Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Mai Teil 2

Левиафан – Leviathan (2014)

Eine komprimierte, dichte Erzählung von Verlust auf mehreren Ebenen: persönlich, materiell, aber auch psychisch. Die Figurenzeichnung ist exzellent und schauspielerisch von so ziemlich allen Figuren konsequent auf hohem Niveau vorgetragen. Leviathan ist schmutzig und dreckig, nicht nur visuell, sondern auch ethisch und politisch. Andrei Swjaginzew zeichnet ein reales Bild der sozialen Umstände irgendwo im Nirgendwo von Russland und liefert ein mitunter verstörendes Werk voller pessimistischer Anklänge. Das Zuschauen erweckt zwar deprimierende Gefühle, lässt narrativ und in der bildgewaltigen Umsetzung aber keine Wünsche offen.

It follows (2014)

Mir ist schleierhaft, warum so viele diesen Film so hypen, bietet er doch keine wirklichen neuen und frischen Ansätze. Die Verfolgung durch ein imaginiertes oder dämonisches Wesen lockt mich nicht hinterm Ofen vor. Das aufgebaute Konzept und die Begründung für die die Hauptfigur verfolgende Erscheinung ist mir zu stumpf. Spannung baut sich so rein gar nicht auf. Und was soll die Moral von der Geschicht sein? Lieber komplett auf Sex verzichten um zu überleben? Wie langweilig.

Brooklyn (2015)

Saoirse Ronan dominiert diesen Film und entlockt ihrer Figur alle Facetten, sei es die schüchtern-zurückhaltende, die traurig-depressive, die intelligent-forsche oder die optimistisch-lockere. Ihr nimmt man jede Phase ab. Der erzählerisch als Coming of Age zu deklarierende Film ist stringent und nachvollziehbar, wenngleich mir die endgültige Entscheidung zur erneuten Rückkehr nach Brooklyn aufgrund einer so nebensächlichen Begegnung mit einer alten Bekannten ein wenig unplausibel erscheint, gibt es doch mit einem wartenden Ehemann einen ungleich dominanteren Grund. Dennoch durchaus sehenswert für die romantisch veranlagten Gemüter unter uns.

Sing Street (2016)

Eines kann der John Carney wirklich gut: den Zuschauer am Ende des Films mit einem Glücksgefühl zu entlassen. Seine Filme sind immer irgendwie locker-fluffig, versprühen eine lebensbejahende Leichtigkeit und verzaubern mit grundsympathischen Figuren, denen man gern bei was-auch-immer zusieht. Es bedarf halt manchmal nicht viel um sich in einem Film gut abgeholt und flauschig aufgehoben zu fühlen. Musik hilft dabei schon mal ungemein, weshalb Sing Street sich auch so wunderbar in den filmischen Kanon des Regisseurs einfügt.

The Shallows (2016)

Der Kampf Mensch gegen Hai in der gepimpten und verdichteten Updateversion des spielbergschen Originals. Die malerische Sandstrandkulisse macht auf jeden Fall mal was her. Die Geschichte selbst strotzt jedoch nur so vor Logiklöchern, beginnend bei einem ziemlich missmutigen Hai, der statt des sättigenden großen, wehrlos rumschwimmenden Walhappens lieber einen nur die Zahnlücke füllenden menschlichen Snack bevorzugt. Vielleicht hat der Hai aber auch nur Geschmack, immerhin würde man(n) Miss Lively auch nicht einfach so von der Bett, äääh vom Surfboard stoßen. 😉

Im Leinwandformat lief mir Pop über den Weg – Iggy Pop, um genau zu sein:

Gimme Danger (2017)

Pop philosophiert über Punk. Regisseur Jim Jarmusch setzt der Band von Iggy ‚die nackte Brust des Punk‘ Pop ein filmisches Denkmal. Man muss noch nicht einmal viel über The Stooges wissen um dennoch der erzählerischen Sogwirkung zu verfallen, die bei dieser Dokumentation sofort entsteht. Jarmusch nutzt klassische Spannungsbögen des Spielfilms und hat mit seinem erzählenden Protagonisten natürlich einen dominanten Charakter im Köcher, der es versteht dem Publikum großartige Anekdoten aus seinem bewegten Leben zu kredenzen. Nach dieser Doku kommt man nicht umhin ein wenig verqueren Punk zu zelebrieren, nicht einmal zwingend direkt von The Stooges. Hauptsache dreckig und schräg.

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11 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Mai Teil 2

  1. singendelehrerin schreibt:

    Ah, schön, dass „Sing Street“ bei dir auch so ein Glücksgefühl hinterlassen hat! 🙂 Ich begann meine Kritik so: „Kennt ihr das, aus dem Kino zu kommen und das Gefühl zu haben, euer Herz ist irgendwie voller und wärmer als vorher?“ ❤ https://singendelehrerin.wordpress.com/2016/05/14/neulich-beim-sneaken-sing-street-john-carney-irlandukusa-2016/

    Alle anderen Filme habe ich tatsächlich (noch) nicht gesehen. Finde aber deine eher gemäßigte Kritik zu "It Follows" sehr interessant, da ich bisher immer das Gefühl hatte, ich müsste ihn mir jetzt, da er bei Amazon Prime ist, unbedingt ansehen, weil ihn ALLE so toll finden. Hmmm, ich glaube, ich schiebe das auf… 😉

    • Stepnwolf schreibt:

      Ja, Carney kann ruhig weiter Filme in diesem Stil fabrizieren. Die sind immer sehenswert. 🙂
      Mir hat „It follows“ überhaupt nichts gegeben. Horror sowieso nicht und Spannung eher bedingt. Aber ich will dir deine Planung nicht vermiesen. Vielleicht macht es ja bei dir (wie bei anderen) klick und du siehst im Film etwas, das ich nicht finde…

      • singendelehrerin schreibt:

        Du vermiest mir gar nix. 😉 Ich hatte eh nie so recht Lust, weil ich z. Zt. einfach selten (bis nie) „ernst gemeinte Horrofilme“ sehen mag. Ich war nie ein besonders großer Anhänger des Genres. Mit Ausnahmen, wenn es um Zombies geht, z. B. 😉

  2. Morgen Luft schreibt:

    „sehenswert für die romantisch veranlagten Gemüter“ Da haben wir das, ähm, mein Problem^^ Ich weiß nicht… Ist nah am Kitsch gewesen, oder?

    • Stepnwolf schreibt:

      Ja, so ein wenig Rosamunde Pilcher Feeling stellte sich schon ab und an ein. 😉
      Ich war mit dem Irland-Part nach der Rückkehr auch nicht so richtig zufrieden, weil die getroffenen Entscheidungen sehr seltsam waren und das Gefühl aufkommen ließen hier Konflikte zu schaffen, die mit einem Satz hätten komplett vermieden werden können, damit aber auch den Film gekürzt hätten. Ist insbesondere interessant, weil das Drehbuch ja von Nick Hornby stammt, der eigentlich so nah am Kitsch, zumindest in seinen Romanen, nie gebaut hat.

      • Morgen Luft schreibt:

        Das habe ich nicht gewusst! Da hätte ich dem Film gleich noch einen Punkt weniger zuteil werden lassen müssen.^^ Nur Spaß. Mir ging es mit dem zweiten Teil auch so. Vielleicht hätte der Konflikt auch eher größer ausfallen müssen

  3. bullion schreibt:

    „It Follows“, „Brooklyn“ und „Sing Street“ fand ich alle toll, jeden auf seine Art. Bei „It Follows“ hat mich speziell die Inszenierung gereizt: Der Film ist sowas von 80er, dass es eine wahre Freude ist. Der Soundtrack ist großartig und ich fand das Monster wahrlich beängstigend.

  4. friedlvongrimm schreibt:

    Ach Mann ey, ich dachte wenigstens du kannst mit mir „Sing Street“ und alles andere außer „Once“ von dem John zusammen scheiße finden. Und dann auch nicht mal „Brooklyn“ so toll finden wie ich. Was ist denn los mit dir? *heul*

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