Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Dezember Teil 2

Zehn Filme in der zweiten Dezemberhälfte zeigen die eingekehrte weihnachtliche Ruhe. Da blieb dann doch endlich mal wieder genug Zeit zum gemütlichen Konsumieren so einiger filmischer Werke.

Et Dieu… créa la femme (1956)

BB (Nein, nicht der Droide!) in dem Film, der ihr zum Durchbruch verhalf. Regisseur Roger Vadim weiß Ms. Brigitte Bardot aber auch in Szene zu setzen. Erotisch-lasziv, jugendlich-ungestüm, lebensbejahend-naiv, forsch-herausfordernd zuwiderläuft die Darstellung der Frau im Film hier den damaligen gängigen Kriterien und zwar nicht nur den Anteil nackter Haut betreffend. Die Geschichte an sich ist aber weniger revolutionär als die Bilder, eher konservativ und zahm. Am Ende bleibt halt doch nur eine bezaubernd schöne Bardot in einem belanglos seichten Werk.

Star Wars: A new hope (1977)

Der Anlass der Sichtung war traurig und die nostalgischen Gefühle, die eh immer beim Schauen des ersten erschienenen Star Wars mitschwingen, waren diesmal noch stärker. Aber eines wird klar (insbesondere, wenn man sich auf alle Szenen mit Carrie Fisher konzentriert): eine unglaublich starke, präsente Frauenfigur ist diese Prinzessin Leia. Sie setzt sich gegen Raubeine durch (looking at you Han!), legt sich mit fiesen Bösewichten an (in your face, Darth Vader!) und tritt loyal und freundschaftlich gegenüber Jungspunde auf (use the force Luke!). Star Wars: A new hope schafft es sympathische Charaktere, hassenswerte Gegenspieler, amüsante Dialoge und eine ausbalancierte Story vs. Action Ebene in einem weit, weit entfernten Universum zu kreieren und ist uns dabei so unglaublich nah. Wie würde der werte Bullion schreiben: Lieblingsfilm!

Zombieland (2009)

Was liebe ich diesen Film für sein Timing, für seine großartigen Figuren, für Woody Harrelsons Macho-Attitüde, für Bill Murrays gar nicht mal so kurzen Cameo, für den Humor, für seine schnell laufenden Zombies, für den Twinkies Running Gag, für Jesse Eisenbergs Survival-Regelwerk, für den Zombie-Kill of the week und nicht zuletzt für eine anbetungswürdige Emma Stone. So machen Zombiefilme gehörig Spaß!

To write love on her arms (2012)

Es dauerte eine Weile bis ich Kat Dennings von ihrer prägnanten Rolle als Diner-Bedienung in 2 Broke Girls loslösen konnte, um dann endlich ihre Rolle als Drogenabhängige Renee Yohee auf Entzug wahrzunehmen. Allerdings nahm ich auch die bereits in sehr viel besserer Manier dargereichte Handlung wahr, die zwar gern in einem dreckigen Milieu spielen, aber irgendwie nicht auf glänzend polierte Bilder verzichten wollte und dabei gnadenlos verlor. Man hatte ständig das Gefühl einem Werbefilm der Organisation, die dem Film ihren Namen gab, zu folgen. Das ist schade, denn die Darsteller agieren durchaus echt und retten somit ein wenig über die Inszenierung hinweg.

This is the end (2013)

Muss ich eigentlich mehr sagen als: Es ist ein Seth Rogen Film? Nein? Gut.

Okay, ich will mal nicht so sein: This is the end hat so ein bisschen den From dusk till dawn Effekt im Blut. Er beginnt ganz anders als er sich dann im Verlauf entwickelt. Damit hören dann aber auch schon die Gemeinsamkeiten auf. Denn hier bekommen wir überdrehte Charaktere zu sehen (köstlich: Jonah Hill, selbstironisch: James Franco, so wie immer: Seth Rogen, den brillantesten Kurzauftritt fabrizierend: Emma Watson), die durch ein apokalyptisch-chaotisches Setting ’spazieren‘. Wir lauschen den markigen und stets zotigen Dialogen. Klatschen uns an die Stirn ob der idiotischen Aktionen. Und rauchen entspannt einen Joint. Was man halt so macht bei einem Seth Rogen Film. Ihr seid (wie immer) gewarnt.

Krampus (2015)

Apropos gewarnt: Wer Weihnachten mal so richtig versauen will, schaue sich einfach dieses Werk an. Krampus ist zwar solider Grusel mit einem Touch Komödie, aber beides will in Kombination nicht so recht zünden. Die Schauspieler geben sich redlich Mühe (Toni Colette ist immer einen Blick wert), die krampusschen Wesen sehen auch gut animiert aus. Dennoch ist das alles zu wuselig, zu aufgedreht, ein zu großes Wirrwarr. Als ob der Regisseur Michael Dougherty zwar wußte was er will, dabei aber das Drehbuch völlig außer Acht ließ und einfach mal Action rief.

Highway to Hellas (2015)

Culture Clash Inszenierung in deutschen Komödien? Das kann klappen, kann aber auch gewaltig in die Hose gehen. Highway to Hellas sortiert sich eher in die zweite Schublade ein. Das fängt ja schon beim Filmtitel an und macht vor den nur so nach Klischee und Stereotypen riechenden Charakteren keinen Halt. Faule, schlitzohrige Griechen versus pedantisch-beamtisch agierender Deutscher. Und wer könnte solch einen Deutschen besser mimen als Christoph Maria ‚Stromberg‘ Herbst? Eben. Und wo der Filmtitel schon uninspirierten Klamauk ankündigt, setzt der Film dies dann auch konsequent in die Tat um. Geschenkt!

Boy 7 (2015)

Noch ein deutscher Film, dem man seine Herkunft jedoch nicht ansieht. Das hängt zuvorderst mit dem Genre zusammen: eine Mischung aus SciFi und Thriller. Nicht gerade das klassische deutsche Filmsujet. Das hängt aber auch mit der Art der Inszenierung zusammen: sehr amerikanisch, sehr modern, sehr straight forward mit zwei sympathischen Protagonisten. Zum einen David Kross, der seit Krabat (der coolere Krampus!) auch international zu Filmehren gelangte und zum anderen Emilia Schüle, die mich seit ihrer famosen Rolle im Doppel-Tatort – Wegwerfmädchen/Das goldene Band begeistert. Boy 7 hat so seine Momente, vor allem auch visuell. Die Handlung hätte aber stellenweise nicht allzu plump und vorhersehbar erzählt werden müssen.  

The Jungle Book (2016)

Hach, den musste ich leider in der deutschen Synchro schauen (weil in Familie), womit sich der eh schon nur sehr kurze Auftritt der Schlange Kaa nicht mal auditiv gelohnt hat. Die Neuverfilmung des alten Disney-Klassikers hat sich allerdings schon gelohnt. Respekt vor dem jungen und einzigen ‚lebenden‘ Schauspieler des Films. Großartige Leistung, dieses Anspielen gegen den GreenScreen. Und Hut ab vor den CGI-Tieren. Das sieht schon ziemlich echt aus, was einem da in Gestalt von Bagira, Louie und Balu so über den Weg läuft. The Jungle Book überzeugt visuell auf ganzer Linie. Ich mag auch die stringent erzählte Geschichte. Nur das avisierte Publikum ist definitiv nicht minderjährig, dafür erscheint der Film zu düster, zu brutal, zu actionlastig. Kinder sollten dann doch lieber das über alle Zweifel erhabene Original konsumieren.

Gotthard (2016)

Ein TV-Zweiteiler im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das ein historisches Ereignis erzählen will? Folgende Rezepturen sind dafür unabdingbar: Eine permanent schmalzig unterlegte, weil dramatische Szenen erzeugen wollende Musik. Ein Liebespaar, das unter widrigen Umständen sich kennenlernt, durch eine dritte Instanz (nicht zwingend menschlicher Natur) getrennt und im Verlauf aufgrund tragischer (wahlweise heldenhafter) Ereignisse dann doch wieder zueinander findet. Ein historisch belegbares Setting, das grundsätzlich nur als Nebenfigur fungiert (weil die lieblichen Protagonisten ja irgendwie ihre Daseinsberechtigung haben wollen). Ein bis zwei unsympathische, weil auch immer so agierende, Gegenspieler. Fertig ist das Werk. Gotthard nutzt das alles in Gänze und bringt sich damit selbst um die durchaus guten Ansätze. Dabei hätte die Konzentration auf zwei andere Charaktere (die weibliche Arbeiterin im Tunnelbau und der alte Fuhrunternehmer) soviel mehr Potential gehabt (nur eben keine anscheinend so unabdingbare Liebesgeschichte). Sehr schade.

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5 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Dezember Teil 2

  1. Wortman schreibt:

    Wünsch dir/euch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Wir lesen uns 😉

  2. bullion schreibt:

    Schön, dass dir „This is the End“ anscheinend gefallen hat. Ich fand ihn – für das was er ist – auch klasse und mochte die Meta-Ebene sehr.

    Einen guten Rutsch dir! 🙂

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