#52FilmsByWomen: Wonder Woman von Patty Jenkins

Aktueller war diese wundervolle kleine Aktion hier im Blog noch nie und vor allem roch es nie mehr nach Blockbuster als in diesem Moment. Denn eines lässt sich bereits sagen: die Regisseurinnen dieser Welt finden sich vorwiegend im alternativen bis hin zum Arthouse Kino. Aber ab und an schleicht sich dann doch (man sollte sagen endlich) eine Frau in die dominante Männer-Blockbuster-Kinowelt. Noch dazu ins Superhelden-Franchise. Das Patty Jenkins sich mit Wonder Woman auch noch DIE Superheldin des DC-Universe schnappt, ist dabei nur konsequent. Frauenpower par excellence.

Wonder Woman (2017) Gal Gadot

Pack ma’s an Männer!

Womit wir auch gleich bei der Hauptfigur bleiben, denn Gal Gadot für die Rolle von Diana Prince alias Wonder Woman zu besetzen, war eine sehr gute Entscheidung. Sie passt perfekt als unbeholfen agierende, da unwissende, ‚Sekretärin‘ von Steve Trevor (Chris ‚James T. Kirk‘ Pine wieder als Captain unterwegs und diesem hier sehr ähnlich in seinem ganzen Auftreten). Vor allem aber strahlt sie eine immense Präsenz als Wonder Woman aus: energisch, rigoros, mutig, vorlaut, aber eben auch stets mit einer emotionalen Antriebsfeder versehen, treibt sie alle umstehenden Darsteller an, degradiert sie aber gleichzeitig zu filmischen Beiwerk, deren Aufgabe in auflockernden Aktionen oder komödiantischen Sätzen besteht. Als Stichwortgeber und katalysatorischer Effekt wirkt leider auch Chris Pine. Aber wer soll als Mann neben Wonder Woman schon bestehen können? Eben. Patty Jenkins setzt Ms. Gadot in so ziemlich jeder Szene dominant ins Bild, was die Konzentration auf die Hauptfigur nur noch verstärkt.

Apropos Bild: Die zurückhaltendere, natürlichere Darstellung der Schauplätze (selbst Themyscira ist nicht übertrieben paradiesisch utopisch visualisiert) wirkt beruhigend und setzt sich von der oft vorherrschenden, hektischen visuellen Erzählweise anderer Vertreter des Genres (nicht einmal zwingend DC Universe) positiv ab. So sind die Bilder der Front wie auch die Stadt London Anfang des 20. Jahrhunderts realistisch in Szene gesetzt. Sowieso ist das historische Setting (wenn auch nicht polithistorisch korrekt) gelungen umgesetzt. Patty Jenkins hält auch spielend leicht die Balance zwischen ruhigen Momenten und schnellem Kampfspektakel. Sie verwendet in den Kampfszenen die von Regisseur Zack Snyder so geliebte Stop- und Slowmotion-Technik, die den Comiceffekt verstärkt, überstrapaziert es jedoch nicht. Die Bilderwelten sind reizvoll, kontrastierende Elemente werden klassisch eingewoben (helle, leuchtende Farben auf Themyscira versus eine dunkle, mattgraue silhouettenhafte Inszenierung des Krieges). Gut und böse sind visuell fixiert, wie sich das für einen Superheldenfilm gehört.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und der Schatten ist die musikalische Komponente. Vorweg: das Wonder Woman-Theme macht Spaß (und Sia im Abspann!). Der Rest ist mir zu akustisch gedrungen voluminös. Sowohl in den Actionmomenten (mit einer übertrieben lauten Instrumentierung) als auch in den ruhigen, insbesondere romantischen (ja, die gibt es tatsächlich!) Augenblicken (mit einer megaschmalzigen melodischen Schmonzettenhaftigkeit). Ein dezenterer Score hätte den realistischeren Settings noch mehr Tiefe verliehen. Tiefe hätte – wie eigentlich immer in den Superhelden-Filmadaptionen – auch der Antagonist von Wonder Woman vertragen können. Blasse Gegenspieler scheinen generell ein Manko dieses Genres zu sein. Mir fällt von allen Comic-Verfilmungen nur der Joker der Nolan-Batman Reihe als ein würdiger Antagonist ein. Die Geschichte an sich orientiert sich an der typischen Origin-Story, geht aber sehr schnell in medias res und lässt die Hauptfigur in der eigentlichen Action lernen und charakterlich gedeihen. Das liegt höchstwahrscheinlich in der ’straight forward and don’t look back‘-Manier Wonder Womans begründet und macht sie dadurch sogar noch ein Stück weit sympathischer.

Alles in allem ist Patty Jenkins mit Wonder Woman eine (schön das man das noch einmal sagen darf) würdige Filmadaption DER Superheldin des DC-Universe gelungen, die mit visuell anspruchsvollen Settings brilliert und eine alle dominierende Hauptfigur etabliert. Da können die wenigen skizzierten Mängel nur ein paar kleine Kratzer auf dem Schild von Wonder Woman hinterlassen. Mehr Regisseurinnen im Blockbusterkino ist nun durchaus eine Option, die näher ins Auge gefasst werden darf.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

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5 Antworten zu #52FilmsByWomen: Wonder Woman von Patty Jenkins

  1. Morgen Luft schreibt:

    Hatte mir den Score einmal komplett angehört und musste feststellen, dass bis auf drei, vier Tracks eigentlich alle austauschbar waren. Da blieb vielleicht nur noch der Lautstärkeregler^^

  2. friedlvongrimm schreibt:

    Da ich ja seit Jaaaaaaaahren von Superheldenfilmantagonisten gelangweilt bin, fand ich die hier doch irgendwie ganz nett, muss ich sagen.

  3. Pingback: Maximum Medium Overload Episode Seven | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

  4. Pingback: Wonder Woman – Kritik – Filmexe – Blog über Filme und Serien

  5. Vitor schreibt:

    A gente podemos ajudá-lo. Obs. Agradecido!
    Ótima sorte! http://amigas.compartiendogratis.net/viewtopic.php?id=18005

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