#52FilmsByWomen: The Voices von Marjane Satrapi

Der erste Kontakt zu Marjane Satrapi und ihr Werk war natürlich ihr autobiografischer Film Persepolis, dessen einfacher Zeichenstil dennoch eine so komplexe, auch ziemlich politische  Geschichte über die Jugendjahre der Regisseurin im Iran thematisierte. Bereits hier zeigte sich ein Stück weit der schwarze Humor, den vor allem die Kommentare der Hauptfigur durchzogen. Ihr erster Realfilm namens Poulet aux Prunes offenbarte ebenfalls diesen feinen, nur kurz piesackenden, humoristischen Anstrich. So schwarz wie der Humor nun aber in The Voices daher kommt, das überschreitet fast – aber nur fast – die makabre Grenze des guten Geschmacks.

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You are a good boy.

Wir begleiten Ryan Reynolds alias Jerry bei seiner täglichen Arbeitsroutine und seinen freizeitlichen Aktivitäten. Dieser Jerry – zu Beginn in einem völlig normalen, durchschnittlichen Leben festgehalten – entpuppt sich nach und nach als ein extrem seltsamer, skurriler Zeitgenosse, der doch so einige psychische Probleme offenbart. Jerry lebt in seiner eigenen Welt und die wird bevölkert von sprechenden Haustieren – einem treudoof palavernden Hund (alias die gute Seite von Jerry) und eine hinterlistig, schlaue Katze (alias die böse Seite) – sprechenden Köpfen und einer Wohnung voller Tupperware-Packungen gefüllt mit… Egal, das tut nichts zur Sache. Ryan Reynolds dominiert The Voices mit seinem creepy Charakter und seinen ebenfalls von ihm gesprochenen tierischen Kameraden. Marjane Satrapi visualisiert das Werk wie ein Puzzle, in dem der unzuverlässige Erzähler Jerry einige Versatzstücke platziert, die sich nach und nach als anders entpuppen, denn zuerst angenommen. Der makabre Humor, dessen schwarze Seele ständig hervorlugt, ist pointiert gesetzt, wird aber nicht jedes zuschauende Gemüt begeistern. Begeistern können aber auf jeden Fall die wunderbar passenden Nebenrollen. Die Figuren, die Jerrys Leben mehr oder weniger tangieren. Mehr in Form der beiden Liebschaften Fiona und Lisa – gemimt zum einen von einer britisch unterkühlten Gemma Arterton und zum anderen von einer naiv verliebten (und wie immer natürlich-hübsch auftretenden) Anna Kendrick. Weniger, aber nicht weniger wichtig durch Figuren wie Jerrys Therapeutin oder Dave, seinem Arbeitskollegen. Mit viel Liebe zum Detail erweckt die Regisseurin die Rollen zum Leben und baut so ein reales Konstrukt um die zunehmend irrealer werdende Welt des Protagonisten, die langsam, aber stetig einem blutigen, verstörenden Finale entgegen strebt, um dann in sich zusammenzufallen, sowohl metaphorisch als auch wirklich.

The Voices ist speziell und dementsprechend erzählerisch und vor allem in den Bildern häufig aneckend. Wer damit klar kommt, den erwarten recht unterhaltsame einhundert Filmminuten mit ein wenig Splatter und sehr vielen zum Schmunzeln anregenden Szenen. Mit einem bravourös agierenden Ryan Reynolds (der nach Buried wiederum sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellt) und einer (zumindest für mich) anbetungswürdigen Anna Kendrick. Kurzweilig und gut. Alles richtig gemacht, Madam Satrapi.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

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2 Antworten zu #52FilmsByWomen: The Voices von Marjane Satrapi

  1. headwritingle schreibt:

    Das macht tatsächlich Lust, den Reynolds kann man sich ja mittlerweile auch geben. An anderen Stellen, wo ich über den Film gelesen habe, sind aber auffallend viele der Meinung, der wäre so gar nicht zum lachen. Eher eine ziemlich treffende Darstellung eines psychisch Kranken. Worauf würde ich mich denn da einlassen?

    • Stepnwolf schreibt:

      Ich weiß nicht, ob es eine treffende Darstellung eines psychisch Kranken ist, da ich deren Sicht der Welt nicht kenne. Die beiden Haustiere sind aber sicher als Metapher auf das psychische Ungleichgewicht des Protagonisten zu sehen.
      Und dir wird der Film gefallen. Kannste auf jeden Fall gucken. 😉

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