Kurz und knackig: Die Flimmerkiste August Teil 2

Der August ist vorbei und mir wird gerade bewusst, das ich nicht einmal im Kino war. Der erste Monat ohne Kinobesuch. Alles nur Heimkino. Sommerkinoloch gefällig? Bei mir hat das anscheinend gewirkt. Aber es kommen wieder große Leinwandzeiten. Da habe ich keine Bedenken.

Pleasantville (1998)

Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß der Film doch macht. Vor allem auch, weil beide Jungschauspieler, sowohl Tobey Maguire als auch Reese Witherspoon mit einer Unmenge an Spiellaune da ran gehen. Die Geschichte an sich mag nicht besonders innovativ sein, aber die Darreichung dieser Selbstfindung der Protagonisten sprüht nur so vor Ideenreichtum. Schon allein der Dreh, in die eigene Lieblingsserie gebeamt zu werden. Wem würde das nicht gefallen? Die allmähliche Farbintensität (von schwarz-weiß zu kunterbunt) als metaphorisches Element der emotionalen und individuellen Entwicklung der im wahrsten Sinne des Wortes zum Leben erwachenden Serienfiguren ist ebenso gelungen. Pleasantville ist filmisch gealtert, ohne grau geworden zu sein.

Garden State (2004)

Zach Braff zaubert mit diesem wundervollen kleinen Film ein wohliges Gefühl im Körper und ein schmunzelndes Lächeln aufs Gesicht. Es gibt so viele amüsante, erinnerungswürdige Szenen, die ein wenig anders und spleenig und seltsam wirken, dabei aber immer so nah und ehrlich sind. Und die Charaktere! So fein und nuanciert geschrieben. Jeder mit einem eigenen, durchaus sympathischen Tick, der einfach nur liebenswert ist. Dann die Musik. Nur leicht und dezent gesetzt, doch immer an der richtigen Stelle und der perfekten Intention. Garden State muss man einfach mögen, weil dieser Film rundum eine Wohlfühlatmosphäre erzeugt. Im positivsten Sinne.

(500) Days of Summer (2008)

Kompliment an die Castingcrew! Ein Liebesfilm steht und fällt mit den beiden Hauptfiguren und die sind hier verdammt gut gewählt. Joseph Gorden-Levitt mimt Tom Hansen, den hoffnungslosen Romantiker, mit viel Verve. Zooey „New Girl“ Deschanel macht das, was sie immer besonders gut kann: spleenig anders, aber dabei zum Verlieben sympathisch agieren. Und dann ist da noch die neunmalkluge kleine Schwester von Tom alias Chloe Grace Moretz: unglaublich köstlich anzuschauen. (500) Days of Summer umschifft gekonnt die typischen Liebesfilmklischees, wartet mit einigen tollen szenischen Einfällen auf und bietet sogar ein gänzlich anderes Finale. Da verzeiht man auch den zu erwartenden ‚Autumn‘-Gag am Ende.

Vincent will Meer (2010)

Ich kann mir nicht helfen, aber bei deutschen Filmen erkennt man sehr oft bereits am Titel in welche Richtung sich das Ganze bewegt. Vincent will Meer macht die typischen ‚leichte Unterhaltung‘ Fehler: Roadtrip-Setting, gegensätzliche Charaktere (mit eingebauter Liebesgeschichte) und deren Wandlung während der Reise, Popmelodien als Untermalung an den nicht immer passenden Stellen, humoristische Einlagen. Kann funktionieren, kann aber auch gewaltig in die Hose gehen. Hier ist es irgendwie eine Mischung aus beidem, denn die eigentliche Rettung des gesamten Werkes erfolgt durch die einzige Komponente, die stimmig ist: die Schauspieler. Denn deren Zusammenspiel klappt. Doch gerade deshalb hätte man sich mehr Ernsthaftigkeit gewünscht. Das Potential die jeweiligen Krankheitsbilder glaubhaft zu charakterisieren, zeigen nämlich alle drei durchaus in Ansätzen. Schade, das dies nicht konsequenter genutzt und lieber nur an der Oberfläche gekratzt wird.

Über uns das All (2011)

Beginnt sehr beschwingt und man denkt zuerst sich einem locker-leichten Film hinzugeben. Doch dann dreht sich die komplette Geschichte in eine gänzlich andere Richtung und als Zuschauer fragt man sich ständig, was das Alles soll? Die Hauptfigur Martha – brechend ehrlich und mit grenzenloser Natürlichkeit, gepaart mit stellenweise sinnlosem Handeln von Sandra Hüller verkörpert – animiert zum ständigen Kopfschütteln und fragenden Blicken. Ist es das nicht zu verarbeitende Ereignis oder die zu Tage tretenden Erkenntnisse über ihren Ehemann, die sie zu diesen Aktionen veranlasst? Oder meint sie das tatsächlich ernst, das Erschaffen einer Ersatzwelt (einer metaphorisch zweiten Chance)? Über uns das All kommt trocken und emotionslos daher, zeigt ungeahnte Wege der Trauerbewältigung und ist kein leichter Filmgenuss. Die ersten Minuten sind reine Täuschung. Ihr seid gewarnt.

I, Frankenstein (2014)

CGI-Bombast und GreenScreen-Gewitter. I, Frankenstein ist narrativ keine wirkliche Offenbarung. Zu oft schon gesehen, zu oft schon auch nicht besser umgesetzt. Aber immerhin bietet der Film ein paar ansehnliche Kampfszenen und ein comiceskes, jedoch sehr dunkel und düster gehaltenes Ambiente. Mehr lässt sich und muss man dazu nicht sagen.

Run all night (2015)

Regisseur Jaume Collet-Serra inszeniert mit seinem Stammschauspieler bereits den dritten Film. Und eben jener Stammschauspieler Liam Neeson agiert in einer ihm in den letzten Jahren nicht besonders unbekannten Umgebung: einsamer, von der Vergangenheit gezeichneter Einzelkämpfer, muss sich für einen ganz besonderen Menschen ein letztes Mal aufopfernd durch die Reihen der unzähligen Gegner schlagen und schießen, um am Ende heldenhaft und mit sich selbst im Reinen zu triumphieren (wenn auch hier auf eine etwas andere Art). Gelingt Mr. Neeson mit Bravour. Und das ist das große Manko von Run all night. Der Film bietet keinerlei Überraschung, ist routiniert und nach Schema F erzählt und  lässt keinen Platz für aus der Rolle fallende Charaktere. Jeder handelt genau so, wie es für das Voranschreiten der Story vonnöten ist und es der geneigte Zuschauer erwartet. Nachts sind alle Katzen grau und Filme mit Liam Neeson sind es mittlerweile ebenso.

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6 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste August Teil 2

  1. Morgen Luft schreibt:

    Garden State kann man immer wieder gucken. Allein schon des grandiosen Soundtracks wegen!

  2. Schlombie schreibt:

    Habe von „Über uns das All“ hier erstmals gelesen, danke für den Tipp! Und zu Pleasentville kann ich Dir nur zustimmen: toller Film, den man aufgrund seiner simplen Symbolik unterschätzen kann. 🙂

  3. Nummer Neun schreibt:

    500 Days of Summer – da stimmt aber auch wirklich alles. Netter Film!

  4. bullion schreibt:

    Oh, die ersten drei Filme liebe ich sehr. Speziell freut es mich einmal wieder etwas über „Pleasantville“ zu lesen, den viel zu wenige Leute kennen. Jetzt habe ich wieder richtig Lust auf den Film.

  5. friedlvongrimm schreibt:

    Ey, ich musste gerade lachen, weil ich noch wusste, dass ich „Über uns das All“ zum kotzen fand, aber ich kann mich einfach nicht erinnern warum. Die Hauptdarstellerin hat mich genervt und irgendwas mit der Thematik. Zu den anderen Filmen kann ich dir aber nur zustimmen. „Garden State“ und „8500) Days Of Summer“ sind halt undumme aber wundervoll leichte Perlen.

    • Stepnwolf schreibt:

      Ja, die Hauptdarstellern handelt auch so komplett unlogisch, das man stellenweise aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus kommt. Aber Sandra Hüller spielt das halt auch megafantastisch. Das wertet den Film auf.

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