Kurz und knackig: Die Flimmerkiste September Teil 1

Hross i Oss – Von Menschen und Pferden (2013)

Die Isländer sind ein seltsames kleines Völkchen und sie haben seltsame kleine Pferde (die auch noch genau so heißen – also Isländer). Deshalb drehen die Isländer mit Isländern (also Pferd und Mensch) seltsame kleine episodenhafte Filme. Aber: es sind äußerst sympathische, ruhige, manchmal komisch anzusehende, traurige, augenzwinkernde und natürliche Szenerien, die sich einem hier auftun. Kleine Geschichten über die Symbiose zwischen Mensch und Tier und die Konsequenzen dieser Wechselwirkung, inklusive tödlichen Ausgängen auf beiden Seiten. Und einem Zitat aus Star Wars. Aber das findet man nur, wenn man sich Von Menschen und Pferden anschaut, was ich empfehlen würde.

Unfriended (2014)

Die Idee der Geschichte ist nicht neu: Geist oder eine irgendwie geartete Präsenz drangsaliert die noch Lebenden, weil es noch eine bestimmte offene Rechnung zu begleichen gilt. So weit, so uninspiriert. Die filmische Umsetzung allerdings kann als gelungen bezeichnet werden, weil Regisseur Levan Gabriadze fast komplett auf der Social Media- und digitale Kommunikationsebene erzählt. Und das funktioniert ausgesprochen gut, auch weil man gezwungen ist, aufmerksam zu bleiben und dadurch die raren Schreckmomente umso intensiver wirken. Haunted House Horror 2.0

Terminator: Genisys (2015)

Okay, okay. Wir haben ein paar wunderschöne Reminiszenzen an den Original-Terminator und Schwarzenegger in seiner eigentlich nur noch selbstironischen Rolle entlockt einem ein leichtes Schmunzeln. Aber was bleibt ansonsten? 0815-Action, eine vor Logiklöchern wie ein Schweizer Käse aussehende Story und irgendwie nur bemüht agierende Schauspieler. Auch wenn das Ende (wieder mal) offen gestaltet ist, wäre eine Fortführung des Franchise nicht ratsam.

Wild Card (2015)

Wenn ich einen Jason Statham Film sehen will, dann lege ich vor allem auf eines Wert: brachiale Action und ein paar so coole Sprüche, das die Hölle (fast) zufriert. Wild Card allerdings versucht dem Klischee zu entgehen und dem Transporter eine Charakterrolle anzuheften. Das geht ziemlich schief und das liegt nicht einmal so sehr an Statham selbst, sondern viel eher an der schon tausendmal erzählten Geschichte in dieser schon tausendmal verwendeten Umgebung. Dann doch lieber ein weiterer Crank!

Allegiant – Die Bestimmung (2016)

Der Dritte Teil der Reihe (und natürlich ist dieser, der Unsitte des Genres folgend, noch einmal aufgesplittet) offenbart die eklatanten Schwächen: Allegiant hat nichts Neues zu erzählen. Klar, unsere Heldin (und ihr liebestrunkener Bodyguard) erfahren endlich, was außerhalb der Mauern Chicagos vor sich geht. Aber eigentlich ist es dort nicht anders als innerhalb. Allegiant erzählt die gleiche Geschichte nur in einem (vorwiegend) anderen Setting. Und da mir vor allem dieses abgewrackte Chicago der ersten beiden Teile so gut gefiel, vermisse ich das hier. Uninspiriertes Erzählen ohne Überraschungsmomente. Das endet bestimmt nicht gut.

Im großen Erzählkino mit den Popcorneimern (die es in dem besuchten Kino jedoch nicht gibt), konnte ich diesen Film begutachten:

Toni Erdmann (2016)

Was für ein Film! Vorher so gedacht: Mehr als zweieinhalb Stunden einem Werk von Maren Ade folgen, wird bestimmt sehr anstrengend. Danach nur so gedacht: Wow! Großartig geschauspielert (und zwar in doppelter Hinsicht) von Peter Simonischek. Spätestens als er sich selbst die Maske des Toni Erdmann aufsetzt, reißt er die so oberflächlichen, nichtssagenden, gestressten Masken der Business-Gesellschaft – die hier vorbehaltlos karikiert wird – reihenweise herunter. Inklusive die seiner Tochter (mal wieder eine Glanzleistung von Sandra Hüller), deren so erfolgreiches Leben von Einsamkeit, Trostlosigkeit und ständigem Arbeitsdruck geprägt ist. Toni Erdmann ist Gesellschafts-, Kapitalismus- und Sozialkritik in einem, schafft es glänzend die Balance zwischen tragisch-dramatischen und grotesk-komischen Elementen zu halten und fühlt sich im Endeffekt so gar nicht wie zweieinhalb Stunden an. Sondern eher wie ‚Könnte mein Film des Jahres werden.’…

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5 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste September Teil 1

  1. gerhard schreibt:

    „Toni Erdmann“ ist super, war auch schwer beeindruckt. Wunderbar vor allem, wie diesem Unternehmensberater-Geschwätz der Spiegel vorgehalten wird.
    Viele Grüße,
    Gerhard

  2. Morgen Luft schreibt:

    Hoffen wir auf den Oscar für Toni. Hoffen wir, dass sie dann mit einem Gebiss auf die Bühne gehen wird^^

  3. Miss Booleana schreibt:

    Toni Erdmann hat mir auch ausgesprochen gut gefallen. Lief hier nochmal – sicherlich als Reaktion auf die Oscar-Debatte. Bloß gut … fast verpasst.

  4. Pingback: Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #26 | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

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