Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Oktober Teil 1

Blade Runner (1982)

In Vorbereitung auf die Fortsetzung (siehe weiter unten) war ein Rewatch angebracht. Und das Original zieht einen immer noch mit der visuellen und musikalischen Opulenz in den Bann. Harrison Ford als stoischer, mundfauler Einzelgänger passt natürlich perfekt in die Rolle des zweifelnden Zynikers. Beeindruckend ist aber vor allem Rutger Hauer als emotional aufbrausende ‚Maschine‘, dessen Menschlichkeit alle echten Menschen übertrumpft. Die langsame Erzählweise passt perfekt. Ridley Scott zieht dies konsequent durch, selbst der finale Kampf vollzieht sich eher in kurzen abrupten Ausbrüchen und dazwischen viel Leerlauf. Blade Runner ist ein Kunstwerk und nach wie vor nichts für den gemeinen Mainstream-Kinogänger.

Green Room (2015)

Atmosphäre hat der Film in jedem Fall. Und Green Room ist nicht nur der Name, sondern auch das visuelle Konzept. Grünstichig und in dunklem, schummrigen Licht fotografiert erzählt Jeremy Saulnier eine sich nach und nach immer weiter aufbauschende Geschichte um eine Punkband, die zur falschen Zeit am falschen Ort auftritt und in eine nicht enden wollende Gewaltorgie gerät.  Dabei gelingen dem Regisseur einige eindringliche Bilder und Szenen, die allerdings nicht über die diversen Logiklöcher hinwegtäuschen können. In summa sehenswert, insbesondere Anton Yelchin zeigt sein Talent, das leider nicht mehr weiter bewundert werden kann.

Ice Age: Collision Course (2016)

Das Franchise franst an allen Ecken und Enden aus. Zu erzählen gibt es nichts mehr. Die Geschichte in diesem bereits fünften Teil der Reihe ist so dermaßen an den Haaren herbei gezogen, das es schmerzt. Man merkt auch das penetrante Fixieren auf die Kultfiguren (Warum hat Scrat eigentlich noch keinen abendfüllenden Solofilm bei der hier gezeigten Präsenz?). Der Film bedient von vorn bis hinten nur seine Fans, hat aber nichts – aber auch überhaupt gar nichts! – mehr zu sagen. Stupider geht es nicht. Man kann nur hoffen, das die Reihe nun endlich zu ihrem Ende gekommen ist. Die Luft ist jedenfalls längst raus.

The Purge: Election Year (2016)

Der Film macht immer dann Spaß, wenn er seine Action-Prämisse straight ausspielt und die Handlung komprimiert auf den Punkt voranschreitet. Leider gibt es zwischendurch einige Stellen, die weniger gelungen sind, sondern einfach nur auf das Zeigen stumpfer, dumpfer Gewalt rekurrieren. Das ist sowieso generell das Problem des Films: Will er eher ein Horrorfilm mit Splatter darstellen oder ein Actionfilm, der sich Blut rot auf die Fahnen schreibt? Letzteres hätte dem Film eher gut getan, wenn dann auch nur auf narrativ durchschnittlichem Niveau.

Ellas Baby (2017)

Ein deutscher Fernsehfilm. Und das sieht man ihm auch durchgehend an. Dennoch: Angesichts des erzählten Sujets versucht der Film die sich andeutenden Fettnäpfchen zu umschiffen und eine nicht allzu klischeehafte Geschichte zu konstruieren. Das gelingt leider nicht immer, vor allem die nebenher laufenden Subplots bauschen die eigentliche Haupthandlung zu sehr auf und nehmen ihr dadurch die Wirksam- und Aufmerksamkeit. Das ist schade, weil das behandelte Thema eigentlich mit viel Feingefühl präsentiert wird, was vor allem auch Tijan Marei in der Rolle der Ella zu verdanken ist. (Naja und es spielt meine deutsche Lieblingsschauspielerin mit, weshalb ich keinen Bogen um den Film machen konnte.)

Kong: Skull Island (2017)

Schöne exotische Bilder, überdimensionierte Kampfszenen zwischen Kong und Menschen oder anderen mannigfaltig vorkommenden Wesen dieser Insel. Aber keinerlei erzählerische Substanz! Weder die Geschichte an sich glänzt mit Tiefgang, noch die Figuren erlauben sich irgendeine tiefergehende Charakterisierung. Hier sind Namen wie Tom Hiddleston oder Brie Larson komplett unterfordert. Kong: Skull Island ist reines Actionspektakel ohne irgendeinen sinnvollen Mehrwert. Dann doch immer noch lieber das Original als dieses Machwerk hier.

Weiter oben bereits angekündigt, habe ich auf der großen 3D-Kinoleinwand das hier konsumiert:

Blade Runner 2049 (2017)

Stellenweise ist Villeneuves Werk verdammt zäh. Zäh wie ein Kaugummi, dessen Geschmack sich bereits vor geraumer Zeit verabschiedet hat, das man aber, weil man irgendwie den Mund weiter bewegen will, nicht einfach ausspuckt. Visuell in seiner Zitierwut des Originals wunderbar eingefangen und auch Hans Zimmer bedient sich galant am vangelisschen Score. Wo aber das Original eine Langsamkeit zelebrierte, die die allgemeine Atmosphäre nur noch intensivierte, übertreibt es die Fortsetzung in seiner Gemächlichkeit. Blade Runner 2049 funktioniert als Reminiszenz auf den Klassiker exzellent (und ist für alle Fans eine wahre Fundgrube), nur leider fehlt dem Film die tiefere narrative (und philosophische) Substanz. Und er ist definitiv zu lang. Viel zu lang.

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12 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Oktober Teil 1

  1. bullion schreibt:

    Ohje, mit deiner Kurzbesprechung zu „Blade Runner 2049“ beschreibst du genau meine Befürchtungen: zu lang, inhaltlich nicht ausreichend. Ich bin ja echt gespannt, wie der Film letztendlich bei mir abschneiden wird, zählt das Original doch nach wie vor zu meinen Lieblingsfilmen.

    • Stepnwolf schreibt:

      Ist auf jeden Fall ein Zitateschatz für alle Fans des Originals. Daran wirst du deine Freude haben. Alles andere musst du selbst entdecken. Auf jeden Fall brauchst du ne Menge Sitzfleisch, um den Film durchzustehen…

  2. Nummer Neun schreibt:

    Den Rewatch von Blade Runner habe ich auch gemacht und das war auch gut so, ich wußte fast gar nichts mehr, außer dass es ständig regnet. Aber der Film funktioniert immer noch. Jetzt sollte ich aber noch den Kinobesuch folgen lassen.

    Green Room fand ich auch nicht schlecht, besonders Patrick Stewart in seiner für ihn ungewöhnlichen Rolle.

    • Stepnwolf schreibt:

      Für mich war es auch schon ziemlich lange her, das ich das Original gesehen hatte. Aber einige prägnante Szenen fernab des Regens waren mir dennoch im Gedächtnis geblieben.

      Für ihn vielleicht ungewöhnlich. Aber ein Schauspieler wie Stewart meistert so einen Charakterwechsel doch ohne Probleme.

  3. hicemusic schreibt:

    Ich habe das mit Freunden am Wochenende auch gemacht. Erst nachmittags das Original geschaut, dann abends für den neuen Film ins Kino gegangen. Der erste ist weiterhin genial, die Fortsetzung finde ich gut (vor allem schöne Bilder), aber nicht so super wie den Vorgänger. VG

  4. Headwriting LE schreibt:

    Vielleicht liegt es ja daran, dass ich durch dich vorgewarnt war. Aber langatmig fand ich Blade Runner 2049 ja mal so gar nicht. Oder wie heißt das, wenn man in 163 Minuten nicht mal sein Bierchen leer bekommt?
    Kleinigkeiten kann man vielleicht kritisieren, dass die Leto-Figur mehr undefinierte Schablone mit Hang zu Endlos-Monologen bleibt, dass Harrison Ford zu wenig Zeit bekommt und dann die meiste Zeit eher liegend oder sitzend vor sich hin existiert – und dass dieser angedeutete Revoluzzer-Subplot überflüssig ist.
    Ansonsten liefert Villeneuve m.M.n. an jeder Ecke. Trotz der Spieldauer visuell erhaben und null redundant, überbordend kreativ, trotz der größeren Spielwiese mutig, weil intimer als das Original – und jede Szene, jeder Dialog bekommt genauso viel Raum wie nötig ist. Und auch das Zitieren bleibt im Rahmen (bei Star Wars 7 bekomme ich immer noch Brechreiz, da war das Bier übrigens nach 45min alle…), der Film funktioniert als eigenständiges Werk. Schön, dass so etwas in diesem großen Rahmen 2017 noch möglich ist. Bin beeindruckt!

    • Stepnwolf schreibt:

      Bei diesem Film wäre ein Wein doch aber stilechter als ein Bier. 😉

      Und ja, ich geh da auch soweit mit. Der Film ist visuell oscarreif (und der olle Roger darf den gern haben), aber ich halte die Szenen stellenweise für zu ausgedehnt (allein der zitierende Beginn ist gefühlt doppelt so lang wie im Original und bietet ebenso wenig substantielle Aussage fernab der Etablierung der gezeigten Welt). Und Gosling übertreibt es doch gewaltig in seiner Offenbarung der Langsamkeit. Letos Monologe sind genau das: monologisierend einschläfernd. Ich bleib dabei (bis zu einer erneuten Sichtung, die vielleicht ein wenig relativiert, auch das Original bedurfte immerhin mehrerer Anläufe) das der Film durchaus die eine oder andere Minute weniger vertragen hätte.

  5. Headwriting LE schreibt:

    Kann man Gosling dafür zur Verantwortung ziehen? Ich finde, er ordnet sich konsequent der Regie unter. Wenn, dann bitte die Beschwerdebriefe an Villeneuve 😛 Ich habe dennoch jede Sekunde (bis zum Abspann-Ende^^) genossen. Was das Opening angeht bin ich jetzt bei der einleitenden Bautista-Szene, die ja schon ein wichtiger Drehpunkt der Storyline ist. Aber da reden wir wohl aneinander vorbei. Eine zweite Sichtung würde ich dir dennoch nahelegen 😉

    • Stepnwolf schreibt:

      Bautista ist der Vorspann. Danach kommt dann das Opening. 😉 Und das meinte ich.
      Eine zweite Sichtung wird es auch sicher geben. Auf der bequemen Couch zu Hause und mit der Pause-Taste im Anschlag. 😀

  6. Miss Booleana schreibt:

    Blade Runner 2049 habe ich ganz anders wahrgenommen, Anfangs habe ich mich überhaupt nicht auf die fast 3 Stunden gefreut, aber letzten Endes habe ich gar nicht bemerkt wie die Zeit rum. Bilder, Geschichte, Bedeutungssuche .. hat mich gut bei Laune gehalten.

    • Stepnwolf schreibt:

      Ja, stimmt alles. Es bedarf eh noch einiger Rewatches und vielleicht ändert sich dann auch meine Meinung zur Filmlänge. Momentan schätze ich das Werk aber als zu lang ein, angesichts der doch recht dünnen Story. Und nur in Bilderwelten suhlen, ist ja auch nicht immer zielführend. (Wieso muss ich jetzt an Terrence Malick denken?)

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