#52FilmsByWomen: 4 Könige von Theresa von Eltz

Kurz vor Weihnachten in der psychiatrischen Klinik. Nur vier junge Patienten fristen dort ihr Dasein und werden vom jungen Arzt betreut: Alex, die nach außen als die Normalste erscheint und eher ruhig und gesittet auftritt. Lara, deren unaufhörlich plapperndes Mundwerk ständig Wortsalven voller unkoordinierter Gedanken von sich gibt. Fedja, schüchtern, zurückhaltend und wortkarg erscheint ihm sein Umfeld als ständiger Gefahrenherd. Und der Neue namens Timo, frisch aus der geschlossenen der Therapiegruppe zugeteilt, aggressiv und genervt, mit einem abwehrenden Verhalten zu allem um ihn herum versehen. 4 Könige und ihr Weihnachtsabend in der Psychiatrie. Erzählt von Theresa von Eltz in ihrem Langfilmdebüt.

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Die unheiligen vier Könige

Trostlos erscheint die Szenerie zu Beginn. Festgehalten nicht nur visuell in klinisch reinen Gemäuern, die aufgrund der Feiertage leer und uneinladend aussehen und in nassgrauen Bildern der Außenanlage des Krankenhauses. Sondern auch in den Figuren, die uns dort dann doch vereinzelt über den Weg laufen. Die griesgrämige Schwester, die zwar zu Hause auch niemanden hat, mit dem sie das Weihnachtsfest feiern könnte, aber dennoch auf Arbeit jedem ihre miese Laune präsent vor die Nase hält. Oder der Chef, dem die abrupten Störungen aus seiner Feiertagsruhe nur unwillige und unmotivierte Entscheidungen entlocken können. Mittendrin ein vierköpfiges Ensemble junger, spielfreudiger Schauspieler, die das Werk von Theresa von Eltz tragen. Tragen müssen!

Glücklicherweise hat sich die Regisseurin vier Talente herausgepickt, die das schaffen. Allen voran zu nennen sind dabei natürlich Jella Haase, deren spleenig, hibbelige, vorlaute Lara ziemlich nervend sein kann. Hinter dieser lauten Fassade verbirgt sich jedoch eine tief verletzliche Person, deren familiäres Umfeld jegliche Fürsorge und Zuneigung missen lässt und in überstrapazierende Bevormundungsaffekte verfällt. Die Mutter von Lara ist ein Paradebeispiel einer an der Erziehung gescheiterten Person, die keinerlei Feingefühl im Umgang mit ihrer Tochter entwickelt hat. Jella Haase wechselt von hyperaktiv extrovertiert zu übersensibiliert und tiefgründig sinnierend und zeigt in 4 Könige, warum sie eine unserer interessantesten und vielversprechendsten Jungschauspieler Deutschlands ist. An ihrer Seite steht Jannis Niewöhner, dessen Timo durchaus angsteinflössend auftritt. Eine tickende Zeitbombe, die jeden Augenblick hochzugehen scheint. Bei dem man nie weiß, wann der nächste gewalttätige Ausbruch – der ihn in die geschlossene Anstalt brachte – im Anmarsch ist. Ein ständig brodelnder Vulkan, der seine Aggressionsschübe mehr schlecht als recht durch Weglaufen (im wahrsten Sinne des Wortes) zu kontrollieren versucht. Neben diesen beiden agieren Paula Beer und Moritz Leu als Alex und Fedja. Mit weniger Screentime versehen und dennoch in ihren Szenen emotional packend, komplettieren sie die Viererbande der Therapiegruppe, die zuerst unter Zwang, nach und nach aber freiwillig, einander annähern und dadurch zumindest ein Stück weit ihre Depressionen, Angstschübe, Gewaltpotentiale, Übersensibilisierung und Hyperaktivität kompensieren können. Die 4 Könige erleben ein Weihnachten, das sie in ihrer Familie so nie kennengelernt haben.

4 Könige zieht seine Intensität vor allem aus diesen vier Figuren, die wie Reibungspunkte den ansonsten an Spannungsmomenten armen Film elektrisch aufladen und kurze energetische Schübe erzeugen. Wenn die vier jugendlichen Patienten aufeinanderprallen, hat der Film von Theresa von Eltz seine stärksten Momente und verdeckt die erzählerischen Schwächen, die leider vorhanden sind. In klischeebehafteten Figuren und stereotypisch auftretenden, überraschungsfreien Handlungsbögen. Narrativ sehen wir hier nur Durchschnittsware, die in den schlechtesten Minuten des Films nur mit unmotivierter Schreibschwäche der Drehbuchautorin erklärt werden kann. Insbesondere die Versuche humoristischer Auflockerung will beim Zuschauen nicht so recht zünden. Dann doch lieber das Wagnis eingehen einen völlig deprimierenden Film zu drehen, der ohne schlecht gemachte, witzige Szenen auskommt. Das hat sich Theresa von Eltz für ihr Debüt wohl nicht zugetraut, wäre aber aufgrund des Settings und der gezeichneten Figuren die einzig plausible Erzählweise. Für manche gibt es eben auch zu Weihnachten kein Happy End, besonders nicht im Käfig voller Narren. Und ganz besonders nicht für unsere 4 Könige im gleichnamigen Film.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

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