut: großartige Bilderwelten zu erschaffen. Jede Szene ist perfekt farblich abgestimmt. Jede Slow Motion, jedes Still punktet auf der Eleganzskala mit Höchstwerten. Und die Musik passt haargenau zu den gezeigten Bildern. Hut ab, Maestro! Aber dann das: Die Geschichte fabriziert Abzüge in der B-Note. Da baut Snyder Batman als einen gebrochenen, zutiefst verbitterten, von Rache an Superman angetriebenen Protagonisten auf, um ihn nach einem (zugegebenermaßen ansehnlichen) kurzen Fight mit dem Man of Steel auf einmal kurzerhand die Erkenntnis zuteil werden zu lassen, das ja doch eigentlich beide für das Gute stehen. Egal wie dunkel die Nacht auch sein mag. Logisches, zielorientiertes Erzählen geht anders und führt daher das visuell-auditive Lob fast ad absurdum. Aber nur fast.

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3 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste August Teil 1

  1. bullion schreibt:

    Ah, hier nun also auch deine Besprechung zu „Inside Out“. Schön! 🙂

    Von den anderen Filmen habe ich nichts gesehen. Zumindest macht deine Besprechung von BvS gelinge neugierig auf die Optik.

    • Stepnwolf schreibt:

      Joar, der ist optisch auch richtig gut und ehrlich gesagt kann ich die vielen so schlechten Kritiken gar nicht verstehen. DC war immer dunkler, düsterer und dreckiger als das uns mittlerweile bekannte MCU. Und irgendwie gefällt mir das dann doch ganz gut (wenn nur nicht immer dieser Superman wäre, mit dem ich noch nie so wirklich was anfangen konnte)…

  2. friedlvongrimm schreibt:

    Kummer ist sooooo toll! ❤

    Ich mochte "Frau Müller muss weg!" auch. ^^

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