#52FilmsByWomen: Zipper von Mora Stephens

Der Film läuft nur noch knapp zwanzig Minuten als das passiert, was zuvor fast gänzlich vernachlässigt wurde: eine spannende Prämisse auch spannend umzusetzen. Denn zu diesem Zeitpunkt geschieht etwas mit dem Verhältnis Moral und Macht und dem Verlust der einen um die andere zu gewinnen. Viel zu spät nimmt Zipper Fahrt auf. Denn die gesamte Zeit zuvor – um es gelinde zu sagen – verplempert der Film sein Potential, das zweifellos in ihm steckt. Das liegt zum einen an der Uneindeutigkeit auf Seiten der Regisseurin Mora Stephens den Fokus der Erzählung zu finden und zum anderen an der im Grunde dann doch zu lapidar und lustlos dahin geworfenen Geschichte.

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„Everyone’s got a dark side.“

Zipper stellt uns den Protagonisten Sam Ellis vor, der nach außen hin hochglanzpoliert erscheint: glückliche Familie, angesehener Job, schönes Leben. Doch unser Protagonist hat eine dunkle Seite, denn er ist sexsüchtig und kompensiert dies über kostspielige Escort-Damen. Hier ist Mora Stephens bereits inkonsequent, hätte sie doch die Sexsucht (durchaus eine diagnostizierbare Krankheit) und den Umgang damit thematisieren können. Macht sie aber nicht. Dafür bedient der Film eher die voyeuristische Schiene und bietet dem geneigten Zuschauer viele schöne Körper mit wenig Stoff verhüllt. Das ist zu billig und abgedroschen, weil so schon zu oft gezeigt. Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten verschenkten Ansatzpunkt: der moralischen Verwerflichkeit der Handlungen des Protagonisten und die sich daraus ergebenen Konsequenzen gegenüber der eigenen Familie – insbesondere der Ehefrau – und in Bezug auf seine öffentliche Wahrnehmung im beruflichen Alltag. Diese Geschichte zu präsentieren, hätte dem Film durchaus gut getan. Die Mixtur aus beidem zerstört jedoch jegliche Hoffnung auf einen vergnüglichen Filmgenuss.

Dabei kann man dem Schauspieler-Ensemble die nötige Präsenz gar nicht absprechen. Denn sowohl Patrick Wilson als aalglatter, berechnender, stellenweise eiskalt handelnder, dann aber auch systematisch an sich zweifelnder Sam Ellis als auch Lena Headey als zuerst warmherzig, wohlige und später emotional nicht minder verwerflich agierende Ehefrau Jeannie Ellis machen eine gute Figur. Gerade auch die Reaktion und Aktion der hinters Licht geführten Ehefrau lässt generelle Zweifel an der ethisch korrekten Vorgehensweise erkennen, prangert damit aber gleichzeitig den hohen Einfluss zum Zugang zu bis dato nicht gekannter Macht offenkundig an. Und hier sind wir wieder am eingangs erwähnten Zeitpunkt der endlich aufgebauten Spannung. Für Zipper kommt dies zu spät. Dafür hat sich Mora Stephens eben doch zu sehr und zu intensiv auf die visuelle Ausstellung körperlicher Reize konzentriert und darüber ihr eigentliches erzählerisches Anliegen vergessen. Schade drum…

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

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