#52FilmsByWomen: Me before you von Thea Sharrock

Es brauchte schon so ein paar Minuten, bevor ich die Schauspielerin von der Rolle trennen konnte. Emilia Clarke – Khaleesi, Mother of Dragons etc. pp. – ist hier in diesem Filmdebüt der Regisseurin Thea Sharrock kaum wieder zu erkennen, äußerlich sowieso nicht (Wo sind sie hin, die schönen weißen Haare?) und charakterlich erst recht nicht. Ihre gezeichnete Figur Louisa Clark ist aber auch eine echt spleenige, ziemlich verrückte, dabei aber – natürlich gerade aufgrund dieser Macken – liebenswerte Person. Und diese Ms. Clark(e) ist es auch, die den Film Me before you zu großen Teilen trägt.

Ein ganzes halbes Jahr

There’s a New Girl in the house

Denn die Geschichte ist trotz der tragischen Konstellation und dem – soviel darf man dann ruhig verraten – nicht vorhandenen Happy End eine klassische Liebesgeschichte. Mit den klassischen Entwicklungsstadien, die damit einher gehen. Mit der typischen musikalischen Untermalung in Form von Popballaden mit passenden Textzeilen zum visuellen Erlebnis. Da ändert auch die Behinderung und somit das Handicap des männlichen Protagonisten nichts dran, das sich die andere in ihn und vice versa verliebt.   Thea Sharrock erlaubt sich keine Überraschungen. Die Handlung folgt einem vorbereiteten und allzuoft vorhersehbaren Ablauf. Inwieweit sich dabei Unterschiede zur Buchvorlage zeigen, kann ich nicht näher beleuchten. Dafür fehlt mir das Wissen um den Roman. Allerdings ist Me before you dadurch weitestgehend spannungslos, womit die Schauspieler auch allzuoft zu kämpfen haben.

Dennoch: Emilia Clarkes Figur ist natürlich ein Geschenk, kommt sie doch irgendwie als Mischung aus Fran Drescher (in The Nanny) und Zooey Deschanel (in New Girl) daher. Dieser sympathische Charakter, wunderbar interpretiert durch Clarkes erkennbare Spielfreude, wertet den Film ungemein auf. Alle anderen Akteure – und es sind einige bekannte Gesichter darunter – sind zwar anwesend, verlieren aber doch einiges an Farbe (ein Schelm, der dabei an Louisas Kleiderwahl denkt) gegenüber dem dominanten Schauspiel der Protagonistin. Me before you versucht eine neue Liebeskombination zu etablieren, appelliert dabei an die tragischen Umstände, die trotzdem überwunden werden können, bleibt jedoch immer nur oberflächlich, insbesondere was die Thematisierung der Behinderung und die Entscheidung über das eigene (Weiter-)Leben betrifft. Hier hätte Thea Sharrock mutiger vorgehen können, auch und gerade weil somit ihr Debüt sehr viel dramatischer und weniger schnulzig geworden wäre. Hat sie aber nicht getan, so dass im Endeffekt ein solides, aber kein erinnerungswürdiges Werk entstanden ist. Eben doch nur eine klassische Liebesgeschichte. Nicht mehr und nicht weniger.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Erde, Mensch abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu #52FilmsByWomen: Me before you von Thea Sharrock

  1. Carolin Hafen schreibt:

    Ich habe das Buch gelesen und den Film gesehen. Ich finde ihn gut gelungen, einziges Manko ist der Umstand, dass Emilias Geschichte (ihr Handlungsstrang) im Film praktisch nicht vorkommt. Schade.

  2. friedlvongrimm schreibt:

    Ich finde die Schauspieler haben aus dem Dreck echt das Beste herausgeholt. Ich finde die Geschichte wirklich auf allen Ebenen falsch. Und jetzt darf ich mir mit meiner Biene-Maja-Strumpfhose auch noch Vergleiche anhören. Püh.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s