#52FilmsByWomen: Into the Forest von Patricia Rozema

Die Exposition ist kurz und knapp und skizziert oberflächlich eine von digitaler Technik dominierte Welt in ziemlich naher Zukunft. Abhängig von einer Ressource, die noch gar nicht so lange der Menschheit zur Verfügung steht: Energie. Die ist auch fix gekappt und eben so schnell sind auch unsere beiden Protagonistinnen – Nell und Eva – von jeglicher zivilisatorischer Errungenschaft abgeschnitten, isoliert in einem Haus, das fernab größerer Siedlungen steht und aufgrund tragischer Umstände des so ziemlich einzigen positiv konnotierten männlichen Charakters beraubt und auf sich allein gestellt. Grundsätzlich ist damit ein Setting geschaffen, das viele mögliche Alternativen der Erzählung erlaubt. Patricia Rozema entscheidet sich nur irgendwie für eine eher suboptimale Variante, wenn sie Into the Forest ankündigt, aber niemand so richtig in den Wald geht.

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Mehr Tanz- denn Überlebenstraining

Dabei beginnt Into the Forest vielversprechend. Die dystopische, dichte Atmosphäre wird durch einzelne, aussagekräftige Bilder (stehengebliebene Autos, verwaiste Straßen und Häuser, leergeräumte Discounter) manifestiert. Bilder, die man aus genreverwandten Filmen kennt und somit definitorische Wirkung erzielen. Hektik und Chaos, die man schlechterdings derlei Filmen attestiert, werden völlig ausgeblendet, weil die Schwestern Nell und Eva genau diese Phase in ihrem Haus im Wald ‚verschlafen‘ haben. Wir befinden uns bereits mittendrin in der Endzeit. Und doch irgendwie aussen vor. Das liegt an mehreren Faktoren: Zuerst einmal arbeitet Patricia Rozema mit stereotypischen Elementen und beschwört stereotypische Situationen herauf, die nur eine bestimmte Lösung anbieten. Dann weckt sie allein mit dem Filmtitel falsche Hoffnungen: Into the Forest steht drauf – Haupthandlungsort ist allerdings das Haus im Wald. Diese Verlagerung in ein im Grunde doch recht sicheres, stabiles Anwesen, noch dazu ausgestattet mit opulenter Nahrungsreserve, nimmt dem Film die beängstigende Komponente. Es fühlt sich tatsächlich manchmal eher wie ein gebuchter Survival-Urlaub an, weniger wie eine dystopische Welt, in der sich das Überleben jeden Tag aufs Neue auf Messers Schneide befindet. Im Grunde ist Into the Forest eine Mogelpackung – man erwartet eigentlich Überlebenskampf und bekommt eher Tanztrainingkrampf.

Dabei kann man beiden Darstellern keine schauspielerischen Mängel vorwerfen. Im Rahmen ihrer doch recht eindimensional charakterisierten Figuren gelingt es sowohl Ellen Page als auch Evan Rachel Wood den beiden Schwestern ein wenig Leben einzuhauchen. Nur leider spielen sie gegen eine Geschichte an, die sich zunehmend verheddert und diese selbstgeschaffenen Knoten nicht adäquat wieder aufdröseln kann. Oder anders gesagt: Spätestens nach einer halben Stunde Film fragt man sich zunehmend, wie will die Regisseurin die Geschichte fortführen und zu einem befriedigenden Ende bringen? Antwort: Gar nicht.

Into the Forest ist ein Film, der hohe Erwartungen weckt (Ich mag dystopische Erzählungen und sich weiterentwickelnde Protagonisten durchaus gern.), im Verlauf aber genreuntypisch immer ruhiger und bedächtiger voranschreitet (Dystopien definieren Umbrüche, sowie Aktion und Reaktion auf die sich plötzlich ändernden Umstände.), so dass keine hohen Erwartungen mehr geweckt werden mussten, sondern nur noch ich. Höchstselbst. Aus dem Schlaf. Um das Ende und damit die Antwort auf meine Frage zu erleben. Enttäuschend, wirklich enttäuschend.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

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