#52FilmsByWomen: Things we lost in the fire von Susanne Bier

Wie geht man mit dem plötzlichen, unerwarteten Verlust eines geliebten Menschen um? Dem Tod des Ehemannes, Freundes, Vaters? Wohin mit der unfassbaren Trauer? Wie soll man einen derartigen, ohne Vorwarnung eingetretenen Schicksalsschlag verarbeiten? Things we lost in the fire nähert sich diesem Thema an, versucht die Fassungslosigkeit der Situation in Bildern einzufangen und gibt dem Gefühlschaos eine visuelle Plattform. Das dies für den Rezipienten keine leichte Kost darstellt, sollte vorweg unbedingt klar sein.

Things We Lost In The Fire

Willst du mein Freund sein Jerry?

Susanne Bier hat ein Gespür für Atmosphäre. Für den richtigen Moment. Für die optimale Kameraposition in der jeweiligen Situation. Ihre Bildästhetik konzentriert sich zumeist auf den Menschen, geht nah ran, kriecht mitunter in die Haut und provoziert dadurch beim Zuschauer eine emotionale Involviertheit, die schmerzhaft sein kann, vor allem angesichts des zu erzählenden Sujets. Demgegenüber stehen Bilder in respektabler Distanz, deren Wirkung genau dies auch suggerieren soll: die distanzierte, beobachtende Betrachtung der Handlung und die daraus resultierende Reflexion über das Gesehene. Die Wechselwirkung zwischen beiden visuellen Spielarten erzeugt einen Sog, der in den Film hineinzieht. Einen Strudel, der ebenso undurchsichtig und chaotisch ist, wie die Gefühle der agierenden Darsteller. Die Bilder drücken Things we lost in the fire den Stempel auf, hinterlassen beeindruckende und eindrückliche Szenen, sehen manchmal – aber dann doch auffällig – leider jedoch zu ‚gelackt‘ und steril aus. Ein Zugeständnis an die amerikanische, hollywoodeske Sehgewohnheit? Oder doch tatsächlich von der Regisseurin so gewollt? Auf jeden Fall trübt es ein wenig den visuellen Gesamteindruck.

Aber Susanne Bier hat ja auch ein Gespür für Charaktere und deren Einbindung in die Handlung. Und mit den beiden Protagonisten Halle Berry und Benicio del Toro stehen ihr zwei ausgezeichnete Akteure zur Verfügung, deren Schauspiel die bereits gelobten Bilder mit Leben erfüllt. Letzterer übrigens mit einigen Längen Vorsprung nuancierter und variabler als Erstere. Halle Berry überemotionalisiert stellenweise doch extrem und erreicht dadurch das Gegenteil der eigentlichen Intention. Del Toros smoothes, getragenes Agieren macht diesen Fauxpas jedoch wett, so daß der Film in summa trotz einiger zu breit gezogener, überflüssiger Minuten gefallen kann. Aber auch hier sei erwähnt, das die Handlung mitunter etwas überfrachtet erscheint, zu viele offene Baustellen errichtet, auf deren Fertigstellung zu lang oder gleich gar nicht gewartet werden muss. Das es für die eingangs gestellten Fragen im Film keine adäquaten Antworten zu geben scheint, ist dabei nur konsequent. Denn genau das ist das Problem: Es gibt kein Allheilmittel, kein Rezept, nicht den einen plausiblen Weg des Umgangs mit einem solchen endgültigen Ereignis.

Schön zu sehen, das Susanne Bier bei ihrem Werk Things we lost in the fire – auch wenn sie in den gezeigten Bildern dem amerikanischen Sehverständis Tribut zollt – dem Zuschauer ein offensichtliches (hollywoodianisches) Ende verweigert und somit dem eher europäischen Erzählen treu bleibt. Denn auch das gehört bei einem solchem Thema dazu: Die Erkenntnis, das nicht auf jeden Schicksalsschlag ein allumfassendes Happy End folgt. So ist das Leben nun einmal nicht. Ganz und gar nicht.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

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3 Antworten zu #52FilmsByWomen: Things we lost in the fire von Susanne Bier

  1. friedlvongrimm schreibt:

    Ich finde Susanne Bier hat zugleich immer etwas angenehm emotionales, aber auch sehr sprödes in ihrer Umsetzungsart. Und ich liebe die Szene einfach mit meinem ganzen Herzen:

    • Stepnwolf schreibt:

      Das ist gut ausgedrückt. Habe ja mittlerweile im Zuge der Aktion noch einen weiteren Film von ihr gesehen und der ist inszentorisch ähnlich umgesetzt. Man kann bei ihr wohl von einer erkennbaren filmischen Handschrift sprechen, im positiven Sinne.

  2. Pingback: Maximum Medium Overload Episode Seven | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

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