#52FilmsByWomen: The Babadook von Jennifer Kent

Nach meiner ersten Sichtung von The Babadook, dem Debütwerk der australischen Regisseurin Jennifer Kent schrieb ich folgende Sätze:

„Da ist aber jemand in der Kinogeschichte des Horrorfilms tief eingetaucht, hat sich die interessantesten Elemente herausgefischt und daraus ein Potpourri zusammengestellt, das in den guten Momenten sehr viel Spaß machen kann und in den weniger guten zu durchsichtig und klischeehaft erzählt wird. Jennifer Kent weiß, wie man den Zuschauer aufregt, wenn auch nur in der Form hasserfüllter Gedanken den Protagonisten gegenüber. Immerhin: Noah Wiseman als Sohn Sam ist ein wahrer Verwandlungskünstler. Sein Schauspiel schwankt zwischen verstört-verängstigt, beängstigend-aggressiv und kindlich-naiv. Solider Horror aus australischen Gefilden.“

TheBabadook

Ba-ba-ba-dook-dook-dook

Ein knappes Jahr später kann ich ein paar Dinge noch immer bestätigen und einige andere bedürfen einer teilweisen Revision. Beginnen wir mit der Bestätigung: Die beiden Hauptdarsteller drücken dem Film ihren Stempel auf. Insbesondere Noah Wiseman als schwankende Figur zwischen auf der einen Seite nervenzehrendem, ständig plärrend-nörgelndem Kind und auf der anderen Seite kuschelbedürftigem, extrem anschmiegsam-verstörtem Häufchen Elend spielt mit einer Selbstverständlichkeit, das man ihn in einem Moment am liebsten hasserfüllt den Arsch versohlen will und im nächsten die beschützenden Elternflügel über ihm ausspannt. Genauso reagiert auch die Mutter von Samuel, die eindrucksvoll von Essie Davis interpretiert wird. Man will wahrlich nicht mit ihr tauschen und muss den imaginären Hut ziehen vor der Stärke, die sie an den Tag legt im Angesicht der stetigen Gefühlsschwankungen des Sohnes. Das sie irgendwann durchdreht, bleibt dabei nicht aus, sondern ist vielmehr die sich von Beginn an andeutende Tendenz. Die (eingebildete?) Präsenz eines Monsters verstärkt nur noch das emotionale Chaos beider Figuren. Schauspielerisch kann The Babadook so richtig glänzen, was im Horrorgenre ja nicht immer selbstverständlich ist.

Optisch wartet Jennifer Kent mit ein paar genreuntypischen extrem ästhetischen Einstellungen auf. Zusätzlich experimentiert sie mit visuellen Einfällen, die manchen Moment besonders erscheinen lassen. Diese Szenen heben sich von der ansonsten recht konservativ aufgezogenen, permanent wachsenden Gruselatmosphäre mit vorhersehbaren Wendungen ab und verleihen The Babadook einen kleinen, aber feinen Anstrich. Das erwähnte Potpourri klassischer Stilelemente des Horrors ist gut gemischt. Der Film driftet nie in eine zu klischeehafte Darstellung ab, sondern setzt diese Mittel punktuell passend ein. So entsteht der solide Horror, der aufgrund der darstellerischen Leistungen einen durchaus würdigen Genrevertreter erzeugt. Jennifer Kent gelingt ein erfrischender Mix aus alten Horrorzutaten mit (vor allem visuell) modernen Ideen, der The Babadook – dessen Erzählung dann eben doch zu stark an einer bereits bekannten Struktur entlang hangelt – sehr gut tut. Frauen und psychologischer Horror kann durchaus funktionieren, wie uns dieses Werk eindrucksvoll beweist, auch wenn es eines zweiten Anlaufs bedurfte, um sich dessen endgültig sicher zu sein.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

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