Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Dezember

Im Dezember gab es tatsächlich nur einmal diese Rubrik zu bestaunen, was damit zusammenhing, das ich in den ersten vierzehn Tagen des Monats nur zwei Filme gesehen hatte und sich dafür ein Beitrag nicht gelohnt hätte. Über die Feiertage änderte sich dies dann. Vor allem fanden sich einige alte, schon lange nicht mehr (oder nicht mehr bewusst) gesehene Filme darunter. So sind dann also doch noch einige Werke hinzugekommen. Womit jetzt das kurze und knackige auch mehr Sinn ergibt…

Die Feuerzangenbowle (1944)

Heinz Rühmann geht immer. Und in der Rolle des Schülers Pfeiffer macht er auch in der zigsten Wiederholung Spaß, ganz ohne eine eigentlich obligatorische Feuerzangenbowle während des Schauens. Es ist diese unbekümmerte, jugendlich-verschmitzte Art seines Auftretens, gepaart mit frech-intelligenten Aussagen und dreistem Schabernack, der mich amüsiert ihm und dem Treiben der restlichen Pennäler am Gymnasium folgen lässt. Die Feuerzangenbowle ist klassisches Komödienkino und diente einzig der Zerstreuung und Ablenkung in Zeiten des Krieges. Was dem Film an sich seine durchweg unterhaltsame Ader aber nicht abspricht, da die Botschaft universell und zeitlos erscheint.

Kolberg (1945)

Demgegenüber steht ein Werk wie Kolberg, inszeniert von Veit Harlan und mit einem – was das Schauspiel anbelangt – auftrumpfenden Heinz George in der Hauptrolle. Entstanden als reines Propagandawerk durchziehen den Film ständig Metaphern des ewigen Durchhaltewillens im Angesicht eines übermächtigen Gegners. Fernab der mit Vorsicht zu geniessenden einen oder anderen Dialoge ist die visuelle Umsetzung kraftvoll und glänzt mit starken, aber auch hier stellenweise extrem heroisierenden Bildern. Kolberg will historisches Drama sein, rutscht aufgrund der primären Prämisse aber in eine geschichtsverfälschende Handlung ab und disqualifiziert sich dadurch selbst.

La Boum (1980)

Zu Weihnachten wurde es nostalgisch. Und eigentlich reicht es vollkommen die Band Prag zu zitieren, die das 1980er Jahre Feeling so wunderbar in ein Lied packen. Sieht man La Boum nach vielen Jahren der Abstinenz wieder, wird einem klar, warum der Film noch heute so gut funktioniert. Es stimmt einfach alles. Von den liebevoll gezeichneten Figuren und ihre Macken, über die Schönheit des ersten verpeilten Verliebens, das so galant in die Geschichte integriert ist, bis hin zur passenden musikalischen Untermalung. So muss sich ein Feelgood-Movie anfühlen. Und ja, auch ich war natürlich unfassbar verknallt in Sophie Marceau. 😉

Scrooged (1988)

Ich liebe Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte und ich mag diese Version mit einem frisch aufspielenden Bill Murray als zu läuternden und daher von den drei Geistern der Weihnacht aufgesuchten Protagonisten Frank Cross. Innovativ an dieser Version ist insbesondere die unterschwellige, aber nach und nach an die Oberfläche schwimmende Medienkritik. Menschen, die getrieben von Einschaltquoten dem Publikum unermüdlich Schund auf Schund vor die Nase setzen und dadurch zu seelenlosen Robotern in einer bildgewaltigen Maschinerie verkommen. Wie eben auch die Hauptfigur. Neben der eher klassisch erzählten Muppets-Geschichte zählt Die Geister, die ich rief daher zu meinen bevorzugten Versionen des literarischen Stoffes.

Assassin‘s Creed (2016)

Ich betrachte den Film aus der Unkenntnis der Spielreihe und unter dieser Warte kann ich ohne Zweifel sagen: Solide Geschichte mit ein paar logischen Ungereimtheiten, einem stoischen Fassbender in der Vorkämpferrolle und einer vor allem in den im alten Kastilien spielenden Szenen bildgewaltigen Umsetzung. Die Kampfchoreografien sehen gut aus. Wer einer mit SciFi-Elementen angehauchten, verschwörungstheoretischen Handlung mit Actionanleihen etwas abgewinnen kann ohne großartig tiefsinnig den Denkapparat zu starten, ist mit Assassin’s Creed ganz gut bedient.

La La Land (2016)

Vor knapp elf Monaten tänzelte ich ins Kino um mich Damien Chazelles neustem Werk hinzugeben und schrieb danach unter anderem dies: „Es manifestiert sich das Gefühl mit nostalgisch-romantisierten Bildern einer Märchenwelt eingelullt worden zu sein. Aber hey, kann ja auch mal ganz schön sein zu träumen.“ Traumhaft ist La La Land durchaus. Traumhaft schön in Szene gesetzt. Traumhafte Plansequenz zu Beginn. Traumhaft dahinplätschernd. Und nicht zu vergessen das Ende! Ein Traum von unkonventionell anti-hollywoodesk. Aber irgendwie fängt mich der Film einfach nicht ein. Manchmal muss man der Realität ins Auge blicken und sich vom Traum lösen die Faszination des Werkes entschlüsseln zu wollen. Das kann auch befreiend sein.

John Wick: Chapter 2 (2017)

Und dann wendet man sich stupidem Actionkino zu und verliert sich in Kampfszenerien ohne Sinn und wenig Verstand. Schwelgt in Allegorien auf 1980er Jahre Actionfilmen mit unkaputtbaren Akteuren, gemahnt sich an die moderne XXX– und Fast and Furious-Gesellschaft, die in Ansatzpunkten bei John Wick notgedrungen Einzug hält und kann dennoch befreiend Keanu Reeves beim (ver)kloppen und (ab)knallen zuschauen. Es gibt Momente, da braucht ein Film nicht viel mehr um zu überzeugen.

Die Schöne und das Biest (2017)

Weihnachten ist auch Märchenzeit. Weshalb die Realverfilmung des 1991er Disney-Zeichentrickfilms auf der Agenda stand. Mit Belle erwartet uns immerhin eine der emanzipatorischsten Frauenfiguren des Disney-Universums schlechthin. Da ergibt die Wahl der auch abseits des Filmbusiness für die Belange der Frauen weltweit agierenden Emma Watson als Belle durchaus Sinn. Und das sie (be)zaubern kann, hat die werte Dame ja in der Vergangenheit ausreichend bewiesen. 😉 Beauty and the Beast hält im Grunde das, was es verspricht – eine in schöne Bilder gegossene, disneyhafte Märchenwelt mit stereotypischen Bösen, humoristischen Sidekicks, heroischen Entwicklungen und romantischen Anwandlungen. Und mittendrin Ms. Watson, die das tut, was sie besonders gut kann: zuckersüss-unschuldig aussehen und das in Perfektion.

Tatort: Der wüste Gobi (2017)

Die Chemie stimmt einfach. Man muss unumwunden zugestehen, das Lessing und Dorn alias Ulmen und Tschirner ein formidables Kommissar-Duo abgeben. Die ständigen kleinen Reibereien und öffentlich artikulierten, intimen Andeutungen während polizeilicher Ermittlungen sind feine Tüpfelchen, die dem Weimarer Tatort den Glanz verleihen. Und wenn dann mit Jürgen Vogel als (vermeintlicher) Antagonist noch eine verrückte Komponente hinzukommt, wird es wirklich abgedreht. Da schmunzelt man dann auch über den Running Gag der ständig verhinderten Kopulation des Ermittlerteams und erfreut sich an dem Wortspiel im Titel (und der Buchstabensuppe).

Einmal führte mich der Weg im Dezember auch ins Kino und nein, es ist nicht der neue Sternenkrieg, der mich im komfortablen Kinosessel Platz nehmen ließ, sondern die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Wonder Woman.

Justice League (2017)

DC Comics und Verfilmungen. Ein ewiges Missverständnis. Möchte man meinen. Ganz so schlimm ist der neuste Output des DCEU dann aber doch nicht. Ein grantiger Batman, ein machohafter Aquaman, ein missmutiger Cyborg, ein quasseliger Flash und die Mutti der ganzen Truppe alias Wonder Woman bilden ein recht gut harmonierendes Ganzes. Hätte man den komischen anderen Typen mit dem großen S auf der Brust (und meinen bösewichtigen Namensvetter am besten gleich ebenso) einfach weggelassen, wäre ich rundum zufrieden gewesen. So sehen wir eine konzeptionell mal nicht verwirrend verschnittene Handlung, einige gekonnt inszenierte CGI-Schlachten und stellenweise kurzweilige Dialoge und vielleicht ein wenig zu oft die (zugegebenermassen attraktive) Rückansicht von Gal Gadot. Und außerdem sehen wir die DC-Welt noch immer nicht ganz so quietschbunt wie beim Konkurrenten (und finden es noch immer gut).

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6 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Dezember

  1. Headwriting LE schreibt:

    Hach ja, der Herr S. und „La La Land“, das wird wohl nichts mehr mit euch 🙂 Zumindest gehe ich d’accord, dass „Die Geister die ich rief“ eine der schönsten Versionen des Scrooge-Stoffes ist. Kann man sich Beauty and the Beast eigentlich auch ohne Watson-Bonus anschauen? Und sollte ich mich mehr dafür schämen, als wohl einziger Mensch der Welt noch nie die Feuerzangenbowle gesehen zu haben oder dafür, als ebenso Einziger noch nie La Boum gesehen zu haben? Fragen über Fragen…

    • Stepnwolf schreibt:

      Zu viele Fragen am Ende des Jahres, die nur am Anfang des neuen beantworten werden können. Erstmal: Ja, du solltest dich schämen. Und nein, ohne Watson-Bonus ist das halt einfach nur so ein typisches Disneymärchen. Also anschauen nur, wenn du Märchen magst. 😉
      Ansonsten: „La La Land“ und ich leben in verschiedenen Welten. Soll vorkommen. 🙂

  2. Achja, La Boum. Auch, wenn ich den Film ewig nicht mehr gesehen habe, verbinde ich gute Erinnerungen daran und wenn die Musik im Radio läuft, werden sie auf jeden Fall wach.
    La La Land fand ich ungemein schön, aber ich weiß, dass das hauptsächlich auf den Bildern und der Musik beruht. Ich analysiere das auch gar nicht weiter.

  3. Nummer Neun schreibt:

    Der Weimarer Tatort ist ja auch wirklich der einzige, den ich mir jedes Jahr anschaue und das bereue ich eigentlich nie. War wieder sehr schöne Krimikost!

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