Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Februar Teil 2

Elementarteilchen (2006)

Die Verfilmung des Romans von Michel Houellebecq mit einem Aufgebot deutscher Vorzeigeschauspieler, allen voran Moritz Bleibtreu, der als triebgesteuerter Antiheld durch diesen Film führt. Ihm zur Seite steht Christian Ulmen als intelligenter, aber ziemlich introvertierter Einzelgänger. Beiden begegnet jeweils die Frau, die ihr Leben grundlegend ändert. Auf die seltsamste Art und Weise. Und so seltsam wie beide Figuren wird auch die Geschichte erzählt, stellenweise ein bisschen zu episodenhaft abgehackt, aber irgendwie dann doch charmant vorgetragen. Und in gewisser Weise auch mit einem Happy End.

Another Earth (2011)

Vorweg: Löst euch von der Prämisse hier einen SciFi Film zu sehen, den man aufgrund des Trailers vielleicht erwartet. Denn dann (und nur dann) funktioniert Another Earth wunderbar. Als Drama und Erlösungsgeschichte. Als Überwindung eines Traumas und Erweckung neuer Lebensgeister. Als Selbstfindung und Reflexion. Brit Marling begeistert in dieser Geschichte von Schuld und Sühne einer jungen Frau mit facettenreichem Schauspiel und dominiert den Film von Beginn an. Regisseur Mike Cahill findet beeindruckend intensive Bilder und versteht es diese in die Geschichte einzubetten. Diese zweite Erde als Aufhänger und Triebfeder bedarf es im Grunde gar nicht. Another Earth funktioniert auch ohne dieses Anhängsel problemlos.

Luca tanzt leise (2016)

Ein Film, der so voll und ganz mit Berliner Schnauze daherkommt und eine ebenso tönende Hauptdarstellerin bietet. Martina Schöne-Radunski als Luca mag leise tanzen, geht aber laut durch die Welt. Die nicht rosig ist, wenn man sich selbst aus jahrelanger depressiver Phase zurück kämpft. Mit viel Mühe und Kraft. Luca tanzt leise findet einen realen, sehr dokumentarisch angehauchten Bildrahmen. Nichts wirkt gekünstelt. Alles steht ohne Filter und Effekte in voller Pracht vor einem. Und was man da sieht, ist nicht immer schön, zeigt das Leben aber so wie es nun einmal ist. Ein kleiner Film, roh und rauh. Aber mit dem Herz am rechten Fleck und dadurch grundsympathisch. Wie so ein Berliner Urgestein eben.

Bullyparade – Der Film (2017)

Nee, komm. Lass mal. Das ist nicht mehr lustig. Diejenigen, die Michael ‚Bully‘ Herbigs Pro7 Bullyparade kennen, werden die hier verbauten Versatzstücke irgendwie alle schon mal gesehen haben und mit einem gelangweilten Gähnen quittieren. Und die Nichtkenner der Show schauen sich den Film vielleicht aufgrund des Wissens um Der Schuh des Manitu an, was zu Beginn ganz stimmig sein kann (im Westernpart), aber danach nur immer niveauloser wird. Der Schwung ist weg. Die Luft ist raus. Nee, nee. Das wird nix mehr.

Werte Leser, es gibt eine kleine Neuerung im ‚Kurz und Knackig‘-Kosmos. Denn ab sofort widme ich mich auch einigen Serien, die ich (man wird es kaum glauben) in ausreichender Anzahl konsumiere. Es wird immer nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Repertoire sein und sich vorrangig auf komplett beendete Serien konzentrieren. Ab und an garniert mit außergewöhnlich guten Staffeln noch laufender serieller Werke. Den Anfang macht ein persönliches Guilty Pleasure und eine der besten Serien der letzten Jahre (wenn nicht sogar Jahrzehnte)…

Bitten (Staffel 2 und 3)

Attraktive Männer und eine schöne Frau stehen im Mittelpunkt dieser Serie, die aufgrund der Thematik fantastische Elemente beinhaltet, aber erzählerisch doch recht konventionell auftritt. Die Kampfszenen sind ansehnlich choreografiert, was auch an der Wahl der Hauptdarstellerin liegt, denn Laura Vandervoort ist nicht nur hübsch anzuschauen, sondern kennt sich in der asiatischen Kampfkunst sehr gut aus. Bitten strickt um ein Rudel Werwölfe eine über drei Staffeln gespannte Geschichte um Tradition und Moderne und die Verluste, die mit diesen Veränderungen einhergehen. Das ist größtenteils sehr stumpf und erzählerisch einfach umgesetzt und bietet natürlich immer im rechten Moment die richtige Lösung an, lässt sich nichtsdestotrotz aber als entspannende Nebenbeiserie gut wegschauen. So ein (oder zwei) Guilty Pleasure braucht doch jeder mal und bei Wölfen kann ich doch eh nicht nein sagen.

Sons of Anarchy (Staffel 7)

Die finale Staffel fährt noch einmal schwere Geschütze auf, verfolgt aber auch von Beginn an konsequent das Ziel die Haupt- und Identifikationsfigur der Serie – und der Sons of Anarchy an sich – Jackson ‚Jax‘ Teller auf dem Weg ins Verderben zu beobachten. Das dabei, wie in allen Staffeln zuvor, viel Blut und Schweiß und nicht weniger Verluste an Menschenleben zu verzeichnen sind, war zu erwarten. Das mir mit dem großen Finale ein neuer Top5 Kandidat der besten Serienfinals ever serviert wird, war wiederum überraschend. Oder auch nicht. Denn erzählerisch ist die komplette Serie auf hohem Niveau. Die Figuren sind – so ambivalent und brutal sie häufig gezeichnet sind – im Kern liebenswert und sympathisch. Paradox. Wenn man bedenkt, das man sich immer dabei ertappt, illegal agierenden Rockern auf Motorrädern die Daumen zu drücken, dass auch alles gut geht. Und warum? Weil deren Gegner grundsätzlich noch eine Spur fieser und gemeiner und skrupelloser auftreten. Und weil Sons of Anarchy trotz der anarchischen, brutalen Gangsterwelt in der es spielt eine Serie ist, deren innerster Kern die Familie (als verwandtschaftliches und als Club-Konstrukt gleichermaßen) und die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander behandelt. Staffel 7 beendet die Geschichte um SAMCRO in plausibler, nachvollziehbarer und in diesem Ausmaß dann doch einzig möglicher Art und Weise. Wer Sons of Anarchy nicht kennt, sollte diesen Fauxpas schnellstmöglich ausbügeln. Euch wird beste serielle Unterhaltung geboten.

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26 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Februar Teil 2

  1. Filmschrott schreibt:

    Bullyparade kam halt auch einfach gefühlt hundert Jahre zu spät. Mal davon abgesehen, dass sich der Humor mit der Zeit auch einfach abgenutzt hat, muss man auch feststellen, dass Bully einfach durch ist. Genau genommen kam nach dem Schuh nix mehr, was irgendwie erwähnenswert wäre.

  2. Schlombie schreibt:

    Dann mal danke für die „Another Earth“-Vorwarnung. Der Film ist erst kürzlich in meinen Radar geraten, habe ihn auch gleich bestellt, und nun wartet er auf eine Sichtung. Bin im Zuge einer Review zu „Unfall im Weltraum“ auf den Film gestoßen, aufgrund eines Science Fiction-Vergleichs, von daher passt Deine Warnung ja recht gut um mit anderen Erwartungen heranzugehen. 🙂

  3. filmlichter schreibt:

    Ich verstehe wirklich nicht, wer heute noch einen Bullyparade Film brauchte. Wenn ich mir die Besuchszahlen ansehe wohl einige (obwohl die natürlich nix darüber sagen, wie viele Leute dann auch Spaß hatten) aber… nö, ich verstehe es nicht. Aber gut, mir ging schon sein Star Trek Film gehörig auf den Zeiger.

  4. bullion schreibt:

    Ja, ist angekommen. Ich werde endlich SoA schauen. War doch an mich gerichtet…? 😁

  5. Nummer Neun schreibt:

    Another Earth habe ich auch neulich gesehen und dachte mir auch, dass der Sci-Fi Bezug eigentlich totaler Quatsch ist. Die gute Geschichte würde auch so funktionieren.

    Bei Sons of Anarchy bin ich nach der zweiten Staffel ausgestiegen. Vielleicht sollte ich aber doch noch mal weiter schauen.

  6. Eventuell habe ich mir beim Gedanken an das SoA-Finale gerade ein Tränchen aus dem Augenwinkel gewischt. Kann dir nur zustimmen – das Ende schafft es auch in meine Top 5. So viel Liebe für Samcro! ♥

  7. Headwriting LE schreibt:

    Es gibt tatsächlich Menschen, die Another Earth gesehen haben? Ich muss immer noch Filmstarts für den Geheimtipp danken … und dem Zoo-Kino in Halle, das ihn gezeigt hat…

  8. Pingback: Media Monday #351 | Weltall. Erde. Mensch…und Ich.

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