Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Januar Teil 2

The Interview (2014)

Seth Rogen und James Franco zusammen in einem Raum? Das geht gar nicht, denn denen fällt dann doch grundsätzlich irgendein Nonsens ein, den es als Film zu verarbeiten gilt. Zum Beispiel The Interview. Klamauk und skurrile Einfälle, gepaart mit einem dermassen überdrehten Franco in der Rolle des TV-Moderators Dave Skylark und einem mal wieder sich selbst spielenden Rogen als sein Produzent. Es gibt natürlich ein paar gar feine Ideen und auch wenn der Humor sich typischerweise zumeist unter der Gürtellinie bewegt, geht dennoch ein seltsam verschrobenes Faszinosum von diesem Werk aus. Alles schreit förmlich nach ‚Was ist das nur für ein Blödsinn?‘, um dann doch anerkennend mit dem Kopf zu nicken und zu denken ‚Irgendwie packen einen diese Art von Filme doch an den richtigen Nervenenden, um sich passabel unterhalten zu fühlen.‘ Crazy but true.

Captain America: Civil War (2016)

Vorweg: Immer noch #TeamIronMan. Was sonst? Auch im Rewatch gefällt mir vor allem das Timing und die eleganten Wechsel zwischen temporeichen Actionszenen und ruhigen Elementen. Da macht Marvel keiner was vor. Auch die Einführung neuer Figuren gelingt mühelos, selbst wenn deren Charakterisierung eher marginal ausfällt. Die vielen kleinen Anspielungen auf andere Filme des Franchise sind natürlich nur spaßig, wenn man diese Werke auch gesehen hat. Aber wer hat das nicht? Das potentielle Publikum von Captain America: Civil War definitiv. Die Russo-Brüder wissen wie Fan-Service funktioniert. Und der dritte Captain America-Streich weiß dem Fan alle wichtigen Ingredienzen zu servieren. Na dann Mahlzeit.

Captain Fantastic (2016)

Hach, was mag ich diesen kleinen, wunderbaren Road Trip Film, bietet er doch alles, was zu einem Werk dieses Genres dazu gehört: visuell ansprechende Landschaftsbilder, etwas verquere Figuren, eine Mission und einen Protagonisten, der sich auf der Reise zu sich selbst befindet. Viggo Mortensen mimt diesen einsiedlerischen, intelligenten Überlebenskünstler so lebensecht, mit emotionaler Inbrunst, das man nur bewundernd zuschaut. Hinzu kommt die punktgenaue Interaktion mit seinen Kindern, die alle ihre kleinen spleenigen Macken haben, aber als ganze Familie so ungemein sympathisch auftreten. Da verzeiht man auch die offensichtlichen Erzählstränge, die für das Erreichen des filmischen Ziels nicht obligatorischer sein könnten (inklusive der Rasur als Metapher auf das sich trennen vom alten um sich neuen Wegen zuzuwenden). Geschenkt. Weil Captain Fantastic mich zu diesem Zeitpunkt schon längst um den Finger gewickelt hat.

Auch in der zweiten Januarhälfte zog es meine Wenigkeit in eines der nahegelegenen Lichtspielhäuser, um diese Werke zu begutachten:

Arrival (2016)

Kennt ihr dieses Gefühl im Kinosessel zu sitzen, der Film geht los und man ist von der ersten Sekunde an im Film gefangen, bewegt sich auf einer euphorischen Welle, lässt sich mit dem Rhythmus treiben, geniesst die erzählerische Inbrunst und erwacht nach zwei Stunden aus einem rauschenden Traum? So geschehen bei Arrival. Und das ganz ohne Action, Gewalt und heldenhafte Rettungsmissionen. Allein durch die Kraft der Bilder (wieder einmal: Chapeau Mr. Villeneuve!) in Kombination mit dieser unglaublich enervierenden Musik, die atmosphärisch eine Punktlandung macht (wieder einmal: Chapeau Mr. Jóhannsson!). Allein durch eine dermassen präsente Amy Adams, die die Last der zu erzählenden Geschichte fast vollständig auf ihren schmalen Schultern trägt und uns mitnimmt. Uns an die Hand nimmt. Uns durch den Film geleitet. Danke dafür.

La La Land (2016)

Ja, das ist handwerklich ein toller Filmanfang. Ja, das sind so unglaublich satte Bilder in so vielen diversen Farbkombinationen, perfekt der jeweiligen Situation angepasst. Ja, die Lieder können den Ohrwurmcharakter nicht verbergen. Ja, Emma Stone und Ryan Gosling harmonieren als sich findendes Paar im Moloch Los Angeles ausgesprochen gut. Ja, man hat den gesamten Film über ein wohliges Dauergrinsen im Gesicht. Ja, der Film kann Spaß machen. Hat er auch. Und dennoch bleibt das Gefühl zurück nichts Aussergewöhnliches gesehen zu haben. Weder eine interessante Geschichte, noch eine intelligente, einzigartige Atmosphäre. Weder herausragende Akteurleistungen (beide Protagonisten können sehr viel mehr), noch imposante, innovative Szenerien. Es manifestiert sich das Gefühl mit nostalgisch-romantisierten Bildern einer Märchenwelt eingelullt worden zu sein. Aber hey, kann ja auch mal ganz schön sein zu träumen.

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11 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Januar Teil 2

  1. Morgen Luft schreibt:

    Vollste Zustimmung zu La La Land und natürlich auch zu Arrival. Höre den Soundtrack ständig auf Spotify. Und diese Sogwirkung hatte ich auch lange nicht mehr bei einem Film

  2. donpozuelo schreibt:

    Ich teile deine Gedanken zu „Arrival“ und „La La Land“ 😀

  3. friedlvongrimm schreibt:

    Komm zu mir, zur dunklen Seite der Macht, wo die Hater von „La La Land“, also ich, sitzen.

  4. trallala schreibt:

    Ich hatte mit Arrival inhaltlich betrachtet ein ganz dolles Problem, was alles andere für mich kaputt gemacht hat. Ich fand die Grundidee vermutlich einfach zu interessant 😉 Wie kommuniziert man denn mit einer Spezies, die sich KOMPLETT von unserer unterscheidet, bei der man nicht einmal die biologische Zusammensetzung kennt? Sehen die in Farbe? Sehen die überhaupt? Können die fühlen? Riechen? Wenn ich auf etwas zeige, checkt das Alien dann, dass ich auf etwas hinweise oder denkt es ich strecke nur den Arm aus? usw usw.. Ich hab mich echt gefragt, wie die das lösen. Dann kommt Amy Adams mit ihrem Wipe Board und dem Edding und ich dachte so „och nö“. Von da an ging es für mich nur bergab und wurde immer lächerlicher. Ganz zu schweigen von dem absolut unnützen Physiker an Bord. Der hätte in der Geschichte nun wirklich mehr beitragen können, als er getan hat. Ich könnte noch ausschweifender werden, was ich alles als Lücken des Films empfunden habe, aber so reicht das erstmal schon. Wollte nur meinen Senf abgeben 🙂

    • Stepnwolf schreibt:

      Danke für den Senf. *Würstchen ess*
      Wieso, der Physiker hatte doch eine extrem wichtige Rolle, die ich hier jetzt nicht schreiben darf, weil ich sonst spoilere. 😉 Aber, du hast schon recht. Der Physiker ist eigentlich irrelevant für die Geschichte. Und ja, man könnte natürlich daran Anstoss nehmen, das eine intelligente Grundidee dann so plump umgesetzt wird, aber das genaue, technische ‚Wie‘ der Kommunikation war wahrscheinlich nicht vorrangiges Thema des Films, sondern eher das Warum.

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