#52FilmsByWomen: (1) Soleil Battant von C. und L. Laperrousaz

Titel: Soleil Battant (Sunbeat)
Regie: Clara Laperrousaz, Laura Laperrousaz
Produktionsland: Frankreich
Jahr: 2017

Bildschirmfoto 2017-12-09 um 17.22.08

Kindermund tut Wahrheit kund.

In der Musik wird man des Öfteren mit ruhigen, sanft dahinfliessenden Werken konfrontiert, die beim Zuhören schwelgerische, verträumte Blicke hervorrufen und einen leicht abdriften lassen in eine Traumwelt voller sanfter Klänge und Melodien. Man schwebt wattebauschig eingehüllt auf akustischen Wolken, umgarnt von lieblichen Tönen und ist versucht vollends darin zu versinken. Ein Gefühl, das nicht so schnell vergehen soll, aber mit dem Ende des letzten Liedes des Gesamtwerkes dann eben doch wieder die Realität zurückholt und das flauschig-wohlige Dahinschmelzen final stoppt. Manchmal zu final, weil abrupt und ohne Vorwarnung.

Bei Soleil Battant stellt sich stellenweise genau diese Grundstimmung ein. Was unbedingt und ohne Zweifel auf die malerischen Bilder zurückzuführen ist, die mit traumwandlerisch fotografierender Kamera sommerliche portugiesische Landschaften voller visueller Poesie einfängt. Auf der Bildebene liefern uns die Schwestern Clara und Laura Laperrousaz genuss- und niveauvolle Szenerien, insbesondere die Panoramafahrten – und von denen gibt es einige – sehen einfach nur bezaubernd-verzaubernd aus. Filmische Gemälde voller ästhetisch harmonierender Farbtöne, wunderbar anzuschauen. Mittendrin eine Familie, die uns zu Beginn sympathisch unaufgeregt Urlaubsfeeling vermittelt, deren anfängliche locker-leichte Spielereien nach und nach von dunklen Wolken unterbrochen werden, die sich leise heranschleichen und Erinnerungen aus der Vergangenheit offenbaren. Schmerzliche Erinnerungen, mit denen die Eltern auf ihre jeweils grundverschiedene Art umgehen. Umso mehr nachdem sie von ihren Zwillingstöchtern kindlich-neugierig mit eben jenen lang verdrängten Ereignissen konfrontiert werden. Die gerade noch so idyllische Urlaubsatmosphäre bröckelt an allen Ecken und lässt tiefe seelische Wunden zum Vorschein kommen. Die unbeschwerte, unbekümmerte Kinderperspektive dient den gesamten Film über als ein passables und notwendiges Äquivalent zur auf Seiten des Vaters aggressiv-rabiaten und auf Seiten der Mutter depressiv-melancholischen Artikulation des erlittenen Traumas. Dieses Auf- und Durchbrechen der aufkommenden Tristesse der erwachsenen Protagonisten durch die narrative Einbindung kindlicher Abenteuer- und Entdeckerlust tut dem gesamten Film sehr gut. Denn dies verhilft den auf der Erzählebene immer dramatischeren Handlungen der Eltern ein Gegengewicht zu schaffen. Ganz nebenbei ist die Konzentration auf die Aktionen der Töchter auch unabdingbares katalysatorisches Element für so ziemlich alle folgenden (Re)Aktionen. Schlußendlich führt die ungezwungene, ehrliche Offenheit der Kinder auch zu einem für die Erwachsenen akzeptablen Abschließen mit der Vergangenheit und entlässt den Zuschauer mit hoffnungsvollen Gedanken aus der metaphorischen als auch wirklichen Bildgewalt von Soleil Battant. Jedem Sonnenuntergang folgt eben auch ein Sonnenaufgang. Jedem (emotionalen) tiefen Tal folgt ein Hoch. Niemand zeigt das Auf und Ab besser als die Zwillinge und deren filmische Entscheidungen.

soleilbattant03

Clara und Laura Laperrousaz gießen ihr Filmdebüt in unglaublich elegante, stilvolle Bilder, die ebensogut als Gemälde fungieren könnten. Das ebenfalls von ihnen stammende Drehbuch (was unverkennbar autobiografische Züge enthält) arbeitet sich ruhig und ohne Hast an einer familiären Katastrophe ab, die in der Vergangenheit verankert ihren Weg in die Gegenwart findet und ungeahnte Emotionen evoziert. Es gibt eruptive Spitzen in dieser größtenteils langsam erzählten Geschichte. Die haben es auch durchaus in sich. In letzter Konsequenz ist aber gerade der Kontrast einer unaufgeregten Erzählweise aufregender Ereignisse das große Plus von Soleil Battant. Neben dem bravourös aufspielenden Schauspielerensemble, das von den kleinsten (aber wichtigsten) bis zu den größten Akteuren (Ana Girardot versinkt in ihre Rolle und ihre dunklen Gedanken) durchweg überzeugt.

Soleil Battant habe ich im Zuge des ARTE KinoFestival online im Original sehen dürfen. Ob und wann in Deutschland ein Kinostart geplant ist, kann ich nicht sagen. Zu gönnen wäre es diesem Werk allemal, da diese Bilder nach Sichtung auf einer großen Leinwand geradezu schreien.

Mehr zu dieser Reihe in den sozialen Netzwerken unter #52FilmsByWomen und natürlich weiterhin hier bei mir.

 

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