#52FilmsByWomen: Keiner liebt mich von Doris Dörrie

Was setzt uns die werte Doris Dörrie mit diesem Werk nur für ein seltsames Konstrukt von Film vor die Nase? Es beginnt eigentlich sehr ruhig und erzählerisch stringent, wenn die Regisseurin uns Fanny Fink, die Protagonistin von Keiner liebt mich, vorstellt und den Zuschauer näher in deren inneres Gefühlschaos einblicken lässt. Fanny – herrlich frisch und ungezwungen interpretiert von Maria Schrader – ist unglücklicher Single, ein klein wenig exzentrisch veranlagt und ständig eher melancholisch-depressiv umher wandelnd. Ihre Arbeit macht Fanny keinen Spaß, ein erfülltes Privatleben besteht darin einen Kurs zum ‚richtigen Sterben‘ zu besuchen, Freunde hat sie so gut wie keine und dann lebt sie auch noch in einem Wohnblock, der ungefähr so lebensmüde aussieht, wie sich Fanny fühlt. Wenn das mal nicht fantastische Voraussetzungen für einen lustigen Film sind.

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Ich würde mich auch nicht in mich verlieben, wenn ich sie wäre.

Dann lernt die Heldin der Geschichte ihren nicht weniger seltsamen Nachbarn kennen. Orfeo ist selbsternanntes Medium, Voodoo- und Okkultismus-Fan und nicht von dieser Welt – im wahrsten Sinne des Wortes. Er gibt ihr diesen Funken zur Selbsterkenntnis: Lerne erst einmal dich selbst zu lieben, bevor du überhaupt daran denken kannst, jemand anderen zu lieben. Fanny wacht auf und Keiner liebt mich switcht in eine Erzählebene, die ständig zwischen surrealen Traumbildern und staubtrockenen (visuell und narrativ) Szenen changiert. An diesem Punkt wird es schwer der Erzählung noch rational folgen zu können. Jede Entscheidung provoziert den Gedanken, das es sich doch wieder nur um so ein Hirngespinst der Hauptdarstellerin handeln muss. Das ist mitunter zwar ganz amüsant, zerstört aber den so liebevollen, atmosphärisch und menschlich echt wirkenden Beginn des Films. Die so realistisch gezeichnete Hauptfigur verliert ein Stück weit ihren sorgsam aufgebauten Charakter und schwebt losgelöst in skurrilen Bildern durch dieses Werk.

Apropos Bilder: Die sind wunderbar inszeniert, in einem Spektrum vom dunkel-düsteren blassen Teint (im so tollen Anfang des Films) bis zu quietschbunten, bonbonfarben fotografierten Settings (wenn Keiner liebt mich wieder ins Irreale abdriftet). Das kann wirklich gefallen, weil es Doris Dörrie so gelingt, Fanny Finks emotionales Chaos gekonnt auf die Bildebene zu projizieren. Sowieso muss man unumwunden gestehen, das alle Figuren im Film in ihrer skurrilen Andersartigkeit dennoch einen einfach nur liebenswerten Eindruck hinterlassen, die die erzählerischen Ungereimtheiten und den übernatürlichen Aspekt stellenweise vergessen machen. Aber leider den Film nicht in voller Gänze tragen können.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

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2 Antworten zu #52FilmsByWomen: Keiner liebt mich von Doris Dörrie

  1. Morgen Luft schreibt:

    Der Trailer sieht interessant aus und auch, was du beschreibst. Setze ich mal auf meine Liste.

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