Kurz und knackig: Die Flimmerkiste April Teil 2

Flash Gordon (1980)

In einer Zeit als an die Marvel Superhelden noch nicht zu denken war, rettete Flash Gordon die Erde vor dem bösen Imperator Ming. Und was wird in diesem Kultstreifen alles an schauspielerischen Größen (neben Queen als musikalische Hauptverantwortliche) aufgeboten: Max von Sydow, Timothy Dalton, Ornella Muti? Sollte reichen, um ein stimmiges Werk zu fabrizieren. Nur leider krankt es am titelgebenden Protagonisten. Denn außer einen muskelbepackten Oberkörper kann Sam J. Jones nicht viel zur tieferen Charakterbildung von Weltenretter Flash beitragen. Die Weltraum-Szenen sind auch arg künstlich (da hatte man zeitgleich in anderen SciFi Werken sehr viel besseres gesehen). Die Kampfszenen strotzen nur so vor kabarettistischem Dilettantismus. Aber irgendwie macht genau das den Charme des Werkes aus und trug nicht unwesentlich zum heutigen Kultstatus bei.

Fúsi – Virgin Mountain (2015)

Die Isländer und ihr immer irgendwie melancholisch angehauchtes Filmgut. Fúsi ist ein grundsympathischer, kurzweiliger, herzerweichender, sinniger, ruhiger und beruhigender Film. Eben genauso wie der Protagonist, der dem Film seinen Namen gab. Gunnar Jónsson als Fúsi spielt so authentisch, so einfühlsam und ehrlich, das man von Beginn an die Figur ins Herz schließt und dort nicht wieder rauslässt. Und dann die kleinen, aber feinen Nebenrollen. Herzallerliebst. Ein isländisches Kleinod über das Leben und die unvorhergesehenen Wege, die dieses seltsame Leben manchmal so nimmt.

Patriots Day (2016)

Pathos und Patriotismus trieft aus einigen Poren dieses Films. Aber auch viel Mut zur Überwindung, Kraft zum Weitermachen. Wenn man selbst am Ort des Geschehens war, spürt man – selbst zwei Jahre später – die tiefe Wunde, die der Anschlag auf den Bostoner Marathon 2013 bei den Menschen dieser Stadt hinterlassen hat. Aber auch den Stolz, die Stärke und die Verbundenheit der Bewohner. Patriots Day fängt diese Atmosphäre ganz gut ein, hüllt sie aber stellenweise in zu viel actionlastige Szenen, die dem dramatischen Unterton nicht vollends gerecht werden. In diesen Momenten biedert sich Peter Berg dem Mainstreamkino an und nimmt dem ansonsten durchaus gelungenen Werk die emotionale Wucht, die sich ab und an so wunderbar Bahn bricht. Nichtsdestotrotz ist Boston (so der deutsche Titel) durchaus sehenswert.

Im Kino gab es diesmal eine Sondervorstellung eines der besten Werke des großen Wim Wenders.

Der Himmel über Berlin (1987)

Gesehen in der restaurierten Fassung strahlen die Bilder wie neu. Insbesondere in den Farbsequenzen sieht man die aufpolierten Fotos mit bestechender Sättigung. Die Geschichte ist natürlich noch immer so wunderbar märchenhaft inszeniert und dabei so schön in das brodelnde Berlin eingebettet. Die Figuren strahlen wohlige Wärme aus und Handkes Worte umschmeicheln den gesamten Film. Der Himmel über Berlin auf der Kinoleinwand wirkt noch besser als eh schon immer. An der damals geäußerten Faszination meinerseits hat sich demnach nichts geändert. Warum auch?

Und weil ich mit beiden gleich folgenden Serien die komplette Staffel über nicht so wirklich warm geworden bin, folgt nun eine Warnung davor. Was jetzt ein wenig überdramatisierend klingt und dennoch wahre Elemente enthält.

The Walking Dead (Staffel 8)

Nachdem das Midseason Finale den stetig daraufhin arbeitenden endgültigen Endkampf zwischen Ricks Mannen und Negans Saviors anteaserte und wir uns dann zu Beginn der Rückrunde von Staffel 8 von einem der langjährigen Charaktere verabschieden (man könnte „endlich“ sagen, wenn jene Figur nicht genau in dieser Staffel das geschafft hätte, was bis dahin nie gelang: Sympathie und Interesse zu wecken), war das eigentliche Finale dann doch recht unspektakulär und ein wenig zu offensichtlich. Staffel 8 der Serie lässt einiges zu wünschen übrig, verschwendet viele potentiell interessante Plotlines oder lässt sie komplett fallen und geht mit den liebgewonnenen Figuren ziemlich oberflächlich um (Was genau treibt eigentlich Daryl die ganze Staffel über?). Und nur die  Negan-Szenen allein (immer noch großartig gemimt von Jeffrey Dean Morgan) reißen es dann leider auch nicht mehr raus.

Britannia (Staffel 1)

Oh Mann. Da hat sich die Sky-Eigenproduktion aber ganz schön viel vom großen Konkurrenten Game of Thrones abgeguckt. Oder besser gesagt abgucken wollen. Funktioniert nämlich nur sehr bedingt, da vor allem die Figuren selten genug Identifikationspotential bieten. Okay, David Morrissey kann definitiv fiese Rollen spielen und dabei dennoch Charme versprühen (hat er bei der obigen Serie ja bereits ausgiebig geübt) und Kelly Reilly 💚 ist über jeden Zweifel erhaben. Aber der große Rest hat mich null abgeholt. Wenn dann erschwerend hinzukommt, dass das Setting (die ollen Römer fand ich nie besonders spannend) für mich wenig Anknüpfungspunkte bot, wird es schwer Britannia zu mögen. Trotz vor allem visuell beeindruckender Bilder.

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4 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste April Teil 2

  1. Filmschrott schreibt:

    Was du schreibst fasst eigentlich perfekt zusammen, was von jeher das Problem von „The Walking Dead“ war. Charaktere dümpeln ewig rum und genau in dem Moment, in dem sie dann mal interessant werden, schreibt man sie aus der Serie raus.
    Dazu dann die angesprochene Potentialverschwendung, bei der man ewig auf etwas zusteuert, dass dann mal eben so nebenbei in 5 Minuten abgehandelt wird.
    Und Negan, so sehr ich JDM in der Rolle und allgemein auch mag, stellt auch kaum etwas dar. Die Figur ist seit 2 Jahren in der Serie und man erfährt quasi nichts über ihn. Das war nicht mal damals beim Gouvernor so schlimm, wo einem wenigstens nach und nach Informationen über dessen Vergangenheit und Beweggründe hingeworfen wurden. Bei Negan kam da bisher viel zu wenig.
    Über das Ende der Staffel bin ich auch noch sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite scheint man sich wieder mehr auf die Zombiebedrohung fokussieren zu wollen, was ich bei der unglaublich schlecht geschriebenen Seifen-Oper-Dramatik nur begrüßen kann. Andererseits teast man ja schon die nächsten Grabenkämpfe an, mit dem „Bündnis gegen Rick“, das für mich in dieser Konstellation auch keinen Sinn ergibt.

  2. Nummer Neun schreibt:

    Ja Walking Dead ist echt ein Ärgernins. Der Konflikt Negan gegen Rick war ja noch das spannedeste an der Staffel, nur die Horde der Zomb… äh Nebendarsteller verwässert das so, dass fast nichts mehr übrig bleibt. Und dieses „Bündnis gegen Rick“ ist von der Idee her ja gut, nur das es ausgerechnet aus DIESEN Personen bestehen soll, macht halt wirklich keinen Sinn.

    Bei Flash Gordon habe ich ja wirklich eine Bildungslücke – aber anscheinend ist sie ja nicht wirklich wert, geschlossen zu werden.

    Einen isländischen Film habe ich glaube ich noch nie gesehen (wenn ich mal die Sigur Rós Doku außen vor lasse).

    • Stepnwolf schreibt:

      Gibt ein paar ganz interessante isländische Filme. Bei den Werken schwingt immer so ein bisschen dieser melancholisch, düstere Unterton mit, dem man wahrscheinlich nur dort und vor allem im Winter anheim fällt. 😉

  3. filmlichter schreibt:

    Ich glaube Flash Gordon ist immer noch der Film mit den meisten Lasern pro Minute. Außerdem habe ich jetzt Lust Der Himmel über Berlin mal wieder zu sehen. Ist viel zu lange her.

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