Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Juli Teil 2

Smultronstället – Wilde Erdbeeren (1957)

Professor Borg begibt sich per Auto auf Reise und wird während verschiedenster Begegnungen durch Tagträume an vergangene Ereignisse erinnert, um im Endeffekt daraus zu lernen. Wenn der Protagonist nicht bereits betagten Alters wäre, könnte man Wilde Erdbeeren durchaus als Roadmovie mit Coming-of-Age Anleihen bezeichnen. Wenn es diese Genres damals schon in der Form gegeben hätte. Ingmar Bergman etabliert auch in diesem Film eine manchmal eigenwillige visuelle Darstellung und lässt den Protagonisten auf seltsame Akteure treffen. Bibi Andersson taucht natürlich auch auf und macht wie in allen seinen Filmen eine gute Figur. Hauptdarsteller Sjöström überzeugt als zuerst harter, unbeugsamer Egomane ebenso wie als geläuterter, offenherziger, emeritierter Mediziner.

Wild Target (2010)

Britische Gaunerkomödie. Allein das setzt Wild Target natürlich von ähnlich gearteten amerikanischen Kandidaten ab, sofern man dem eigenwilligen britischen Humor etwas abgewinnen kann. Bill Nighy ist köstlich in der Rolle des smarten, allerdings hoch-introvertierten und extremst pedantischen Profikillers, der sich in die quirlige, charmante und ziemlich räuberische Emily Blunt verguckt. Was für ein Pärchen. Skurril-komisch und dennoch amüsant liebenswertes, kleines Filmchen mit zwar durchschaubarer Story, aber passablem Unterhaltungswert.

MálmhausMetalhead (2013)

Melancholisch-düsteres Werk mit einzelnen, minimalen, zum Schmunzeln animierenden Szenen und einer zum Niederknien großartigen Thora Bjorg Helga als aufmüpfige Tochter in – bedingt durch ein traumatisches Ereignis – ständiger Zerstörungswut, entweder verbal, in Form von Musik oder gleich materiell offensichtlich. Ihre Liebe zum verstorbenen Bruder und zu dessen Lieblingsmusik dient gleichzeitig als katalytischer Effekt. Läuterung durch Metal erzählt in der rauen Landschaft Islands.

Colonia Dignidad (2015)

Florian Gallenberger ist sich leider uneins darüber, was genau er mit seinem Film erzählen will. Für eine adäquate Aufarbeitung der realen Vorkommnisse in der titelgebenden deutschen Gemeinschaft im südamerikanischen Chile wird darüber zu wenig gezeigt. Für einen Fluchtfilm haben wir zu wenig Brisanz. Und für einen Liebesfilm bieten die beiden Protagonisten nur minimale emotionale Ansätze. Tragischerweise ist letzteres anscheinend die vorrangige Prämisse des Films, der vollgestopft mit zu vielen Themen keines davon zufriedenstellend abhandeln kann. Immerhin hatte ich danach das Bedürfnis mehr über die Sekte und dessen Guru Paul Schäfer zu erfahren. Wenigstens ein positiver Effekt.

Resident Evil: The Final Chapter (2016)

Es endet dort, wo alles begann, um den Kreis endgültig (?) zu schließen. Wer bis hierher gekommen ist, weiß worauf er sich einlässt: eine immer wieder zwielichtige Red Queen, kurzzeitige, zu Kanonenfutter verdammte Helferlein, einige schleimig-glibberige Monster, ein paar nicht weniger schleimige Gegner und natürlich Milla „Alice“ Jovovich. Inhaltlich mau wie eh und je. Visuell und atmosphärisch und kampf-choreografisch erhellend wie immer. Alice stoisch, wortkarg und zerstörerisch (und eine Augenweide) wie in allen Teilen zuvor. Mehr verlangt der geneigte Zuschauer doch gar nicht.

Ghostbusters (2016)

Ganz ehrlich? Ich mag die Mädels! Der neue Ghostbusters hat vielleicht nicht den kultigen Charme des Originals, ist aber erzählerisch und humoristisch nicht wirklich schlechter, geschweige denn ein Affront gegenüber Fans des alten Films. Kristen Wiig spielt routiniert und mit einer Nonchalance, die nur sie so hinbekommt. Und Kate McKinnons Charakter ist einfach nur genial überdreht überzeichnet. Was wirklich stört, sind die völlig sinnfreien Cameos der alten Geisterjägergang. Ghostbusters hätte auch ohne diese Anbiederung ganz gut funktioniert. Japp, ich wurde wohl geholtzmannt. 😉

Im wohlklimatisierten Kino lief mir die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft über den Weg:

Spiderman: Homecoming (2017)

Positiv: Die Anfangssequenz. Der Antagonist ist mal nicht eindimensional gezeichnet und bietet einige emotionale Reibungspunkte (und Keaton funktioniert gut als Vulture). Die Abkehr von der gefühlt millionsten Originstory. Tom Holland als naiv agierende, nach Anerkennung lechzende, mitunter ein wenig verpeilte Teenager-Spinne. Die verdammt attraktive Marisa „Tante May“ Tomei. Zendaya Coleman. Und natürlich: Pepper Potts. 🙂 Negativ: Eine lahme, highschool-lastige, schon längst wieder vergessene Story. Der vor Gimmicks nur so strotzende und sprechende Stark-Spiderman-Anzug. Der nervende beste Freund Sidekick. In summa: Gewohnt routinierte Marvel-Kost ohne nennenswerte Ausreißer – weder nach oben, noch nach unten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Erde, Mensch, und Ich abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Juli Teil 2

  1. bullion schreibt:

    Hey, endlich mal eine wohlgesonnene Besprechung zu „Ghostbusters“. Ich mochte den ja auch (wenn auch nicht so sehr wie die beiden ersten Teile).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s