#52FilmsByWomen: Tank Girl von Rachel Talalay

„I’m too young for this shit.“

Das Mädel und ihr Panzer. Eine Liaison der besonderen Art. Und ein Film der besonderen Art. Tank Girl ist eine Comicverfilmung in bunter, schriller, durchgeknallter, lauter, hibbeliger, wirrer und ständig in Bewegung befindlicher Manier. Oder sollte man eher Manie sagen? Und so wie der Film ist auch das Mädel und ihr Panzer. Lori Petty als Tank Girl crasht den Film. So überdreht, so überakzentuiert, so überpräsent, so überzeichnet. Mit einem niemals enden wollenden Redeschwall donnert sie durch diesen Film. Das erzeugt beim geneigten Zuschauer entweder sehr schnell ein genervtes Augenrollen und WTF-Gefühl oder lässt einen gebannt und mit den Augen am Bildschirm klebend dem Schauspiel der Dame begeisternd folgen. Auf mich trifft letzteres zu. Lori Petty fasziniert ungemein. Selbstbewusst, frech, unabhängig, niemals resignierend. Wer eine starke Frauenfigur im Film sucht, wird bei Tank Girl fündig. Und wir reden hier von den filmischen 1990er Jahren, wohlgemerkt.

Überhaupt: Das Werk wird weiblich dominiert. Die männlichen Parts bilden nur kurze Anekdoten oder sind dümmlich bis arrogant (der Bösewicht alias Malcolm McDowell). Die Frauen bestimmen die Szenerie. Neben Ms. Petty sehen wir eine noch blutjunge Naomi Watts in der Sidekick-Rolle Jet Girl, gerettet wird eine kleines Mädchen. Verblüffend, das der Comic von Männern stammt. Obwohl, vielleicht wiederum auch nicht. Denn einer der großen Kritikpunkte des Films war es immer, ihm männliche, erotisch aufgeladene Teenager-Phantasien anzudichten (und somit den emanzipatorischen Ansatz ad absurdum zu führen). Okay, ist was dran: Sexy Protagonistin mit Megawummen und einem Panzer. Bedient natürlich pubertierende Jungs par excellence. Ist aber maßlos übertrieben, weil einfach nicht zwingend nachvollziehbar.

Dennoch bleibt ein zweigespaltenes Bild: Tank Girl ist ein überambitioniertes Werk, das an einigen Stellen zu viel will und dabei gnadenlos verliert. Ein hektischer Schnitt, eine chaotische Story, diverse Handlungslöcher, visueller Overload. Man könnte extrem viel bemängeln. Man könnte sich aber auch einfach dem Fluss der Bilder ergeben. Sich dem köstlich anzusehenden Mädel und ihrem Panzer anvertrauen und in dem Wirrwarr aus Real- und Comicstil versinken. Und man könnte behaupten, das geht hier besonders gut. Denn den wohl wichtigsten Punkt von Rachel Talalays wuseligem Werk Tank Girl habe ich mir bis zum Ende aufgespart:

Was für ein großartiger Soundtrack durchzieht diesen Film! Exzellentes 1990er Indie- und Alternativematerial. Federführend für die Musik im Film ist Courtney Love. Unter anderem musikalisch erklingend die isländische Ikone Björk. Noch mehr Frauen! Da schließt sich der Kreis.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

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8 Antworten zu #52FilmsByWomen: Tank Girl von Rachel Talalay

  1. Morgen Luft schreibt:

    Ich hätte auch so Lust auf diese Aktion! Aber ich wei- gerade nicht, ob das zeitlich schaffbar ist oder sic dann unendlich ausdehnen wird

    • Stepnwolf schreibt:

      Deshalb habe ich im letzten Jahr schon ein wenig vorgeschaut. Für die Momente, wenn ich mal wieder so gar keine Zeit finden werde. 🙂

      • Morgen Luft schreibt:

        Clever. Ich schau mal. Wenn ich die nächsten zeitlichen Hürden einigermaßen hinter mich gebracht habe, komme ich drauf zurück. Finde es sehr schön, dass es einen Blog in dieser Runde gibt, der sich dessen annimmt. Mit ist zumindest sonst keiner bekannt

        • Stepnwolf schreibt:

          Mir auch nicht. Ich finde die weiblichen Regisseure eh etwas unterrepräsentiert in der Filmblogosphäre (sage ich als Mann). Sind halt doch meist die Blogbuster, die rezensiert werden und da sieht es dann bei den Frauen wieder ziemlich mau aus. Aber immerhin ein großer Blogbuster (weil Comic-Verfilmung) hat dieses Jahr eine Regisseurin am Start: Wonder Woman. Bezeichnenderweise mit einer Superheldin als Protagonistin. 😉

  2. friedlvongrimm schreibt:

    Ein Herz für Tank Girl. Der Soundtrack ist soooo gut und der Film ist wirklich sehr trashig, aber ich liebe ihn. Frage mich manchmal, was man heutezutage aus dem Stoff grausiges machen würde. Da würde bestimmt keine Lori Petty besetzt werden. Übrigens hatte ich mich sehr gefreut, als die Dame sich bei OITNB zur Besetzung gesellte.

  3. Pingback: #52FilmsByWomen: The Poker House von Lori Petty | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

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