#52FilmsByWomen: (3) Speak – Jessica Sharzer

Titel: Speak
Regie: Jessica Sharzer
Produktionsland: USA
Jahr: 2004

speak

Silence is golden?

Die letzten Szenen in Speak zeigen die Protagonistin im Auto, gemeinsam mit ihrer Mutter und auf einmal – von einer zur nächsten Sekunde – fängt sie an zu reden, ohne Unterlass, nur kurz unterbrochen durch tiefe Atemzüge. 85 Minuten lang zeichnet sich das Schauspiel von Kristen Stewart durch größtenteils mimische und gestische Artikulation aus, verbale Kommunikation ist eher rar gesät. Ihre komplette, verwirrte, von Angst- und gleichzeitig Schuldgefühlen durchzogene, in sich gekehrte Gefühlswelt widerspiegelt sich äußerlich einzig über ihr teilnahmslos erscheinendes Gesicht, das sich der nahen Umwelt traurig und deprimiert zeigt. Was zu Beginn an eine typische, suizidgefährdete, morbid veranlagte Teenagerin gemahnt, wird dem Zuschauer recht schnell durch kurze Flashbacks klarer. Sobald man um die Ereignisse weiß, stellt sich gleichzeitig ständig das Bedürfnis ein Melinda lauthals anzuschreien, sich doch endlich zu öffnen. Alles rauszulassen, um diese Tristesse und Melancholie abzuschütteln und Hilfe anzunehmen.

Zum Beispiel von ihrem Kunstlehrer, der zum einen sofort das Talent seiner Schülerin entdeckt, zum anderen aber auch deren introvertierten Grundton, der sich in den geschaffenen Kunstwerken illuminiert. Steve Zahn überrascht in dieser Rolle mit (für seine Verhältnisse) Tiefgang und überzeugt als etwas spleeniger, aber dennoch einfühlsamer Vertrauenslehrer, dem sich Melinda zumindest künstlerisch öffnet. Hilfe erwartet sie aber auch von ihrer (ehemals) besten Freundin Rachel, der sie sich zaghaft wieder annähert und wo in einem Moment mutiger, von Hass erfüllter Emotionen die Wahrheit ans Licht kommt. Ohne vollends sicher zu sein, was dies im Endeffekt bedeutet.

still04

Jessica Sharzer erzählt in bedächtigen, ruhigen Bildern die Geschichte der jungen Melinda, deren Leben sich aufgrund eines Ereignisses grundlegend ändert. Speak nutzt als Rahmenhandlung den High School Alltag um vordergründig den seelischen Umgang der Hauptfigur mit dem, was ihr widerfahren ist, zu skizzieren. Dabei gelingen einige eindringliche Augenblicke, die kraftvoll und tiefergehend sind. Leider zeigen sich auch diverse Schwächen in der Handlung. Insbesondere die stereotypischen Nebenfiguren und deren (Re)Aktionen stossen einem bitter auf. Der Regisseurin ist zwar bewusst, das der Fokus auf der Hauptfigur liegen sollte – und glücklicherweise steht ihr mit Ms. Stewart eine exzellente Mimin zur Verfügung – driftet aber stellenweise dennoch in eine zu seichte, oberflächliche Darstellung ab. Speak verschenkt plottechnisch eine Menge Potential, das nur die Hauptdarstellerin allein nicht adäquat kompensieren kann. So bleibt nach 90 Minuten zwar die Erkenntnis, das manchmal Reden Gold und Schweigen nur Silber ist, aber auch das der Film einem wichtigen und richtigen Thema nicht die vollwertige Aufmerksamkeit zuteil kommen lässt. Speak will viel, doch bleibt auf halber Strecke stecken. Das musste mal gesagt werden.

Mehr zu dieser Reihe in den sozialen Netzwerken unter #52FilmsByWomen und natürlich weiterhin hier bei mir.

 

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