Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Oktober Teil 2

The War of the Worlds (1953)

Kampf der Welten (so der deutsche Titel) hält sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf, sondern geht schnell in medias res. Natürlich sind die Special Effects aus heutiger Sicht veraltet (und auf der Ebene bietet die Neuauflage mit Tom Cruise mehr Schauwert), aber Anfang der 1950er war das durchaus gelungen (und der Spezialeffekte Oscar bestätigt dies). Inhaltlich kann der Film punkten – was bei der H.G. Wells Vorlage aber auch nicht von ungefähr kommt – und schauspielerisch passt das Duo Gene Barry (als kongenialer Wissenschaftler) und Ann Robinson (als Motor heldenhafter Taten des männlichen Protagonisten) ebenso gut. Als Klassiker der Science Fiction auch heute noch sehenswert.

Funny Face (1957)

Ein quietschbunter Film in bonbonfarbenen Bildern, mit hibbeligen, ständig rumwuselnden Akteuren und einigen schön ausstaffierten Szenerien. Die Splitscreen-Technik beim Erstbesuch in Paris kann sich sehen lassen. Die Gesangseinlagen (ja, es ist eine Musical-Adaption) sind perfekt in die Handlung eingewoben. Und dann ist da noch die wunderbare Leinwandpräsenz beider Hauptdarsteller (Audrey Hepburn verzaubert wie immer mit ihrer Anmut und Ausstrahlung, Fred Astaire spielt den charmanten Draufgänger). Funny Face zaubert beim Zuschauer ein Lächeln ins Gesicht.

Zwartboek – Black Book (2006)

Regisseur Paul Verhoeven erzählt in klassischer Weise die Geschichte einer jüdischen Widerstandskämpferin des 2. Weltkriegs im besetzten Holland. Carice van Houten überzeugt in der Rolle der Rachel Stein/Ellis de Vries durch eine emanzipatorisch-heldenhafte Charakterisierung ihrer Figur (auch wenn das stellenweise ein wenig zu dick aufgetragen erscheint). Sebastian Koch als (natürlich) SS-Hauptsturmführer, der sich in sie verliebt, kommt ein wenig steif und hölzern rüber. Und auch die erzählte Geschichte glänzt nicht gerade durch innovative Einfälle, was in diesem – mittlerweile bereits von allen Seiten ausreichend beleuchteten – Genre aber auch schwer umsetzbar ist. Solide gefilmt, aber nicht wirklich aussergewöhnlich.

Coraline (2009)

Neil Gaimans Novelle als Stop Motion Animationsfilm ist eine gelungene Adaption. Das Setting ist (wie beim Autor zu erwarten) fantastisch angehaucht, die Figuren sind durchweg wunderbarst charakterisiert (insbesondere Coraline als Protagonistin wächst einem sofort ans Herz). Die Geschichte ist stringent und ohne Schnörkel erzählt und bietet eine disneyhafte ‚und-das-Lernen-wir-daraus‘-Moral. Trotz der kindgerechten Handlung ist die eine oder andere Stelle dennoch (für kleine Kinder) ziemlich gruselig und erschreckend. Daher Vorsicht beim Konsumieren dieses filmischen Vergnügens.

The quiet ones (2014)

Irgendwann im Verlauf des Films kippt dieser Moment des Horrors: Ab da ist die dämonische Attitüde der (vermeintlich) besessenen Jane Harper (Olivia Cooke kann ganz schön fies schauen) nur mehr lahm gegenüber dem viel dämonischeren Gedanken und Taten des Jane Harper behandelnden (misshandelnden?) Wissenschaftlers Prof. Joseph Coupland (Jared Harris kann ganz schön fies agieren). ‚Who is the real demon?‘ wird man sich fragen. Atmosphärisch macht The quiet ones richtig Spaß, die Schauspieler passen. Nur die Story kommt ein wenig 0815-mäßig daher. Dennoch einer der besseren Vertreter des Genres.

Männerhort (2014)

Ja, der Film hält, was er verspricht. Klischeehafte, überzeichnete Charaktere vollführen genau die Dinge, die man sich in der jeweiligen Szene ausmalt. Keine Überraschungen, dafür stereotype Abfolgen von Aktionen, die lustig sein sollen, es aber fast nie sind. Es wird aber auch irgendwie kein Witz ausgelassen. Okay, die Männerbande kann in der Interaktion ab und an durchaus gefallen und für die Zuschauerinnen entledigt sich Elyas M’Barek auch gern sein Oberhemdes. Aber mehr geht leider nicht. Sorry.

Star Wars: The Force awakens (2015)

Auch losgelöst vom Kinoambiente entfaltet J.J. Abrams Star Wars Hommage sehr viel Retrocharme. Natürlich ist Teil 7 der Reihe eine einzige Reminiszenz an die erste, älteste Trilogie und schmeißt nur so um sich mit Dialog- und Bildzitaten. Aber gerade die neuen Charaktere sind wunderbar gezeichnet. Man wird sofort warm mit ihnen: Rey ist eine formidable Hauptperson, Finn ein respektabler Sidekick, Droid BB8 fast so kultig wie R2D2 und auch der böse Gegenspieler Kylo Ren zeigt ernste Absichten, sich dementsprechend zu entwickeln (wobei hier noch Potential offen bleibt). Und die alten, nostalgischen Recken vergangener Zeiten fügen sich schön in das modernere Setting ein. Der Auftakt der neuen Trilogie ist gelungen. Teil 8 sollte dann aber die hier beschrittenen Pfade verlassen und den hippen, jungen Protagonisten die Bühne und den Raum zur Entfaltung geben.

Maggie (2015)

Da denkt man, dem Genre Zombiefilme ist nichts mehr hinzuzufügen und dann das: Maggie ist ein ruhiges, leises Kammerspiel über den Verlust des menschlichen Wesens und dem stillen Kampf der Angehörigen gegen das Unabwendbare. Hier rollen keine Köpfe, hier fliesst kein Blut, hier schlurfen keine Horden Umtoter durch die Gegend. Maggie ist viel Drama und kein Horror. Nur der Horror menschlicher Abgründe zeigt sich in den dunklen Bildern und in den Seelen der handelnden Personen, die so ganz nebenbei wunderbar emotional von Arnold Schwarzenegger als Vater und Abigail Breslin als titelgebende Hauptfigur verkörpert werden.

The Martian (2015)

Und die Moral von der G’schicht? Mit Wissenschaft, Intelligenz und einer gehörigen Portion Humor überlebt man auch ein Sololeben auf dem Mars. Und das ist nicht gespoilert, denn The Martian kommt so typisch heroisch amerikanisch daher, das man nie daran zweifelt, das Mark Watney in der einsamen, kargen Marslandschaft überleben wird. Selbst die spannenden Momente werden vorhergesagt (Jeff Daniels monologisiert: „… sofern nichts passiert.“ und wumms, da ham wir den Salat.) Okay, wir sehen schöne Bilder endloser öder Landschaft, aber der bis in die kleinste Nebenrolle hochkarätig besetzte Cast ist ausnahmslos verschenkt. Immerhin: Matt Damon als Tom ‚Cast away‘ Hanks Lookalike rechtfertigt das Konsumieren dieses Werkes. Darauf eine selbst gezüchtete Kartoffel. Mahlzeit!

Im schummrigen, kleinen Kinosaal meines Vertrauens gab es sowohl eine Wieder- als auch eine Neuentdeckung:

Le fabuleux destin d’Amélie Poulain (2001)

Ich hatte ganz vergessen wie zauberhaft schwebend dieses im Märchengewand erzählte Kleinod französischer Filmkunst doch ist. Die fabelhafte Welt der Amelie hat einen Rhythmus, der einen in diese illusionäre Welt der Hauptdarstellerin versinken lässt. Dafür sorgen die zarten, weichen Bilder voller Poesie und dafür sorgt vor allem auch der luftig-leichte Musikscore von Yann Tiersen. Und dann ist da noch die äußerst sympathisch-süsse Audrey Tatou, die dem ganzen Werk die butterweiche Krone aufsetzt. Fabelhafter Film, fürwahr!

American Honey (2016)

Ein Roadtrip durch die Weiten des Mittleren Westens der USA. Im dokumentarischen Stil begleitet Regisseurin Andrea Arnold die Heldin unserer Geschichte. Von der in desolaten Familienverhältnissen lebenden Teenagerin, über die Schwärmerei zu einem coolen, etwas abgedrehten Typen (Shia LaBeouf kann doch noch schauspielern.) bis hin zur Selbstfindung und emanzipatorischen Befreiung zeichnet sie den Weg von Star (Sasha Lane ist brilliant!). American Honey ist ein durchaus gelungenes Portrait eines gänzlich entmystifizierten, unromantischen Amerikas einer nur noch verschwommenen glorifizierten Vergangenheit. Allerdings mit einigen Längen, die es auszuhalten gilt.

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5 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Oktober Teil 2

  1. Nummer Neun schreibt:

    Der neue Star Wars ist einer der wenigen neuen Filme, die ich zweimal gesehen habe. Und beide Male wusste er zu gefallen! Im Gegensatz zu Maggie, der hat mich dann doch sehr gelangweilt, auch weil das Ende meiner Meinung nach sich um eine Botschaft gedrückt hat. Aber gut, so ist das bei den kleinen Produktionen, dass die Reaktionen doch recht unterschiedlich sein können.

    Zu Männerhort wurdest du doch gezwungen, oder?

  2. bullion schreibt:

    Ah, da bin ich doch sehr gespannt auf „Maggie“, den ich mir neulich erst bestellt habe. Schwarzenegger in Drama? Eine ganz neue Erfahrung… 🙂

  3. dj7o9 schreibt:

    Auf „Maggie“ freue ich mich auch schon. „The Martian“, „Coraline“, „Amelie“ und „Star Wars“ fand ich ebenfalls gut. Wir scheinen einen ähnlichen Geschmack zu haben, wie mir scheint 🙂

  4. donpozuelo schreibt:

    Endlich finde ich mal jemanden, der „Maggie“ zu schätzen weiß. Ich war auch hin und weg von dem Film. Gerade von Schwarzenegger, dem ich so eine Rolle, so einen Tiefgang, gar nicht zugemutet hätte. Toler Film.

    „Coraline“ ist auch super. Ich habe jetzt am Wochenende endlich „Kubo“ im Kino gesehen, der war auch großartig.

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