#52FilmsByWomen: Die Erfindung der Liebe von Lola Randl

Diese Präsenz ist magisch. Die Kamera klebt an ihr, liebt sie, will sie ständig einfangen und in ihrem kadrierten Rahmen festhalten. Bändigen geht ja einfach nicht. Nicht wirklich zumindest. Maria Kwiatkowsky dominiert die Bilder. Es ist ein unendliches Spiel mit der Kamera. Ein echtes Gefühl von Zuneigung zwischen Künstlerin und Bild. Man muss diesem Schauspiel fasziniert zusehen und sich gleichzeitig schwermütig daran erinnern, das man sie nie wieder wird sehen können, in anderen Rollen. In ähnlicher, magischer Präsenz. So offen auf dem filmischen Tablet serviert wie hier in Die Erfindung der Liebe der deutschen Regisseurin Lola Randl. Nie wieder.

maria-kwiatkowsky

„Die Liebe ist eine literarische Erfindung.“

Die Kamera spielt im Film eine gewichtige Rolle, wird die Geschichte doch vor und hinter eben jener erzählt. Und das aus der Not heraus, denn Lola Randls Werk war so wie es sich einem nun präsentiert gar nicht geplant. Aufgrund des Todes der Hauptdarstellerin musste jedoch das komplette Drehbuch umgeschrieben werden. Heraus kam ein filmisches Experiment das ein letztes Mal das unglaubliche Ausnahmetalent von Ms. Kwiatkowsky offenbart. Heraus kam aber auch ein der Filmbranche die Maske der Oberflächlichkeit und arroganten Selbstbeweihräucherung herunterreissendes Unikat. Hinter der Kamera entspinnt sich die Geschichte um die Frage der Vollendung eines Filmes, dem die Protagonistin abhanden gekommen ist und wie so ziemlich jeder am Set eigene Pläne zur Erreichung des Zieles ausheckt. Vor der Kamera verarbeitet Lola Randl die originale Story des Betrügerpärchens, das sich bei einer reichen Dame einschleicht um sich deren Liebe und damit einhergehend ihr Geld zu erschleichen. Leider verliebt sich der Freund von Emily (Maria Kwiatkowsky) tatsächlich in Amine von Kirsch und sieht sich nicht mehr an den hinterlistigen Plan gebunden. Sunnyi Melles als feine Dame von Welt (vor der Kamera) und Schauspielerin Claudia (hinter der Kamera) interpretiert beide Rollen mit wunderbarer Leichtigkeit und bildet somit die einzige ebenbürtige Performance zum überirdisch erscheinenden kwiatkowskyschen Schauspiel. Deren Figur Emily wiederum wirkt stellenweise der Welt entrückt. Poltert, integriert und kolportiert. Und ist dabei in jeder Sekunde körperlich präsent, das es mitunter schmerzt. Dem schaut man gebannt, fasziniert und auch ein Stück weit erschrocken zu, kann sich dem Sog der Darstellung jedoch niemals vollständig entziehen.

Die Erfindung der Liebe entpuppt sich als Film auf verschiedenen Ebenen, der trotz der notgedrungen zusammengefrickelten Geschichte insgesamt sehr stimmig und in einem Fluss daherkommt. Vielleicht ist der Film der Tragik bedingt sogar besser geworden als die Originalidee jemals hätte werden können. Eines steht auf jeden Fall fest: Egal ob Originalidee oder Endfassung, bestimmt werden beide Versionen von der nicht mehr unter uns weilenden Maria KwiatkowskyLola Randl und ihre Kamera setzten ihr mit Die Erfindung der Liebe ein erinnerungswürdiges Denkmal. Dafür gebührt ihr Dank.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Erde, Mensch abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu #52FilmsByWomen: Die Erfindung der Liebe von Lola Randl

  1. dj7o9 schreibt:

    Basiert das auf Henry James‘ „Wings of the Dove“ – klingt ganz ähnlich. Hört sich auf jeden Fall nach einem interessanten Film an, den ich mir gleich mal auf die Liste packe 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s