Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Mai Teil 1

Shane (1953)

Ein klassischer Western mit wunderbaren Panoramabildern weiter unberührter Landschaften, einem Outlaw, der sich zum Helden aufschwingt und viel Pathos vor allem zum Ende hin. Hier wird noch keine wirklich kritische Lupe auf das redliche Cowboyleben geworfen und selbst die in die jeweilige Schublade gesteckten Akteure (ob gut oder böse) agieren in einem Rahmen, aus dem man nicht heraustritt. Narrativ also vorhersehbar bis zum Ende. Visuell phänomenal in Szene gesetzt, insbesondere der Einsatz von natürlichen Lichtquellen erzeugt Bildwelten, die zwischen hell leuchtend und dunkel verschwommen changieren und dadurch einen Realismus zaubern, dem die Erzählung nur bedingt standhalten kann.

The VVitch – A New-England folktale (2015)

Apropos Realismus. Der ist auch hier extrem groß geschrieben. Das fängt bei den Kostümen an, zieht sich über die kargen, rohen, wilden Settings der Umgebung des Anwesens, in dem die Geschichte spielt und ist selbst in den Dialogen der Protagonisten dominant erkennbar, die durchweg in einem Altenglisch parlieren, das es ungemein schwer ist, wirklich alles zu verstehen. Atmosphärisch macht der Film einiges her und auch erzählerisch schleicht sich der Horror immer näher heran und entlädt sich in einer kurzen intensiven Szene. The VVitch ist weitestgehend psychologischer Horror in einer düsteren (mental wie optisch) Umgebung und definitiv sehenswert.

Central Intelligence (2016)

Von intelligentem Erzählen kann man bei diesem Film nicht so wirklich sprechen, kommt diese Actionkomödie doch als typischer 0815-Vertreter daher. Kevin Hart ist wie immer nicht lustig und Dwayne ‚The Rock‘ Johnson ist wie immer muskelbepackt oberflächlich. In Kombination ergibt das mäßig gute Unterhaltung, die einem vielleicht mal ein Schmunzeln in der einen oder anderen Szene hervorlockt, aber nichts Neues vermitteln kann. Alles schon (in durchaus besserer Variante) gesehen.

Midnight Special (2016)

Jeff Nichols‘ Film versucht intelligent zu erzählen, indem er zuerst die dramatische Schiene fährt und den Rezipienten auf eine falsche Fährte – ob der ganzen Hintergründe – lockt, was insbesondere durch Michael Shannons Schauspiel auch gut gelingt. Dann wechselt er aber unverhofft das Genre und stößt dem bis dato aufmerksam folgenden Zuschauer vollends vor den Kopf, der sich mit dieser Wendung nicht anfreunden kann und den restlichen Film nur noch widerwillig weiter verfolgt. Oder anders gesagt: Ich mag den anfänglichen langsamen Aufbau einer geheimnisumwitterten Entführung. Ich verfluche den Switch in übernatürliche SciFi-irgendwas-Welten im weiteren Verlauf.

Schrotten! (2016)

Deutsches Kino kann Spaß machen, wenn kantige Charaktere in einer etwas abseitigen Geschichte humoristisch verpackt werden und dabei wunderbar die Balance zwischen dramatischen und lustigen Elementen halten. Schrotten! erfüllt dies mit einigen wenigen Abstrichen: hat den kantigen Charakter (Frederick Lau), eine abseitige Geschichte (Wir klauen einen Zug voll Kupfer.) und stimmige Humoreinlagen. Hinzu kommen die offensichtlichen Westernreferenzen (inklusive in den Sonnenuntergang fahren). Nur ab und an übertreibt es der Film mit seiner spleenigen Andersartigkeit. Aber das verzeiht man gern, weil man gut unterhalten wurde.

Auf der großen Kinoleinwand gab es zwei Filme, die unterschiedlicher nicht sein konnten und dennoch beide auf ihre Art zu begeistern wußten:

Tiger Girl (2017)

Ella Rumpf und Maria Dragus agieren, harmonieren und funktionieren grandios gut in diesen abgewrackten, gewalttätigen, anarchisch angehauchten Settings des Films. Im dokumentarischen Stil folgt Regisseur Jakob Lass der Emanzipation und daraus resultierenden gesteigerten Gewaltaktion von Vanilla, der sich final auch die so selbständige, frei agierende Figur der Tiger nur schwer widersetzen kann. Die Bilder sprudeln über vor verbaler und physischer Gewaltexzesse. Der Film erzeugt durch seine ständige Bewegung ein energetisches Gewusel, das sich jede Minute aufs Neue in brachialem Output entlädt und sofort wieder auflädt. Tiger Girl ist in seiner visuellen und erzählerischen Unmittelbarkeit filterlos, roh und unverblümt ehrlich. Ein erstes großes Highlight der 2017er Kinosaison und unbedingt empfehlenswert.

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017)

Sie sind zurück. Und das lautstärker als je zuvor. Und sie beweisen, das man einen Überraschungserfolg mit der richtigen Mischung der gleichen Zutaten durchaus wiederholen kann. Teil 2 der etwas anderen Superhelden-Truppe ist erzählerisch gut ausbalanciert. Alle erhalten ihren großen, heldenhaften Auftritt. Alle zücken den catchy Oneliner. Alle glänzen mit humorigen Einlagen. Alle stürzen sich ins Kampfgetümmel. Und Rocket ist eh immer der beste der ganzen Gang. Musikalisch abgestimmt. Visuell bunt explodierend und wieder mit einer gelungenen Tanzperformance (Wer hätte gedacht, das Bäume so gelenkig sind?). Ich kann nur sagen: I am Groot! Ääääh, ich meine natürlich: Anschauen!

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3 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Mai Teil 1

  1. Nummer Neun schreibt:

    Von The VVItch war ich auch sehr positiv überrascht! Morgen stehen dann die Guardians an – ich bin gespannt.

  2. bullion schreibt:

    Schade, dass „Midnight Special“ bei dir nicht so gezündet hat. Ich mochte beide Segmente des Films sehr gerne, speziell da mich die zweite Hälfte sehr an 80er Jahre Sci-Fi erinnert hat.

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